Psycho-Tricks auf allen Seiten

in Vor- und Nachbetrachtungen by

Überraschung 1 vor dem Spiel: eine neue Lautsprecheranlage auf dem Dach der Bodensee-Arena – nun hört man auch im Norman-Smith-Stand die Durchsagen des Stadionsprechers.

Überraschung 2: Chur verpflichtete mit seinem alten Erfolgs-Trainer Michael Nushöhr einen Feuerwehrmann der die Abstiegsgefahr der Bündner bannen sollte. Revanche! – dachte ich sofort. Was war das für ein Spiel, vor dreizehn Jahren, als sich an der Churer Ringstrasse (mit Trainer Nushöhr!) 15 Minuten vor Schluss der Ball mit Hilfe einer Windböe aus 30 Metern Entfernung ins Kreuzlinger Tor senkte und alle Challenge-League-Hoffnungen der Kreuzlinger zunichte machte!

Vor dem Spiel Trikot-Chaos im Hafenareal. Die Churer kamen als weisses Ballett aufs Feld, zu ähnlich dem Kreuzlinger Trikot-Satz befand der Schiedsrichter. Also wieder alle in die Kabine. Auf der Tribüne wetterte man bereits gegen den ehemaligen Bundesliga-Profi Nushöhr*, „Psycho-Tricks vom Nushöhr!“ Der FCK kam schliesslich in Pech-Schwarz aufs Feld – und schoss die Bündner mit 3:1 ab.

Ein anderer Psycho-Trick half mehr, Penalty für Chur, Silvano Kessler steht neben dem Kasten, verzögert die Ausführung, klatscht zweimal kräftig in die Hände – es hallt durchs ganze Hafenareal – rennt zurück auf die Linie und hext den Ball des ob diesen Vorspiels zögerlich wirkenden Churers wie ein Berserker aus dem Tor – Grandios! Siehe Foto, ja er kam noch an den Ball!

* Stuttgart-Profi Nushöhr – drei verwandelte Elfmeter gegen Hannover 96 am 8. Februar 1986 – er wird es sein ganzes Leben hören, so auch nach dem Spiel in unserem Club-Beizli:

Trainertalk in Kreuzlingen vor 7 Zuhörern: „Micha, erzähl mal, wie war das, damals, Bundesliga, drei Elfmeter…“.

Die 2. Mannschaft gewinnt zudem gegen die Reserve von Rorschach-Goldach und schafft damit den Klassenerhalt in der 3. Liga.

Nachtrag, eingesandt durch einen Leser mit folgendem Kommentar: „Churer sitzen mit  ihren roten Originaltenüs auf der Bank! Sogar die Spielernummern sind korrekt (Bild aufgenommen bei einer Trinkpause). Das heisst: Beim Wechseln mussten die Bündner erst ihr Originaltrikot abstreifen und ins „falsche“ Weisse wechseln! 

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1 Comment

  1. Aha: Die FCK-Zweite schaffte den Klassenerhalt. Prima! Ich nehme mal an: sogar ohne Psycho-Tricks. Die stechen sowieso nicht immer. Auch in Pech-Schwarz kann man, wie zu lesen ist, gewinnen. Und das mit dem Lautsprecher-Trick auf der volkstümlichen Bodensee-Arena ist vielleicht eine späte Revanche für die einst an dieser Giebelwand vom Volk begrabenen Tribüne.

    Übrigens: Gegen Chur 97, derzeit noch unterm ominösen Strich, spielte der FCK kantonal-nachbarschaftlich glorios für den FC Frauenfeld, der gegen den FC Dübendorf einging und daher noch nicht „überm Berg“ ist, wenn es um den dritten Absteiger geht. Läuft es am zweitletzten Spieltag für den FC Frauenfeld ungünstig, kommt es am letzten Spieltag in der direkten Auseinandersetzung zuhause gegen Chur 97 zum Showdown. Zur Disposition steht aber auch noch der FC Schaffhausen 2 als dritter möglicher Absteiger. Ob Trainer Nushöhr für die zwei letzten Runden bereits an Psycho-Tricks herumbastelt – gar selbst nochmals in die Hosen steigt? Wir wissen es nicht. Letztere Vermutung kommt allerdings kaum zur Anwendung: Jahrgang 1962 spricht eher gegen 90-minütige Laufduelle.

    Auf- oder Abstiege, ob dann endgültig oder erst durch zusätzliche Relegationsspiele fixiert, sind übrigens der eigentliche Pfeffer im Fussball. Hier tobt es. Alles Andere ist mehr emotionales Mittelmass. Nur ist es eben so, dass positive Höhepunkten eher nur dann erlebt werden können, wenn eine Mannschaft im ganzen Saisonverlauf von vielen Fans tüchtig unterstützt wird. Und endet die Saison negativ, so hat man mindestens alles versucht, ein besseres Resultat zu erzielen. Grosse Weisheit…..

    Ein Abstieg, wie ein Aufstieg, ist gespenstig. Wobei zu fragen ist, welches Gespenst eher zu bändigen wäre. Und das kommt ganz auf die Liga-Höhe an. In den unteren Ligen ist ein Abstieg oder Aufstieg nicht sonderlich umwerfend. Mehr ein Frage der Ehre. Im günstigen Fall der Freude, im ungünstigen der eher kurzen Trauer. Das Spielfeld bleibt jedoch weiterhin gleich gross. Der Sport-Spass auch.

    Für höherklassigen Fussball – sagen wir mal in CH frech ab „2. Interregional“, sind Ligaveränderungen deutlich bewegender. So steigt zum Beispiel ein Traditionsclub nicht gerne noch tiefer ab (der FC Bern hat derzeit hoffnungslos gerade mal 6 Pünktchen in der 3. Gruppe der 2. IR!). Und bei einem Aufstieg kommen dann rasch „Infrastruktur-Verbandsvorstellungen“ aufs Tapet, die nicht von allen Aufsteigern einfach umzusetzen sind. Zudem ist in der Regel ein „Zukauf“ von Spielern notwendig, möchte man doch die erreichte Klasse halten. Dann beginnt die grosse Rechnerei. Alles wir mindestens semi-professionell auszurichten sein (wenn das nicht zum Teil bereits vorher geschehen ist!). Das schafft dann ein Verein mit „höheren Erfahrungen“ vielleicht besser, als ein „Newcomer“. Sicher ist das allerdings nie in diesem Fach, in dem sich heute in der Praxis alle möglichen „Geschäftstricks“ eingnistet haben könnten, die nur dann funktionieren, wenn auch die sportliche Ausbeute stimmt. Und es braucht besonders viel Resonanz der Fans: von alten – und auch von neuen!

    Kurz noch in eigener Sache: Besuchte neulich das Berliner Landespokal-Endspiel der Amateure, BfC Dynamo gegen den Berliner SC (2:1, Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, 6’300 Zuschauer). Neu war für mich, dass man schon im Amateurbereich am Eingang zum Stadion „abgegriffen“ wird. Selbst meine Mütze musste ich „hochlupfen“ (war kein Phyro drunter!). Nett jedoch: Die orange-farbigen „Abgreifer“ wünschten jedem Eintretenden (für Eintreterinnen gab es „Abgreiferinnen“) ein „Schönes Spiel“. Und so blieb es dann auch friedlich. Das umfängliche Polizeiaufgebot hatte für einmal nichts zu tun – für einmal! Ein rundum sonniger Spätnachmittag also.

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