Hinter der Geisterbahn

in Vor- und Nachbetrachtungen by

Regional-fussball.ch meldete in der Sommerpause einen  Daniel Kessler aus Kreuzlingen als Neuzugang beim FC Thalwil. Glücklicherweise schnürt in Thalwil künftig mein Namensvetter Silvano Kessler die Fussballstiefel, ich betreibe dagegen weiterhin diesen Blog.

Saisonstart am Seenachtsfestwochenende gegen den Aufsteiger FC Uster. 190 treue FCK-Zuschauer bahnen sich den Weg über Kabel, Wäscheleinen und allerlei Gerät der Schaustellerbuden um irgendwo hinter der Geisterbahn den Fussballplatz zu finden.

Dort folgt beim Einlauf der Mannschaften die nächste Überraschung. Die Kreuzlinger Elf betritt in schwarz-weissen “Hannes Schmidhauser” Gedenk-Trikots das Spielfeld. Der Schauspieler (Ueli der Knecht) und Schweizer Nationalspieler (was für eine Kombination!) spielte um 1945 für den FC Kreuzlingen – und davor, genau, für den FC Lugano. Die Trikots stellten sich auf Nachfrage als Fehldruck (!) heraus.

Vor der Pause hätte der FCK führen müssen, hat er aber nicht. Nach der Pause zehn ganz schlechte Minuten, 0:2. Ein Zuschauer bei 30 Grad im Schatten:

“die hend z’heiss i dene schwarze Trikots!”

Nach der doch ziemlich überraschenden 1:2-Auftaktniederlage traf man sich unter Schützengarten-Schirmen bei Weisswein und Rivella vor dem Clubhaus zum Trainertalk. Uster-Trainer Fabio Digenti:

“Wer es in Kreuzlingen mit spielerischen Mitteln lösen will ist Lebensmüde!”

und Kreuzlingen-Trainer Kürsat Ortancioglu stellte klar: “Wir müssen alles anders machen!” Das Kreuzlinger Publikum applaudierte ob der ehrlichen Worte. Wie erfrischend anders im Vergleich zu den langweiligen Interviews im Profi-Sport!

Der Grillmeister gab die letzten Würste aus und danach kamen die Zuschauer wieder links und rechts hinter der Geisterbahn hervor.

Der Trainertalk ist Fussballkultur beim FCK, doch auch andere Vereine lassen den Regionalfussball hochleben, zum Beispiel der FC Widnau mit einem Tippspiel welches ich an dieser Stelle empfehlen möchte: https://www.kicktipp.de/widnau/ Alle Spielrunden der 2. Liga IR Gruppe 6 werden getippt mit Spezialfragen, der Hafetschutter befindet sich nach der ersten Runde auf Platz 2, wer tippt besser?

2 Comments

  1. Sollte nicht passieren, ist es aber! 3 Punkte sind schon mal weg. Heimspiele am Anfang der Saison gewinnen ist (u.a.) “der” Schlüssel für einen darauf folgenden grösseren Publikumsaufmarsch durch mediale Aufmerksamkeit. Und rechnerisch könnten den sportlichen Akteuren am Ende der Saison diejenigen Punkte fehlen, die am Anfang bei solchen “Schlüsselspielen” nicht eingebracht wurden. Fussballweisheit. Über etwas zu schreiben ist gegebenermassen deutlich einfacher, als den Schlüssel zu besitzen, ein Auftaktevent erfolgreich zu gestalten! Interpretiert man den FCK-Trainer aus der Ferne richtig, so besitzt er im Nachhinein immerhin einen Schlüssel, um “alles anders zu machen” – heisst wohl: erfolgreicher. Okay!

    Die Frage stellt sich, was denn bei den zum Teil erfolgreichen Vorbereitungsspielen “anders gemacht” wurde als gegen Uster, warum das vorgängig Erfolgreiche für den Meisterschaftsauftakt nicht gleich kopiert werden konnte. Wir stossen so unvermittelt wieder mal auf den effektiven Wert von Trainingsspielen (oder sind auf einen voll motivierten Aufsteiger gestossen).

    Dass ein Spiel auch mal “hinten” verloren gehen kann – durch Unkonzentriertheit, Halbherzigkeit oder “Tendelei” -, ist nur allzu gut bekannt und betrifft ab und zu noch so tüchtige Hinterleute – selbst professionelle. Eine grausame Sportlertragik. Betroffene Spieler könnten jeweils im Boden versinken. Geht nicht.

    Wenn hinten ein Problem besteht, besteht jedoch noch immer die Gelegenheit, vorne effektiv zu kontern. Die Annahme kann doch nicht falsch sein, dass der FCK derart propere Stürmer besitzt, die jederzeit einem Spiel eine Wendung geben könnten! Klappt das nicht, so wird vorne entweder das kopiert, was hinten auch nicht richtig läuft, oder es ist, wie vielleicht sonntags im “Fall Uster”, dass es eben auch Tage gibt, die eher einem gegnerischen Torhüter gehören, als heranstürmenden Grün-, alias Schwarz-Weissen. Zumal bei 30 Grad im Schatten.

    Somit hat der FCK-Trainer gleich zwei Problemzonen. Wie weit sich dabei das (deffensive oder offensive) Mittelfeld als dritte Zone aus dieser Sachlage heraushalten kann, ist mit zu analysieren. Breite Aufgabe. Und: Stimmte bei den Akteuren das Energetische, die berühmte “Körpersprache”? Auch so ein Ding.

    So steht also eine Trainigswoche bevor, die ziemlich entscheidend sein dürfte, wie eine Türe aufgemacht werden kann, um die zweifelsohne vorhandenen Qualitäten der ersten FCK-Truppe dauergesichert in die Ligameisterschaft einbringen zu können. Die Spannung steigt, was da “anders gemacht” auf die treuen Zuschauer und ultimativen Fans zukommt. Dabei ist selbstverständlich erst der Saisonbeginn angebrochen. Noch sind alle Wege offen. Auch für die Erste des traditionsreichen FCK’s. An diesen Weisheiten stimmt zum Glück so ziemlich alles.

  2. Danke dass Du das Tippspiel in Deinem Rückblick erwähnt hast. 65 Tipper, da 11 derzeit inaktiv sind, werden es wohl am Ende mindestens 54 sein, waren wir schon lange nicht mehr. Dir ist der Start im Tippspiel deutlich besser geglückt, als Deinem Lieblingsverein, dem FC Kreuzlingen auf dem Fussballrasen. Da kann man schon erkennen, dass Du extrem viel Ahnung vom Regional Fussball hast. Nach einem Spieltag kann man aber natürlich weder im Tippspiel, noch auf dem Fussballplatz schon sagen, in welche Richtung es gehen wird. Da braucht es wohl schon einige, ich sage mindestens fünf Spieltage, um eine Tendenz ausmachen zu können.
    Der FC Kreuzlingen hat zwar das Startspiel verloren, dennoch sollte man diese Niederlage, auch wenn sie gegen einen Aufsteiger zu Stande gekommen ist, nicht allzu hart bewerten, und schlimm sehen. Das erste Spiel ist für die meisten Mannschaften eine Standortbestimmung. Man weiss meistens vor dem ersten Spiel noch nicht genau, wo man Kräftemässig steht. Trotzdem, ein positives Ergebnis zu Beginn der Saison kann Flügel verleiten, und vielleicht sogar dazu führen, das vermeintlich schwächere Mannschaften auf einmal in Tabellenregionen sich befinden, wo sie eigentlich gar nicht hingehören. Ob das auch in dieser Saison der Fall sein wird, das kann man jetzt natürlich noch nicht sagen. Um dies beurteilen zu können, muss wohl die Hälfte der Vorrunde absolviert sein.
    Es ist immer schwer zu Beginn einer Saison gegen einen Aufsteiger spielen zu müssen. Umso mehr, wenn man als Aufstiegskandidat gehandelt wird. Das hat nicht nur der FC Bazenheid, die sich im Heimspiel mit dem Aufsteiger FC Widnau die Punkte teilen mussten (0:0), sondern auch der FC Kreuzlingen an diesem 1.Spieltag schmerzhaft erleben müssen. Bazenheid ist natürlich kein Aufstiegskandidat, Platz 4-8 ist aber durchaus realistisch. Widnau hat vor allem in den ersten zwanzig Minuten hervorragenden Fussball gespielt, leider aber keine der vier guten, teilweise sehr guten Torchancen ausnützen können. Danach ist Bazenheid immer besser ins Spiel gekommen, und hat nach einer ausgeglichenen 1.Halbzeit dann in der 2.Halbzeit eindeutig das Spielkommando übernommen. Mit Einsatz, dem nötigen Wettkampfglück und einem sensationellem Torhüter Nemanja Babic, so heisst der Widnauer Torhüter, konnten sich die Widnauer schlussendlich mit viel Glück den ersten Punkt in der 2.Liga interregional sichern. Ohne Babic, der mindestens 5 Hundertprozentige Chancen des Gegners zunichte machen konnte, und daher die gegnerische Offensive Fast zur Verzweiflung brachte, wäre dieser Punktgewinn aber nicht möglich gewesen. Es war aber nicht nur der Torhüter, sondern die geschlossene Mannschaftsleistung, Jeder kämpfte für Jeden, die diesen Punktgewinn ermöglichten. Daher, aus meiner Sicht, ein verdienter Punktgewinn, obwohl der Gegner 70 Minuten das Spiel bestimmte. Was mir im Spiel Bazenheid gegen Widnau aufgefallen ist, in der Abwehr hat der FC Bazenheid mit der Nr.2 Patrick Peters (trug ein Helm) einen richtigen Turm, der nicht nur unglaublich Kopfballstark ist, sondern auch so etwas wie Spielauslöser, und vielleicht sogar auch Spielmacher dieser Bazenheider Mannschaft ist.
    So wie es aus den jeweils verschiedenen Spielberichten (FC Kreuzlingen, Sport-Fan und Hafetschutter) zu vernehmen ist, war wohl genau der Mannschaftliche Zusammenhalt das grösste Problem der Kreuzlinger Mannschaft am 1.Spieltag. Da es, wie zu lesen war, wiederum sehr viele Veränderungen im Kreuzlinger Kader gegeben hat, kann dies natürlich auch noch nicht zu 100% funktionieren. Eingespieltheit ist ein wichtiger Faktor im Fussball. Für das war die Vorbereitung wohl viel zu kurz, um bereits als Team funktionieren zu können. Da nützt es dann auch nichts, dass man Top Spieler in den eigenen Reihen hat, wenn die Laufwege und das Passspiel noch nicht aufeinander abgestimmt sind. Es ist aber erst der 1.Spieltag, und daher kann das noch alles verbessert werden. Die Saison ist jedenfalls noch sehr lange. Am Ende der Saison findet sich der FC Kreuzlingen dann in der Tabelle dort wieder, wo er aus meiner Sicht auch hingehört, und das wäre unter den Top2. Auch wenn nach dieser Auftaktniederlage, die so sicherlich nicht erwartet werden konnte, der Druck auf die Kreuzlinger Mannschaft im Derby gegen den FC Frauenfeld natürlich bereits enorm ist, gehe ich schon davon aus, dass diese Top Einzelspieler bereits in Frauenfeld zu einer Mannschaft finden werden, und daher dann auch den Platz als Sieger verlassen können. Wenn ich Kreuzlinger Fan wäre, dann würde ich natürlich eher eine Niederlage gegen Uster vorziehen, als gegen Frauenfeld. Ein Derby verliert keine Mannschaft, und natürlich auch kein Fan gerne. Da natürlich weder ein Spieler, noch ein Fan gerne ein Spiel verliert, wären ideal natürlich zwei Siege gewesen, aber das ist ja bekanntlicherweise, nach der 1:2 Heimpleite gegen Uster nicht mehr möglich.
    Trotz der 1:2 Heimniederlage gegen den FC Uster sehe ich den FC Kreuzlingen, neben dem FC Uzwil weiterhin als der Aufstiegskandidat schlechthin. Für das ist der Kader zu gut Bestückt, um nicht bis zum Schluss um den Aufstieg mitspielen zu können. In diesem Sinne toi, toi toi dem FC Kreuzlingen für den weiteren Saisonverlauf. Ausser in den Spielen gegen den FC Widnau, wünsche ich Euch, wie natürlich auch allen anderen Mannschaften, in Widnau ist man ja Neutral, für die restlichen Spiele alles Gute, und nur das Beste.

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