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Bruchstückhaftes im Derby

in Vor- und Nachbetrachtungen by

Das 63. Thurgauer Derby der Nachkriegszeit zwischen Frauenfeld und Kreuzlingen ist Geschichte.

Mittwochabend, Wolken über der Kleinen Allmend. Ein heisser Sommertag neigt sich dem Ende zu. 300 Zuschauer.

Mir gefällt das provisorische an der Kleinen Allmend, die pfeilerlose Tribüne von 1959 (damals einzigartig in der Ostschweiz), seitlich davon der markante gelbe Aufbau der irgendwann dazu kam und eher an einen Sportplatz in Osteuropa erinnert. Die Clubbeiz im Glaspavillon welche versucht modern zu wirken, der Imbisswagen daneben der dann doch wieder alles zunichte macht. Stadt und doch wieder Provinz. Ein Ensemble der Erfolge, des Aufbruchs und Scheiterns. In seiner Bruchstückhaftigkeit nicht ganz unähnlich dem Hafenareal.

Hier spielten Pascal Zuberbühler, Jogi Löw und Charles Amoah, ein Fan mit einer einsam bimmelnden Kuhglocke erinnert daran.

Nun soll es Savvas Exouzidis mit jungen Talenten richten, was bleibt auch anderes übrig, mit dem “kleinsten Budget der Liga” wie es Frauenfeld gerne kund tut. Ob es stimmt?

Bruchstückhaft wie die Kleine Allmend war auch das Spiel. Chancen erspielte sich der FCK wenige. Gute Ansätze blieben solche. Fehlte der Mut, die Entschlossenheit? Der vor dem Spiel geforderte “dreckige Sieg” war dann eher glücklich als dreckig. 2:1.

An was erinnert der FC Kreuzlingen im August 2018? Vielleicht an einen schlafenden Riesen dem das Vertrauen in die eigene Kraft fehlt, eine Dampfwalze ohne Sprit? Ein mentales Problem oder fehlen einfach noch die Automatismen?

Zwei sinnierende Fans blieben trotz des Erfolges ratlos unter dem Frauenfelder Nachthimmel zurück.

1 Comment

  1. Fussball-“Derby”? Mit 300 Zuschauern aus zwei Städten mit zusammen rund 50’000 Einwohnern!? Okey – es war ein Wochentag. Und es war warm. Heiss sogar. Einer jener Sommerabende der neueren Art (sagen uns Meteorologen).

    Und Fussball im Thurgau ist eben ein hartes Brot! Nicht erst seit Mittwochabend, wo beide Derbymannschaften bei heissem Wetter anscheinend nur lauwarmen Durchnitt boten, es vielleicht wirklich die Hitze war, dass, wie zu lesen ist, weder der FCF, noch der FCK spielerisch explodierte. Wobei man das bei den Hauptstädtern weit weniger erwarten konnte – vorgängiges Cupspiel gegen Rapi -, als von der wiedermal ziemlich hoch gehandelten Hafenelf. Hafetschutter beschreibt dazu trefflich fragend in wenigen Worten, an was der FCK im August 2018 zu erinnern Anlass gibt…..

    Es gab allerding sogar noch einen Glücklichen an diesem heissen Abend. Denn drei Punkte sind drei Punkte. Punkt! Aber ein “Puh” oder so ähnlich dürfte beim Trainer nach dem Schlusspfiff schon gefallen sein, da er mit der Erkenntnis an den See zurückfahren musste, dass die guten Vorsätze nach dem ordentlich vergeigten Auftacktspiel gegen Uster eher nur spärlich oder gar nicht das Licht der Fussballwelt erblickten. Es sei jedoch befriedend festgestellt, dass wir erst am Saisonanfang sind. Für spielerische Explosionen ist also noch genügend Zeit vorhanden. Das beruhigt vielleicht sogar den Hafetschutter.

    Köstlich seine Bemerkungen über den Frauenfelder Fussball-Ground. Man weiss tatsächlich nicht so recht, was das passiert ist. Etwas übertrieben könnte man von “Vereinten Hüttenwerken” schreiben, alles ziemlich weit entfernt vom eigentlichen Spielground gelegen (mit Rundlaufbahn eben). Doch hat da Frauenfeld eine Infrastruktur zusammengezimmert, die dem grossen Verein ohne Zweifel einen gut geordneten Training- und Spielbetrieb erlaubt. Mit allem drum und dran. Lassen wir einfach mal das Ästhetische als Gesamteindruck einer Sportanlage weg. Das ist sowieso keine Thurgauer Spezialität. Auch am Kreuzlinger Hafen nicht. Wobei hier wenigstens nach den neuesten Zuschauerbedürfnissen fast handgreiflich ein Spiel zu verfolgen ist. Hat Charme. Nur wenn es regnet reichen die Sonnenschirme nicht immer aus. Aber da werden die unteren Reihen der “pfeilerlosen Tribüne von 1959” in Frauenfeld ebenso patschnass.

    Es ist schon ein Ding: Wie man heute kleine schmucke Arenen bauen kann, die gut in das Bild kleinerer Städt passen, ist Architekten bekannt. Nur drang das noch nicht zu allen Räten durch. Die Städte sind doch nicht arm! Dabei sind solche Anlagen sogar multifunktionell stadtbelebend. Und wer weiss: Vielleicht wird auch plötzlich viel besser gekickt! Dazu bestehen zwar noch Unsicherheiten. Aber sagen wir es mal so: Könnte ja sein!

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