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Entfesselt in Dübendorf

in Vor- und Nachbetrachtungen by

Und schon wieder ein Gastbeitrag von mir. Für diejenigen, die es noch nicht wissen: Harmonie und kuschelige Berichte durch die rosa Fanbrille wird’s bei mir niemals geben! Haha! reingelegt! Fussball ist ja auch nur ein Spiel („Himmel oder Hölle“?). Die Euphorie aus dem hart erkämpften 2:1 „meines“ FC Winterthur gegen Lausanne vom vergangenen Mittwoch, welche durch die furchtbare und unnötige 0:1-Niederlage gegen Chiasso vom vergangenen Samstag allerdings zwischenzeitlich empfindlich gedämpft wurde, sowie natürlich das etwas glückliche, aber mit starkem Willen und eiskalter Verwertung der mehr oder weniger einzig guten Torchance hochverdiente, 1:0 des FC Kreuzlingen gegen die Blue Stars vom letzten Samstag, nehme ich gleich mit und berichte wiederum im Auftrag des immer noch (leicht) angeschlagenen und aufgrund kurzfristiger familiärer Verpflichtungen verhinderten Hafetschutters vom Auswärtsspiel des FC Kreuzlingen gegen den FC Dübendorf.

Jetzt kommt’s: Ebenfalls aufgrund familiärer Verpflichtungen war es mir leider auch nicht möglich, das Spiel zu besuchen. Deshalb gibt’s jetzt also exklusiv einen Spielbericht aus zweiter Hand bzw. vom Hörensagen. Ich denke, das ist ausnahmsweise vertretbar. Denn einerseits bin ich mit der Örtlichkeit in Dübendorf sehr gut vertraut und anderseits hatte ich mit Marko einen zuverlässigen Mann vor Ort, welcher mich mit Updates versorgte und auch Fotos geknipst hat. (Anmerkung des Hafetschutters: da Marko die Zoomfunktion am Handy nicht fand habe ich mir erlaubt ein Foto von Erich zu nehmen, zum Glück haben wir auch neben dem Feld einen dritten oder vierten Ersatzmann!)

Den Fussballplatz „Zelgli“ in Dübendorf kenne ich vor allem wegen des beinahe unmittelbar gegenüberliegenden Spielplatzes und dem Mangel an Parkplätzen. Nur einige wenige Schrebergärten trennen Fussball- und Kleinkinderdramatik. Aber Spass beiseite. Es ist ein wirklich toller Spielplatz und ich kann allen empfehlen, diesen mal zu testen und danach, wie ich jeweils, das Kind mit dem Versprechen auf eine feine Glace in die Nähe des Fussballplatzes zu locken. Gerne hätte ich dies auch heute getan, mir bei angenehmen, spätsommerlichen, Temperaturen im sympathischen Clubbeizli ein Bier geholt und mich an den Platz gestellt. Nicht zu vergessen die alte, aber eben völlig heruntergekommene kleine Tribüne (vgl. Blogbeitrag vom 3. September 2018), welche nicht nur auf mich einen besonderen Reiz ausübt. Schon speziell, dieses etwas verloren in der Landschaft bzw. am Spielfeldrand stehende, ein bisschen unförmige, aber doch mit einem Hauch zeitloser Eleganz gesegnete… ja, sagen wir Unikat. Ich hoffe für die Dübendorfer, dass die entsprechende Crowdfunding-Aktion Erfolg hat (vgl. ebenfalls den erwähnten Blogbeitrag). Auch nicht zu vergessen, die 2 (!) mitgereisten Kreuzlinger-Fans (inkl. „Informant“ Marko). Also nicht gerade eine Kreuzlinger Ultra-Brigade. Aufgrund des Fehlens des Hafetschutters musste auch die Porteños-Zaunfahne zu Hause bleiben. Was sind das bloss wieder für Vorzeichen? Kann und wird das gut gehen?

Und wie gut es ging! Punkt 15 Uhr: Anpfiff. Und ca. 150 Zuschauer harrten gespannt der Dinge, die da kommen. Und die Dinge kamen. In der 7. Minute das frühe 1:0 für den FC Kreuzlingen durch Yves Seeger. So gefällt das und so könnte es weitergehen. Ob sich die Hafenstädter die vereinzelte Kritik an Spielweise und Willensstärke zu Herzen genommen haben? Ob die Mannschaft den „Groove“ nun endlich gefunden hat? Ob Supertrainer (ja, genau!) Kürsat Ortancioglu wie so oft schon die richtigen Worte gefunden und die richtige Einstellung generieren konnte? Egal, denn was geboten wurde gefiel. Und letztlich zählt, egal ob kausal, korreliert oder vermutet, was auf dem Platz passiert. Dann bekamen jedoch die Dübendorfer etwas die Oberhand. Aber obwohl die kreuzlinger Abwehr immer noch nicht über alle Zweifel erhaben schien, liess sie fast nichts zu, als es vor dem Kasten einige Male äusserst brenzlig wurde. Und auch Kreuzlingen stürmte nach vorne, als ob es etwas gutzumachen gäbe, was es ja auch gab. So hätten bereits in der 1. Halbzeit noch eines oder sogar mehrere Tore für den FCK fallen müssen. Hätten… müssen… leider wurden abermals zu viele Chancen vergeben. Mit einer Führung in die Pause ist jedoch auf jeden Fall positiv und gut fürs Gemüt.

In der 2. Halbzeit ging der muntere und durchaus unterhaltsame Schlagabtausch weiter, bis nach einem üblen Foul eines Dübendorfers ein in der 53. Minute von Emir Selmani sicher verwandelter Strafstoss den Score auf 2:0 für den FC Kreuzlingen hochschraubte. Wer aber dachte, dass der FC Dübendorf nun einknicken oder klein beigeben würde, wurde rasch eines Besseren belehrt. Die Dübendorfer hielten den Druck hoch, blieben weiterhin gefährlich, konterten aggressiv und brachten erwähnte, nicht immer souveräne, Kreuzlinger Abwehr ein ums andere Mal ins Schwitzen und verkürzten zum 1:2. Hinzu kam der stete, lautstarke und phasenweise ziemlich harsche Support der Dübendorfer Fans. Deren Groll richtete sich oft gegen eigentlich glasklare Entscheidungen des Schiedsrichters. Aber bei einem Rückstand braucht es halt manchmal ein Externalisierungs-Ventil oder schlicht einen Sündenbock. Und unter uns: was liegt da näher als der Schiedsrichter? (Anmerkung des Hafetschutters: Was manchmal aber genau so nervig ist wie zu unrecht lautstark reklamierende Spieler). Dann ging es bei diesem zwar etwas ruppigen aber ziemlich gefälligen Spiel in die Zielgerade und Schlag auf Schlag: Rote Karte für den FC Dübendorf, dessen Spieler hernach zu zehnt und inkl. Torhüter in Angriffsformation in die Kreuzlinger Hälfte einfielen, wobei die Hafenstädter auf diesen mit dem Mute der Verzweiflung genährten Sturmlauf abgeklärt reagierten und in der 84. Minute Andrè Kohli mit einem wunderbaren Weitschuss alles klar machte und auf den 1:3-Endstand für den FC Kreuzlingen erhöhte. In der 90. Minute kassierte dann der FCK-Torhüter Jim Freid noch eine gelbe Karte wegen (meines Erachtens jeweils unnötiger und unwürdiger) Spielverzögerung und dann war das Drama nach 2 Akten zu Ende.

Auch wenn ich nicht Augenzeuge war, wurde mir eine attraktive, intensive und abwechslungsreiche Partie mit diversen Höhepunkten geschildert. Es ist zu hoffen, dass der FC Kreuzlingen bis zum nächsten wichtigen Spiel, bereits am kommenden Mittwoch gegen den FC Balzers, seinen Teamspirit konservieren und die Mängel in Chancenverwertung und Abwehr noch ausmerzen kann. Denn sollte Kreuzlingen gegen Balzers gewinnen, wäre es zusammen mit dem FC Rüti Tabellenführer. Ein klassisches 6-Punkte-Spiel. Also wenn nicht jetzt, wann dann?

Herzlichen Dank an Marko für seine Präsenz und die Infos über das Spiel. Dem Hafetschutter danke ich wiederum für den eingeräumten Platz bzw. den mir gewährten Gastbeitrag. Ich bewundere ihn schon ein wenig dafür, dass ihm meine Anwerbung zum Verfassen solcher Beiträge immer relativ gut gelingt bzw. diese jeweils geschmeidig vonstattengeht, da ich aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen nicht nein sagen kann. Er ist halt unwiderstehlich und hartnäckig; genauso wie der FC Kreuzlingen an diesem, vom Hörensagen, sowohl fussballerisch als auch wettertechnisch, schönen Sonntagnachmittag in Dübendorf. (Anmerkung des Hafetschutters: Vielen dank für diesen Gastbericht aus der Ferne (!))

3 Comments

  1. Ob ein Elfer und ein 50-Meter-Heber als “entfesselt” einzustufen ist, kann nur ein analoger Zuschauer in einer über 90-minütigen Gesamtschau ermitteln. Nehmen wir mal an, es war am Sonntagnachmittag irgendwie fesselnd in Dübi.
    Fussball ist im Prinzip einfach. Er beruht, wie vieles im Leben, auf Kernkompetenzen: Stürmer stürmen und schiessen Tore – Verteidiger verteidigen und verhüten Tore – Mittelfeldler verbinden das Ganze – Torhüter schliessen ihren Kasten ab. Super! Nur kommt es mir vor wie bei Max Frisch: “Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen”. Bei aller Entfesselung schiesst vorne eben ein Mensch daneben, verschätzt sich hinter beim Kopfball ein Mensch, und ein weiterer Mensch passt ominös fehl im Mittelfeld. Vom Torhüter gar nicht zu reden! Oder gar vom Nahkampf als gelbes bis rotes Stilmittel sortiert. Somit hat auch FCK-Trainer Ortancioglu jeweils 11 bis 14 “Arbeitskräfte” auf dem – und am – Spielfeld zur Verfügung, die selbstverständlich nur schwer eine Saison lang als top funktionierendes Räderwerk sich selbst und besonders auch Zuschauer beglücken können.

    Daher sollten glückliche Momente einer Mannschaft auch mal viele Zuschauer beglücken. So ist zu hoffen, dass am Mittwochabend beim kommenden “6-Punkte-Spiel” (Matthias Pfau) gegen die Balzener (oder Balzemer oder Balzer?) aus dem Lichtensteiner Rheintal ein Grossaufmarsch die Hafenarena (und das Kassenhäuschen) beglückt. Selbst Berufsmannschaften seien in ihrer Leistung, habe ich wiedermal von einem schlauen Psychologen gelesen, von “viel Publikum” abhängig. Aha. Wieviel mehr muss das bei Amateuren der Fall sein. Zuschauen kann also mindesten einer der Schlüssel zum Erfolg sein, liebe Kreuzlinger Fussballfreunde. Und so rechne ich denn mittwochs mit gut 2 bis 300 davon! Alle jetzigen und historischen Fans mal aufwachen! Fernsehen vergessen. Analog sein. Hopp Chrü…., usw.!

    Der Dreier gegen die fussballernden Flyers des urbanen Zürichs (die anderen Flyers, die abgestiegenen eishockayenden, sind am anderen Flughafen zuhause und ziemlich wiedraufstiegsüberzeugt) erbrachte tatsächlich eine Spielkonstellation bereits in der Mitte der ersten Saisonhälfte, deren Resultat zwar nicht ganz, so doch einigermassen vorentscheidend sein kann, wie es bei Saisonende aussehen könnte. Denn von 78 möglichen Punkten sind nach meiner privaten Statistik im Saisonverlauf höchsten 26 zu verlieren – derzeit sind es 6 beim FCK -, um sich einigermassen am Saisonende ziemlich weit vorne zu erblicken. Der Vorderste zu sein velangt dann eine noch positivere Leistungsbilanz. Bei den 6 interregionalen Gruppen führen derzeit übrigens der FC Paradiso (Lugano) in der Gruppe 4, sowie der FC Dietikon in der Gruppe 5 mit jeweils erst 4 Verlustpunkten. Zugegeben: eine etwas herbstlich-öminöse Tabellenstatisterei……

    Zurück zu “Flyers”: Auch ich verspürte am Wochenende “familiäre Verpflichtungen”. Ein Enkel in der F-Juged musste beim FC Liberta antreten (5:3 für den Heimclub). Das “Entfesselte” war hier eindeutig der Lärm, liegt doch der Platz gerademal rund 200 Meter seitlich und nur 20-30 Meter unterhalb der anfliegenden Maschinen nach Berlin-Tegel. Und wenn dann hier das Spiel währen einer Flughafen-Rush Hour stattfindet, ist es ganz geschickt, keinen pfeifenden Schiedsrichter vorzufinden. Man würde ihn nicht hören. Die Jugendspieler hingegen einigen sich gegenseitig meistens über lautlose Gesten (pädagogische Massnahme?). Ein rechteckiges Luftloch (Videobeweis) ist vorderhand aber noch nicht in den Himmel zu zeigen. Zum Glück kam damals der Verband nicht auf die Idee, zur Videonachschau-Spieler und Stadioninformation den Schiedsrichter ein Schaum-Rechteck auf den Rasen sprühen zu lassen. Eine Steigerung wäre dann noch roter und gelber Schaum, um einen ominösen Tatort und dessen Folgen für den Spieler zu markieren. Und blau käme als Spielfeld-Getränkepausemarkierung (kreisförmig am seitlichen Spielfeldrand) in die engere Wahl. Abwarten.

    Sonntags gings dann zum alten Poststadion in Moabit. Der zweite Enkel kickt bei den G’s – den Kleinsten. Hier wird FUNino gespielt. Ich weiss nicht, ob sowas auch am Bodensee oder nur in Berlin und Brandenburg existiert. Ziel: Spielverständnis früh entwickeln. Ebenso ohne Schiri! Die Regeln sind den Kleinen am Training, wie auch bei Nachfrage analog während des Spiel zu vermitteln. Nur soviel: Spielfeld (in der Regel Kunststoff) hat vier (jawohl!) sich im jugendbewegten Nahkampf biegende, halbmondförmige Plastik-Mini-Tore nahe den vier Ecken aufzuweisen. 3 gegen 3 Spieler (oder 4 gegen 4) spielen jeweils zu den zwei ihnen gegenüberliegenden Toren. Ist eine Mannschaft mit 3 Toren im Vorteil, darf der zurückliegende Gegner einen weiteren Spieler einsetzen. Spieler können laufend mehrfach gewechselt werden, usw. Ein ziemliches Gewusel. Zumindest meine “Kernkompetenz” besteht noch immer nicht in der FUNino-Regelkenntnis! Aber vielleicht ist Gelesenes einfach auch komplizierter, als den Ball einfach mal so in zwei der Tore zu bugsieren. Den Kleinen, Jungen und Mädchen, meistens noch des Lesens unkundig, macht es erkennbar Spass. Vielleicht verstehen sie “Spielen” einfach besser als ich. Oder sie sind altersentsprechend in der Regelauslegung auch mal gegenseitig superspontan einverstanden, auch wenn es nicht stimmt. Eine neue Spielqualität als Ballbesitzvariante deutet sich hier an. Uefa oder Fifa bitte melden.

    • Wiedermal ein Kommentar der grossen Lesegenuss bereitet. Leider prophezeie ich für den Mittwoch eine Zuschauerzahl unterhalb der 200, Wochentagsspiele werden prinzipiell schlechter besucht. Ich selbst bin ein grosser Flutlicht-Fan, was in Kreuzlingen ja Tradition hat und erfreue mich daher an Wochentagsspielen. Übrigens waren Flutlichtspiele in den Verbänden früher umstritten, lange Zeit waren Punktspiele unter künstlichem Licht nicht erlaubt. Der FC Kreuzlingen propagierte seine Flutlicht-Spiele als “Privat-Spiele”, oft mit internationaler Ausstrahlung. Das Poststadion hat viele spannende Geschichten zu erzählen, ein typisches Stadion seiner Zeit (Anfang 1930er) zudem ich mal im Grenzstadtkurier was kleines schrieb.

  2. (“Balzers”! – ich muss mich da entschuldigen -, liegt nicht in Li….., sondern in Lie….. – genauer: Im “Fürstentum Liechtenstein”! Willkommen in Kreuzlingen-Thurgau.

    Flutlichspiele haben tatsächlich etwas Magisches. Wenn ich mich recht erinnere, so hatte der FC Kreuzlingen damals an der Konstanzerstrasse (Grenzlandstadion) mindestens deutschschweizweit die zweite Anlage dieser Art nach den Grasshoppers. Die Stangen waren noch währschaft aus Holz und die Lux-Zahl, wie auch die durchgehend gleiche Ausstralung des gesamten Feldes, mit Luft nach oben installiert. Aber es klappte. Die Zuschauer scharten sich. Freude herrschte.

    Heute sind die Stangen aus Metall, das Flutlich heller, die Zuschauerzahlen düsterer. Interessant, dass für die Profis mehr Licht vorgeschrieben ist, als für Underdogs. Sehen Underdogs den Ball besser? Oder gibt der Verband den Schutzengel, dass die Amateurclub-Stromkosten nicht gleich die Hälfte eines Jahres-Etats verschlingen müssen? Kleine Idee: Clubeigene Photovoltaik-Anlage aufs Dach der Tribüne……soweit vorhanden!

    Wie dem auch sei: Ich hoffe schon, dass für einmal Daniel Kesslers Zuschauerzahl lichtvoll überstrahlt wird. Vielleicht braucht es einfach für Manche wiedermal ein schönes lichtvolles Fussballerlebnis, um sich dabei auch von einem gesellschaftlichen Mehrwert überzeugen zu lassen, spielt doch nicht nur ein “Verein”, sondern auch eine “Stadt” um sportliche Anerkennung. Dies sollte wieder in die Köpfe.

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