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Tabellenführer wie vor 50 Jahren

in Vor- und Nachbetrachtungen by

Gegen den 1. Liga-Absteiger FC Seuzach kam der FCK vor 170 Zuschauern bei Dauerregen zu einem 3:0-Sieg und übernahm damit die Tabellenspitze. Bei Hirschwurst und einem Gallus 612 Old Style Ale – Spezialbier sah alles auch bei nur 60% Sehkraft vorzüglich aus.

Beim Trainertalk musste ich die Augen reiben, Walter mit Schiebermütze? Hatte sich meine Netzhaut wieder abgelöst? Nein, unser Trainertalkmaster Walter wurde vor seinem Einsatz seines Amtes enthoben, unser Speaker sprang ein. Getuschel unter den 15 Zuhörern. Wer ist sich seines Amtes noch sicher, Kürsat scheint auf der sicheren Seite, zittert nun der Bierausschenker um seinen Job?

Ich finds schade, ich mochte seinen Trainertalk, die Gespräche an den Spielen und zudem war er auch beim Hafetschutter-Verein dabei.

Vor dem Spiel mussten wir in einer Trauerminute von Franco Mancuso Abschied nehmen. Dieser war 1968, also genau vor 50 Jahren, 2.-Liga-Herbstmeister mit dem FCK – vielleicht tut es ihm die heutige Mannschaft am nächsten Samstag in Uzwil gleich. Eines meiner ersten FCK-Momente war in der Kreuzlinger Milan-Bar “Franco Baresi”. Franco Mancuso sah meinen FCK-Schal, sprang vom Stuhl und zeigte mir vor, wie er vor vielen Jahren als FCK-Stürmer im Schweizer Cup einen Zürcher Verteidiger ausdribbelte. Herrlich. Zugabe: Eine Strasse und Ihre Geschichte mit Angelo und Franco Mancuso.

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4 Comments

  1. Immer wieder lesenswert: “Eine Strasse und ihre Geschichte”. Zudem auch eine stille Würdigung des Verstorbenen Franco Mancuso.
    Ja, die Strasse hatte und hat es in sich. Eigentlich die städtischste von Kreuzlingen – heute eher architektonisch, früher eher mythisch (zum Teil bis heute). Das erwähnte”Apollo” aus den 30ern ist hier sicher das wertvollste Gebäude. Ein funktionaler Klassiker. In dessen Anblick hat man geradezu Lust, hier wieder Filme zu sehen. Wie wärs mit einem jährlichen kleinen Fussballfilm-(Kultur-) Festival, dies nur 2-300 Meter vom ehemaligen Grenzlandstadion entfernt? Sachen gibts – “goots no?”.

    Übrigens stand das demontierte Stadiontribünendach noch viele Jahre unmittelbar zwischen Apollo-Kino und Bahngeleise und hatte traurig einer Holzhandlung als Lagerstätte zu dienen! War für echte FCK-Fans ein fast untragbarer Anblick (Man munkelt noch heute, es würde dort nachts gelegentlich “Hopp Chrüzlinge” zu hören sein….).

    Seither hat es die Stadt nie mehr richtig verstanden, “Kultur” auch in einer angemessenen Fussball-Sportanlage zu erblicken. Man muss das Grenzlandstadion erlebt haben, um diesen Hinweis zu begreifen.

    Vielleicht kommt ja dieser Geist wieder in die Kreuzlinger (Sport-) Gesellschaft, sollten eines Tages gloriosere Kreuzlinger Fussballtage anbrechen. Mit dem Ausflug der Frauenfelder Freunde ins Alttoggenburgische hat es nun den FCK schon mal an die Ligaspitze gespült. Vielen Dank ihr Hauptadtkicker! Nun liegt es am ewigen kantonalen Rivalen, den Tschuttern am Hafen, diese erfreuliche Ausgangsposition gut in die zweite Saisonhälfte hinüber zu retten, nach dem ein abgestiegener 1. Ligaclub mit null Punkten am Hafen abtauchte. Es ist schon so, dass die drei oberen Teams der 2. Interregionalen mindestens mit den drei letzten der 1. klassischen Liga spielerisch zu vergleichen sind. Wer letztlich auf- oder absteigt, ist oft auch eine Frage des Glücks im gesamten Saisonverlauf. Und wie wäre das Glück zu umschiffen? Ganz einfach: Mit einer geballten Ladung Punkten. Uneinholbar. Gibt es manchmal. Die Spitzenclubs der 2. Interregionalen der 6. Gruppe sind jedoch wohl zu ausgeglichen, als dass ein Uneinholbarer enteilt. Und so kann es für Spieler wie Zuschauer durchaus bis zum 26. Spieltag wiedermal spannend bleiben. Irren erlaubt………wenns passt!

  2. Ich meine schon, dass es auf einer städtischen Liste denkmalgeschützer Bauten verzeichnet ist (Begriff: Heimatschutz). Geführt wurde das Kino übrigens von einer Familie Gutheinz, die bereits früher das Kino Bodan an der Hauptstrasse betrieben und 1932, also in besonders erfolgreichn FCK-Jahren, das Apollo bauten (Architekt Gottlieb Kugler). Bodan schloss 1971, Apollo 1976. Es existierte auch noch ein Central (oder Zentral) an der Löwenstrasse. Heute ist das Apollo ein “Aikido”-Sportzentrum, das, meine ich, mit dem Namen Gutheinz noch immer verbunden ist.

    Übrigens: Nach Georg Strasser, Historiker, begann das Kinozeitalter in Kreuzlingen bereits 1915 (!) mit dem “Löwencinema” (bei Seitz-Elektro). Ja schon 1910 seien im Löwensaal mittels eines mobilen Cinematographen Filme geizeigt worde. Enorm. Hat alles eher wenig mit Fussball zu tun. Nur: Ohne breites historisches Nachdenken wäre das Leben ärmer. Und so sei als Beispiel wiedermal daran erinnert, dass im Egelsee, genau dort, wo dereinst Hallen-Wassersport in grösserer Szene betrieben werden soll, ein früher FCK-Ground existierte. Man kann das alles wunderbar in Publikationen von “Hafetschutter” nachlesen! Ob auch der gegenwärtige “Hafenground” eines Tages historisch zu den verblichenen Kreuzlinger Fussballgrounds gezählt werden muss? Wir wissen es bis heute nicht. Orakel befragen?

  3. Ist auf der kommunalen Inventarliste als wertvoll eingestuft und damit geschützt, wurde mir gerade per Mail von einem Leser bestätigt, vielen Dank.
    Ein wunderbares Kapitel zum Thema Kreuzlinger Kinos findet sich in diesem sehr lesenswerten Buch:
    http://www.kreuzlingen.ch/apps/shop_detail-embedd.php?id=9
    Einziger Kritikpunkt aus meiner Sicht: der Fussball in Kreuzlingen wird praktisch nicht erwähnt, als ob er nicht zum Leben der Stadt gehören würde. Zumindest eine von 316 Seiten wäre das doch wert gewesen, oder nicht?

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