Fanzine, Blog, Archiv, Fussballkultur – seit 1999

Die verschenkte Seezelg-Chance

in Fussballheimat by

Im September des letzten Jahres veröffentlichte die Stadt Kreuzlingen unter Botschaften ziemlich unbemerkt diesen Planungsstand zum Gebiet Seezelg. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt wurde die Verlegung der Fussballfelder vom Hafenareal ins Seezelg auf einen Zeithorizont von 15-20 Jahren verschoben.

Ein “Städtisches Stadion” wie es sehr ambitionierten Ansprüchen genügen könnte ist im Seezelg gemäss den veränderten Arealsansprüchen zwar räumlich nicht (mehr) möglich, trotzdem hat es westlich des Hauptfeldes noch genügend Fläche für eine Tribüne mit integriertem Garderobengebäude.

Die von mir propagierte “perfekte Tribüne” mit rund 400 überdachten Sitzplätzen scheint also auch im Seezelg noch möglich zu sein und würde durchaus Ansprüchen bis zur Promotion League genügen.

Die Parkplätze wären übrigens für das ganze “Freizeitareal Seezelg” in einer Tiefgarage südlich der Gleislinie auf dem heutigen STRABAG-Areal angedacht (sehr gut!). Zukunftsorientiert wäre die Synergie eines  Sportrestaurants von Wassersport, Tennis und Fussball (plus Hundesport, Radfahrtourismus, Reka?). Das die Lage auch mit ÖV bestens erschlossen ist (Stadtbus, Bahnhaltestelle), weniger Störfaktoren als im Hafenareal vorkommen (Seenachtsfest, BA-Veranstaltungen, KN-Tourismus, etc) und sehr reizvoll am See liegt sind weitere Pluspunkte des Seezelg-Standorts.

Der grösste Vorteil wäre jedoch in der Planungssicherheit gelegen, einer Planungssicherheit für Generationen mit einer sinnvoll gebauten Infrastruktur für 50-100 Jahre. Nun müssen wir für 15-20 Jahre Hafenareal das beste herausholen und wissen doch nicht weiter was dann kommt oder nicht.

5 Comments

  1. Danke für die Plansuche! Ihre Tribüne “östlich des Hauptfeldes” ist mindesten räumlich schon mal verzeichnet – nur nicht östlich, sondern westlich, der graue Streifen auf Churzfuri, rechts neben der zu bauenden Tennishalle. Mindestens ist dieser Streifen auf einem Plan (Juli 2018) als Tribüne bezeichnet (Pläne kommen und gehen in diesem Gebiet. Wer sucht, der findet).

    Wie es scheint, hätte der obige Plan eigentlich für 2035/2040 (15-20 Jahre) zu gelten, aber wohl nach heutigen Minimalanforderung ausgelegt ist (Normales Garderobengebäude mit Tribünenteil). In 15-20 Jahren könnten die Ansprüche ganz anders liegen. Die Stadt entwickelt sich, Sport und Region ebenso. Und so wäre denn in diesem Gebiet ein veritables “Städtisches Stadion” platzbeanspruchend nur denkbar, wenn das Spielfeld west-östlich zu liegen käme. Dann fiele allerdings der zweiter Normalplatz weg. Es blieben dann noch die zwei kleinen Trainingsplätzchen unten am Seeweg. Tribünen sollten allerdings eher nicht zum Süden hin ausgelegt sein. Also müsste diese der Bahn entlang zu liegen kommen. Da wiederum wäre es mit der Erschliessung vielleicht schwieriger.

    Feststehen dürfte: Die Trainings- und Spielbedingungen sollten bei einer Verlagerung nicht schlechter sein, als auf Klein Venedig, sowie womöglich Entwicklungspotential beinhalten.

  2. Natürlich westlich, hab ich editiert, vielen Dank für den Hinweis.

    “Wie es scheint, hätte der obige Plan eigentlich für 2035/2040 (15-20 Jahre) zu gelten, aber wohl nach heutigen Minimalanforderung ausgelegt ist…”

    Genau darin sehe ich das Problem, kommen Begehrlichkeiten von anderer Seite dazu werden wir plötzlich vor einem noch etwas kleineren Gelände stehen und dann können wir eine Tribüne räumlich endgültig streichen. Wahrscheinlich würde man das nicht mal mitbekommen, da derzeit seitens dem FCK kein Interesse an dem Gelände besteht. Dann zieht man in 20 Jahren auf ein absolutes Minimalgelände und alle Nachbarn haben sich dort schon eingerichtet. Taktisch geschickter wäre es meiner Meinung nach gewesen jetzt vermeintlich unbedingt auf Seezelg ziehen zu wollen und die Entwicklung mitzugestalten, wie weit die Stadt mitgespielt hätte kann ich allerdings nicht beurteilen, wäre alles völlig inakzeptabel herausgekommen hätte man immer noch im Hafenareal bleiben können.

  3. Nun, grundsätzlich beansprucht eine Tribüne nicht unbedingt viel mehr Platz, als ein gescheites normales Garderobengebäude mit der entsprechenden Infrastruktur nach heutigen Massstäben (Garderoben für Spieler/Schiedsrichter/-innen, Räume für Trainer, Medizin, Sanitär, Material, Technik, “Clubbeiz”, usw.). Es kommt dabei darauf an, ob man aufstockt – also Sportinfrastruktur unten , Zuschauer oben (wirkt in der Regel eher unästhetisch bei kleinen Anlagen). Setzt man die Tribüne vor, braucht es etwas mehr Fläche. Was auf Seezelg nach dieser Planung so oder so fehlen würde, ist ein genügend grosses Umfeld auf den restlichen drei Spielfeldseiten eines Hauptfeldes. Ohne diese Rahmengestaltung kann keine vorzeigbare Gesamtanlage im Sinn eines “veritablen kleinen Kreuzlinger Städtischen Stadions” entstehen. Feststellen darf man das schon.

    Eine erste Flächenreduktion zu ungunsten von Fussball lässt sich aus einem städtischen Plan lesen, der nun eine Tennishalle anstelle eines Fussballfeldes auf dem “Hundeplatz” vorsieht (Kynologischer Verein Kreuzlingen). Wieweit es möglich gewesen wäre, zur Kompensation dafür mindestens ein Stück des östlich gelegenen Kreuzlinger Rest-Areals (bis Grenze Bottighofen) beanspruchen zu können, ist wohl eine Frage von Besitzverhältnissen. Inzwischen wurde das Gebiet bekanntlich der REKA geöffnet – noch unter Herrn Netzle (heute HRS Frauenfeld) vorbereitet -, so dass sich nun der Fussball vollends eingeklemmt vorfindet.

    Erkennbar ist, dass 2035/2040 dem FCK eher weniger Trainings- und Spielfläche zur Verfügung stehen dürfte, als er heute auf Klein Venedig beanspruchen kann. Einer Weiterentwicklung des Vereins in der Breite wären daher Grenzen gesetzt.

    Man darf nicht vergessen, dass das “Kuddelmuddel” auch Wurzeln bereits in der damals vermeintlichen Annahme hat, im Döbeli etwas “Gmögiges” für Fussball installieren zu können. Man sprach sogar schon mal von einer gemeinsamen Hauptspielstätte (Stadion) für Kreuzlingen UND Konstanz (war gar keine schlechte Idee!). Nun verblieb (politisch) nur noch eine Minimallösung mit einem Kunstrasenplatz für die AS Calcio. Ob man gleichzeitig prüfte, dazu vielleicht doch noch genügend Landraum vorzufinden, um hier wenigsten ein “Städtisches Stadion” für die beiden Kreuzlinger F-Clubs zu etablieren, entzieht sich meiner Kenntnis.

    Es scheint, dass bei der Stadt Fussball derzeit nicht unbedingt Priorität besitzt. Muss auch nicht absolut sein. Nur: Mehr Interesse an zeitgemässem Sachwissen, sowie Kooperation mit den unmittelbar Betroffenen wäre, wenn besonders das Letztere nicht stattfinden sollte, schon anzuraten. Entspräche eigentlich einem normalen politischen Verhalten. Wieweit der FCK sich derzeit mit der Sachlage befasst, ist mir ebenso unbekannt. Dass versucht wird, auf Klein Venedig für die kommenden zwei Jahrzehnte “zu retten, was zu retten ist”, um mehr oder weniger zeitgemässen Ansprüchen sportlicher Entfaltung genügen zu können, ist vielleicht ein notwendiger Hilfeschrei. Geregelt wäre stadtseits eine verlässliche Zukunft damit nicht. “Später sind andere am Ruder” ist immer eine politische Variante. Allerdings nicht in dem Sinn, wie man über dem “Röschtigrabe” sagt: “Gouverner c’est prévoir”. Und dieses Regieren durch Vorausschauen hat eminent auch mit Verantwortung zu tun. Nun wird sie endgültig zu einem Politikum – die “Planungssicherheit”.

    • Meine favorisierte Tribüne benötigt relativ viel Fläche “nach hinten”, da die Tribüne vorgesetzt zum Infrastrukturgebäude zu stehen kommt. “Aufgesetzte” Tribünen werden nach meiner Erfahrung von den Besuchern trotz perfekter Sicht meist schlecht angenommen. Bei meiner perfekten Tribüne (Bild) ist trotzdem alles sehr kompakt, die Wege zum Imbiss, WC, Clubraum sehr nah und trotzdem nicht zu sehr gedrängt. Auch die Sicht ist nahezu perfekt durch die unten angeordneten Stehplätze. Der benötigte Platz ist bei dem veröffentlichten Plan gerade noch vorhanden, wird jetzt noch irgendetwas abgezwackt ist meine Tribüne (60m lang) nicht mehr möglich (jetzt 25m breite möglich). Die offenen drei Seiten verhindern schon jetzt eine richtige Atmosphäre wie es sie wohl an der Konstanzerstrasse gab. Bei einer geschlossenen Anlage hätte man bereits mit 500-700 Zuschauern eine fantastische Atmosphäre, trotzdem hätte ich lieber den Spatz in der Hand gehabt. Wobei das ja derzeit angeblich “politisch” sowieso nicht zu machen wäre bei den diversen Ausgaben. Irgendwie steht der Fussball immer hinten an in Kreuzlingen, für einen funktionierenden Spielbetrieb (Plätze) wird gerade noch gesorgt, für alles darüber hinausgehende fehlt das Verständnis, der Wille wie es scheint. Für eine Stadt wie Kreuzlingen müsste doch mehr drin liegen als zwei, drei Betonstufen am Spielfeldrand.

  4. Der 1. FC Bocholt probiert es nochmals, lese ich. Die Tribüne soll 2019/20 verwirklicht werden, zusammen mit einem eingehausten Gästeblock auf der Gegengerade. 384 überdachte Sitz-, 159 überdachte Stehplätze, in einer oberen Etage Platzsprecherkabine, VIP-Bereich, usw., vorgelagert – das Terrain bietet es hier – offene Stehstufen. Entspricht in etwa immer noch dem, was Daniel Kesslers “perfekte Tribüne” beinhalten könnte.

    Zur allgemein notwendigen Infrastruktur muss sich der FCK erklären. Es ist ein Unterschied, ob eine Tribünenanlage nur für ein Fussballfeld (einzelnes Stadion) benötigt wird, oder auf der Anlage weitere Felder vorhanden sind, die dem Verein für seine Aktivitäten von jung bis alt zur Verfügung stehen. Je nach dem ist das Ausmass des Infrastrukturgebäudes verschieden (beginnt mit der notwendigen Anzahl Umkleidekabinen und endet mit allen notwendigen Nebenräumen für den Vereins-, Trainings- und Spielbetrieb, inkl. Clubokal, usw.).

    Die mögliche Grösse einer Tribüne kann so auch im Zusammenhang mit den Gesamtaktivitäten des Vereins durch die an sich schon benötigte Infrastrukturfläche in einer unteren Ebene stehen. Wobei die Art der Ausgestaltung der Anlage auch abhängig sein kann von erklärten Ambitionen der Ersten Mannschaft (z.B. anzustrebende Ligazugehörigkeit).

    Bleibt noch ein Gesamtambiente, um eine schöne, attraktive Fusballsportanlage zu kreiren. Das ist definitiv nur erreichbar, wenn auf allen vier Platzseiten Raum für Zuschauer besteht. Gleichzeitig biete dies Gewähr, dass bei einem gelegentlichen “Grossaufmarsch” – Beispiel: attraktive Cup-Partie der Heimmannschaft, Aufstigsspiele, attraktives (Werbe-) Freundschaftsspiel zweier bekannter Mannschaften, usw. – von organisatorischer Seite die Voraussetzungen gegeben wären (z.B. durch Schaffung getrennter Sektoren, usw.).

    Mag alles sehr utopisch klingen, bezieht man sich auf die jüngsten Vorstellungen des Stadtrates. Auch mit dem Spruch: “Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben” (wird M. Gorbatchow zugeschrieben) kommt man in der Affaire “Fussball Kreuzlingen – wohin?”, keinen Pass weiter, geschweige denn zum Torabschluss. Was u.a. vorerst einfach wieder anzustreben wäre, ist ein fussballaffines Ambiente in der Stadt – ausgehend vom Stadtrat (volles Engagement) und sehr überzeugenden Leistungen des – oder der – Clubs in der Stadt. Man schuldet das auch den vielen treuen – und vielleicht zukünftigen – Sponsoren!

    Es wäre Zeit, die Dinge mal offen anzusprechen (Verein/Stadt). Zukunft ist nicht erst dann, wenn sie eingetroffen ist. Zukunft ist jetzt. Jetzt ist sie zu planen. Bitte konkret.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

Latest from Fussballheimat

Fussball im Warte-Zustand

Der Kreuzlinger Stadtrat weitet den Zeithorizont für die Verlegung der Fussballplätze vom

Die perfekte Tribüne

Im Stadionbau gab es vor dem 2. Weltkrieg zwei gegensätzliche Modelle. Das

Im Windschatten der REKA

Auf der Internetpräsenz des Kreuzlinger REKA-Projektes findet sich obiger Plan zum Seezelg.
0 CHF0.00
Go to Top