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Der doppelte Shorthander

in Vor- und Nachbetrachtungen by

Gleich mit 6:2 gewann der FC Kreuzlingen das Thurgauer Derby gegen den ewigen Rivalen aus Frauenfeld. Dabei spielten die Grün-Weissen die letzten 30 Minuten in doppelter Unterzahl, und selbst diese Zeit ging mit 2:1 an die Grenzstädter. Das lies den Speaker zur Aussage mit dem “doppelten Shorthander” hinreissen, ich denke selbst die Frauenfelder mussten darüber schmunzeln.

380 Zuschauer sahen die traditionsreiche Partie, welche zum 64. mal nach 1945 in der Meisterschaft zur Austragung gelangte. Die Kreuzlinger spielten, mit Ausnahme der ersten 25 Minuten, so hinreissend, dass nach dem Spiel selbst die beiden Frauenfelder Fans (mit FCF-Kutte) der Mannschaft applaudierten. Fast schon britische Fussballatmosphäre, so soll es sein.

Facts für Fan-Nerds: 30 (!) Fans im Norman-Smith-Stand (aka Schüga-Kurve), 0 Fans in der Whiskykurve am Derby (?). Eine Reihe schöner Zaunfahnen gab es auch zu bewundern, zum Beispiel in Gedenken an Franco Mancuso, welcher 40 Jahre für den FCK spielte, trotz Angeboten aus Schaffhausen, Frauenfeld, etc.

Nächster Halt der “Back with a Bang Tour 2019”: IGP-Arena Wil am Sonntag um 16.00 Uhr

4 Comments

  1. Was für ein Brett! Gut, der FC Frauenfeld leistete dann wirklich nicht mehr viel Widerstand und wirkte verloren, kraft- und saftlos. Allerdings gebührt den Kreuzlingern grossen Respekt, dass sie auch mit 2 Mann weniger frischen Angriffsfussball zelebrierten und nicht auf Zeit spielten. Das fand ich grossartig und es war ein rauschendes Fussballfest an diesem schönen, sonnigen Nachmittag. Den mitgereisten FCK-Supportern (unter anderem auch Anhänger des FC Winterthur, FC Zürich sowie des FC Münchwilen) hat die Sause auch prima gefallen und sie haben mir versichert, dass es nicht ihr letzter Besuch im Hafenareal war.

    Als weniger grossartig allerdings empfinde ich das dauernde Reklamieren der Spieler; wogegen auch immer. Emotionen? Ja, gerne! Aber nicht in meist aussichtslosen Situationen; denn Maulen bringt selten was. Man kassiert höchsten noch eine gelbe oder rote Karte. Hey! Diese Karten fliessen in die Tabelle mit ein! Wissen das die Spieler denn nicht? Man könnte meinen, dies sei noch nicht bei allen angekommen.

    So, noch nicht genug geschimpft. An warmen Frühlings- und Sommertagen ist die Parkplatzsituation beim Kreuzlinger Hafen eine Katastrophe. Meines Erachtens ist dies ein nicht zu vernachlässigender Faktor, weshalb oft nicht so viele Zuschauer attraktiven Fussball geniessen können. Klar, man kommt auch mit den ÖV ins Hafenareal, aber mal ehrlich, wer kommt denn schon mit Bahn und Bus? Die Leute wollen ihr Auto am liebsten direkt am Spielfeldrand parken. Man muss das nicht gut finden, aber es ist eine Tatsache. Insbesondere bedingt durch die Nähe zu Konstanz (Einkauf) sowie die grundsätzlich attraktive See- und Hafenpromenade (mit Park, Spielplatz etc.), herrscht ebendort an gewissen Tagen (insb. Samstagen) schon seit Jahren der Ausnahmezustand. Mich persönlich nervt das und ich denke, dass dies sowohl Heim- als auch Auswärtsfans ebenfalls auf den Keks geht. Hier wären die Stadt und insbesondere auch ihre Bewohner einmal mehr (verkehrs-)politisch gefordert (Park & Ride etc.?). Aber was Kreuzlingen konkret, mittelfristig planerisch und langfristig programmatisch (Eigendefinition: Kreuzlingen = “Denk-Sport-Stadt”, statt vieler: http://www.regiokreuzlingen.ch) in Sachen Fussball auf die Reihe bekommen, stimmt nicht sehr optimistisch (Einlösen des Sportstadt-Versprechens? “Seezelg-Agonie”? Calcio Kunstrasen-Drama? Etc. Siehe unter anderem auch die entsprechenden Beiträge hier in diesem Blog).

    Ich danke der Mannschaft des FC Kreuzlingen, ihrem Trainer und dem ganzen Team herzlich für die tolle, vorbildliche Leistung. Den Fans danke ich für eine grandiose Kulisse und die Super-Stimmung. Nächsten Sonntag: Alle nach Wil!

  2. Dieses Derby, das kantonal ewig spannend-schöne zwischen dem FCK und dem FCF, ist längst zu Kult geworden und wird regelmässig auch ordentlich vom Publikum honoriert. Es gehorchte sonntags allerdings nur sehr begrenzt dem bekannt “eigenen Gesetz”, das man Derbys gerne zuschreibt. Zu brutal lief es zu Ungunsten der Hauptstädter. Mit Blick auf den Tabellenstand vor dem Anpfiff wäre ein anderes Resultat allerdings schier unmöglich gewesen. Man darf es für einmal so feststellen. Nur geht es eben um “Fussball” – inbegriffen rabenschwarze Tage -, warnen stets “Experten” vor einem Derby. Aber nochmals: Der FCK musste diesmal einfach gewinnen – basta. Letztlich war auch Frauenfeld davon überzeugt.

    Diese drei Punkte sind für den FCK so wertvoll, wie sie – fehlend – dem FCF am Saisonende zum Verhängnis werden könnten. Zu wünschen ist Letzteres freund-kantonalisch nicht! Bleibt umgekehrt der FCK weiterhin auf der Spur, so hat er durchaus Aufstiegschancen, auch wenn Offizielle das nicht gerne hören wollen und sich eher im Tiefstapeln überbieten. Bleibt dagegen Frauenfeld der Liga erhalten (hoffentlich!), wäre ja die Konstellation womöglich so, dass trotzdem die Grenz- mit der Hauptstadt im Clinch sein könnte, hat doch die AS Calcio dieses Jahr alle Chancen, in die 2. IR aufzusteigen. Hellblau kann sich, wie es derzeit aussieht, nur selbst schlagen. Das wäre doch was: Der ziemlich ruhmreiche FCF läuft im Döbeli auf!

    Zu bemerken wäre noch, dass nun eine Thurgauer Stadt über zwei tüchtige Clubs in beachtlich hohen Amateurligen verfügt! Womöglich ein ziemliches Novum (Statistiker auf die Pirsch!). In der Grenzstadt wird dies erst ansatzweise begriffen – oder gar nicht. Die Ablehnung “einer heute anerkannten Club-Infrastrukturmassnahme zur Optimierung fussballerischer Ausbildung mittels eines ganzjährig verfügbaren Geläufs” (Kunstrasen), war zweifelsohne ein ordentlicher, unverhoffter, unverdienter Tiefschlag für die ASC. Und für den traditionsreichen FCK von 1905 ist die Hafenarena – oder wie man der Anlage auch sagen möchte – noch längst nicht ausgereizt, soweit es die allgemeine Infrastruktur betrifft. Es bleibt viel zu tun, um in der Stadt fussballsportlich über optimalere Verhältnisse verfügen zu können. Gilt für beide tüchtigen Clubs. Die Stadt ist hier im Rückstand! Wann, wenn nicht jetzt, sollen die Sportanlagen beider Clubs weitergedacht werden? Die Clubverantwortlichen, die Spieler, die Sponsoren (!), die Zuschauenden (und die Stadt an sich!) verdienen diesbezüglich ein funktionell und ästhetisch verbessertes Erscheinungsbild, eines, das den sportlich angestrebten Zielen zu entsprechen vermag.

  3. Die Bemerkung von Matthias Pfau betreffend “Reklamieren” ist tatsächlich mal diskussionswürdig. Diese Angelegenheit ist allemal unschön und bekanntlich negativ am Saisonende einwirkend, sollte sich tabellarisch wiedermal eine Punktegleichheit von zwei Teams an der Sitze ergeben. Man möchte gerne mal den Trainer hören, was er zur Sache “vermeidbarer Reklamationen” meint.

    Derzeit lauten übrigens diese Minuspukte: Nur 22 für den FC Balzers (noch ein Spiel im Rückstand), bis zu 48 für die 2. von Wil 1900. Auch der FCK steht aktuell mit 39 ziemlich negativ in der Kreide.

    Die Kartenverteilung im Rahmen einer Spielszene/eines Vorkommens ist natürlich auch der unterschiedlichen Bewertung des jeweiligen Schiedsrichters oder eines Schiedsrichterteams unterworfen. Da besteht eine Grauzone, die sich im Saisonverlauf jedoch für alle Mannschafte ausgleichen dürfte.

    Oft entstehen Entgleisungen durch ein als provokant empfundenes Verhalten (körperlich/verbal) eines Gegenspielers. Besonders auch – als Klassiker! – bei einer Spieler-Zusammenrottung nach einer als Tätlichkeit eingestuften Spielszene. Jeder, der mal gefussballert hat, kennnt das. Viele Spieler können sich dann szenisch beherrschen – manche nur auf Zureden hin – oder gar nicht. Im Übrigen ist eine ähnliche Verhaltensweise auch unter Zuschauenden nicht ganz selten! Andererseits: Ohne ein Stück “Emotion” – Matthias Pfau verwendet den Begriff eher positiv – ist Fussball (sind viele Sportarten!) tatsächlich undenkbar. Immer jedoch eine Sache der Verhältnismässigkeit! Das Erkennen von Grenzen darf grundsätzlich zu einer fussballerischen Tugend gehören und kann schon früh vermittelt und geübt werden, und es wird wohl auch so in den Clubs gehandhabt. Mit halt mehr oder weniger Erfolg!

    (In eigener Sache: Meine einzige “Rote” – ja, ja – erreichte mich ausgerechnet als Reservebankspieler mit der Ersten des FCK in Gossau/SG. Der gegnerische Angriff war derart brutal (letztlich Beinbruch unseres Stürmers), dass ich es nicht mehr auf der Bank aushielt. Das genügte bereits dem Schiedrichter, der berechtigterweise für Ordnung zu sorgen hatte und jedes zusätzliche Gequatsche in dieser unübersichtlichen Szene nicht auch noch brauchen konnte! Es vertand sich……..)

  4. Die Strafpunkte sind schon eine zwiespältige Sache. Da gewinnt man mit 6:2 und hat 2 Rote Karten. Nach Tabelle wäre ein 1:0 ohne Rote Karten viel besser gewesen, könnte sogar Aufstiegsentscheidend sein. Gefühlsmässig war natürlich das 6:2 mit 2 Roten Karten viel besser, zumal es trotz der Roten Karten ein ziemlich faires Spiel war…

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