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50’000 verregnete Franken

in Vor- und Nachbetrachtungen by

Ein 1:0-Sieg über den FC Bazenheid (Spielbericht) lässt die Zuschauer im Hafenareal weiter auf die 1. Liga hoffen. Das einzige Tor erzielte Abbas Karaki mit einem gefühlvollen 40-Meter-Schuss. Zu diesem Zeitpunkt sass ich noch mit meiner Familie auf einem Ausflugsschiff vor Mannenbach, immerhin die 2. Hz sah ich dann doch noch.

Erkämpft wurde der Sieg bei teils strömendem Regen. Solche Regenspiele schlagen auch immer auf die Besucherzahl, diesmal waren es immerhin noch 230 schmerzlose Zuschauer.

Ein Dauerthema ist die nur provisorisch vorhandene Bedachung unserer Tribüne. Wenn deswegen bei Regenspielen 50-100 Personen weniger kommen, es vier bis fünf Regenspiele jährlich hat und jeder Zuschauer 10 Franken für Eintritt und Verpflegung ausgibt, so summieren sich die verloren gegangenen Einnahmen in den von der Stadt grosszügig geschenkten 15 Jahren Planungssicherheit auf rund 50’000 Franken.

Natürlich, es würden bei Regenwetter allgemein weniger Zuschauer kommen, aber eine grosszügig bedachte Tribüne würde die Sache doch um einiges angenehmer machen. Das gleiche bei Sonne und fehlendem Dach, soviel Sonnencreme kann ich gar nicht mitnehmen um mich und meine Kinder im Norman-Smith-Stand zu schützen (ernsthaft, 2h an der prallen Sonne ist mit Kleinkindern wirklich nicht toll). Alles in allem ist mein Rechenspiel wohl eher zu niedrig angesetzt.

Was man auch mal erwähnen sollte, seit 20 Jahren schaue ich beim Grenzstadtverein regelmässig Fussball und in diesen 20 Jahren verfolgte der FCK immer ambitionierten Amateurfussball. Was für ein Glück ich mit meiner Vereinswahl hatte!

Kein anderer Verein im Thurgau war auch nur annähernd so konstant leistungsorientiert mit seiner 1. Mannschaft. Das drückte sich bekanntlich auch in der Tabelle aus, 19 Jahre davon war der FCK ende Saison die Nummer 1 im Kanton. Es gab Aufstiegsspiele zur Challenge League, viele 1.-Liga-Jahre und fast ausnahmslos sehr ambitionierte Jahre in der 2. Liga Interregional.

Das Tradition und Stadtgrösse dabei wenig nützen zeigen unzählige Beispiele, es seien nur Uster, Frauenfeld oder Chur erwähnt. Es lag einfach daran, dass beim FCK immer ambitionierte Leute am Werk waren und sind, derzeit sogar ohne finanzielles Harakiri. Es wird so gerne schlecht über den FCK geredet, aber irgendwas müssen die Grün-Weissen doch richtig machen.

Dafür einfach mal ein Dankeschön, egal wie diese Saison aus geht.

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3 Comments

  1. Für Zuschauer beginnt “Kreuzlinger Fussball-Planungssicherheit” bereits zuhause: Schirm bei Regen – mindestend Dächlichappe bei Sonne. Oder dann einen (mehr oder weniger) geschützten Platz unter aller Art buntem Schirmtreiben auf der oberen Tribünenplattform des kleinen FCK-Stadions ergattern. Soweit die bunte Szenerie am Hafen.

    Man könnte natürlich für einmal fussballerisch auch Positives festhalten: Lieber unterm Regeschirm gewinnen, als unter einem Tribünendach verlieren! (Zur unendlichen Platzfrage weiter unter).

    Und gewonnen wurde tatsächlich wiedermal! Erst noch gegen einen (ländlichen) Gegner, der sich erstaunlich weit vorne in der Tabelle eingenistet hat. Was aber schon wundert ist, dass die frühere Torflut durch FCK-Stürmer derzeit rückständig ist. Andererseits wurde hinten überraschen wiedermal dicht gehalten. Und so ist Balzers, nach dem der Club die Tabellenspitze übernommen hatte, nicht enteilt. Das ist wohl das Bemerkenswerteste eines verregneten kühlen Samstagnachmittags am See. Nur mit den Strafpunkten liegen der FCK und die Liechtensteiner derzeit im Clinch. Im Boxen kann ein Clinch zu Abbruch führen. Der ewige Clincher hätte verloren. Fussballbezogen würde dies momentan die Meisterschaft für Balzers bedeuten. Ihr Strafpunktekonto wird wohl bis Saisonende günstiger ausfallen als beim FCK. Somit sind die Fakten unverrückbar gesetzt: Der FCK braucht mindestens einen “echten” Tabellenpunk mehr, als sein gegenwärtiger Konkurrent an der Tabellenspitze. So sieht es halt der Verband vor, der die Tordifferenz nicht mehr zum Maßstab bei einer Punktegleichheit sehen möchte. Über Sinn oder Unsinn dieser Regelung wurde schon viel geschrieben. Tatsache ist: Sie besteht. Und die Trainer wissen das sehr genau.

    Bei der erstaunlichen Rechnug des “Hafetschutters”, die tatsächlich mit der mässigen Platz-Infrastruktur im Zusammenhang gesehen werde könnte, wäre allerdings davon auszugehen, dass die Stadt so ziemlich alle Kosten für einen Ausbau der Sportanlage zu übernehmen hätte – und der Club die Eintrittsgelder. Wunderbar.

    Dass platzmässig überhaupt etwas geschieht, ist sehr fraglich geworden. Vor 5 Jahren bereits hatte ich eine kleine Skizze erstellt und ins Spiel gebracht, wie man mit den bestehenden Gegebenheiten der Sitz- und Stehramapen durch eine bescheidene Weiterentwicklung eine vorzeigbarere Anlage mit einer Überdachung erstellen könnte. Wie geschrieben: Vor 5 Jahren. Es wäre ein praktikables Provisorium geblieben, bis ein endgültiger Entscheid getroffen worden wäre, wo denn der FCK in Zukunft seine Heimat finden könnte. Inzwischen ist mit der von der Stadt proklamierten “Planungssicherheit” eher eine “Planungs-Unsicherheit” entstanden. Dies mindestens solange, bis nicht klipp und klar entschieden wird, wo denn jetzt zu planen ist: Auf Klein Venedig, im Seefeld, oder an beiden Orten, also z.B. auf Klein Venedig ein Städtisches Stadion, im Seefeld die Trainingsplätze. Ohne den angesprochenen endgültigen Entscheid sind alle anderen Überlegungen müssig. Zu denken gibt zudem der “demokratisch-unsportliche Entscheid” beim kürzlichen Döbeliprojekt. Hier hat die Stadt lobenswert eine praktikable Anlage zu erstellen versucht, die dann durch zweifelhafte Erwägungen aus einer Szene, die sich im Fussballsport anscheinend nur marginal – oder gar nicht! – auskennt und besonders mit “Umweltzerstörung” (!) agierte, versenkt wurde. So einfach ist das – so traurig auch.

    Somit sehe ich auf absehbare Zeit nur die Möglichkeit, ein stadtgerechtes kleines Stadion für Kreuzlingen zu verwirklichen, wenn dies auf privater Basis geschehen würde (mit Mantelnutzung). Die Stadt könnte sich mit ihren Kompetenzen daran beteiligen, ohne dass es zu einer Abstimmung kommen müsste. Ob dies in Kreuzlingen möglich wäre, weiss ich allerdings nicht. Man kann natürlich auch mit Schirm oder Dächlichappe argumentieren – weiterwursteln – glücklich werden. Eine Freundin von mir veröffentlichte mal ein Buch mit dem Titel: “Ästhetik der schönen Genügsamkeit”. Passt für Kreuzlinger Fussballplatzfragen!

  2. Vielen Dank für das dicke Lob aus berufenem Mund, lieber Daniel Kessler. Schön, dass unser Engagement so gewürdigt wird. Gerne leite ich die Blumen an meine Vorstandskollegen, an die Trainer und an die zahlreichen guten FCK-Geister weiter.

    Wir wollen weiterhin ambitionierten Fussball bieten, und zwar nicht nur mit der 1. Mannschaft, dem langjährigen fussballerischen Aushängeschild im Thurgau. Die zweite Mannschaft wollen wir in der 3. Liga halten und dort talentierte junge Spieler auf einen möglichen Sprung in die «Erste» vorbereiten. Im Nachwuchsbereich laufen verschiedene Projekte, die in den nächsten Jahren eine weitere Qualitätsverbesserung in der Ausbildung bringen werden. Die damals von Dir und Yannick Cavallin initiierte Integration der Handicap-Mannschaften führen wir weiter und soll noch intensiviert werden. Wir werden uns auf dem Erreichten nicht ausruhen!

    Bezüglich Infrastruktur benötigen wir dringend eigene Garderoben und wünschen wir uns natürlich für unsere Zuschauer eine überdachte Tribüne. Wir arbeiten pragmatisch daran und stossen bei der Stadt mit unseren Anliegen durchaus auf Gehör.

    Gerne verweise ich darauf, was an der Infrastruktur in den letzten Jahren Stück für Stück bereits verbessert wurde:

    • Ein nach wie vor hervorragender Kunstrasen wurde im Hafenareal erstellt
    (schade, dass das Projekt für einen zusätzlichen Kunstrasen im Döbeli, wohl hauptsächlich wegen falscher «grüner» Argumente, abgelehnt wurde)
    • Die Flutlicht-Beleuchtung wurde über das ganze Sportgelände erweitert und teilweise auch erneuert
    • Eine kleine Sitzplatztribüne konnte erstellt werden (leider halt noch ohne Überdachung)
    • Der Hauptplatz ist dank intensiver Pflege in hervorragendem Zustand (grosses Kompliment an das Team der Stadtgärtnerei)
    • Platz 2, der unter den TKB-Veranstaltungen stark gelitten hat, soll nächste Saison saniert werden
    • Wir haben regelmässig in die Einrichtung unseres Clubhauses investiert und das Speise-Angebot für unsere Zuschauer verbessert
    • Wir haben eine neue, moderne Speakeranlage installiert
    • Speakerkabine und Kassenhaus wurden soeben erneuert

    Vieles läuft in die richtige Richtung, aber “Gut Ding will Weile haben”. Es braucht viel Geduld und ein hohes Engagement. Packen wir es weiter an.

    Gruss und bis demnächst

    Daniel Geisselhardt
    Präsident FC Kreuzlingen

  3. Durchaus anerkennenswert, Herr Daniel Geisselhardt, wurde doch die Platz-Infrastruktur, wie sie richtigerweise beschreiben, in den vergangenen Jahren “Stück für Stück bereits verbessert”. Und das nicht ohne Kreativität und Tatkraft von Club und Stadt und Gönnern.

    Die Frage stellt sich jedoch nun, wohin die weitere Platzentwicklung gehen soll. Es führt nach meiner Überzeugung einfach kein Weg daran vorbei, von der Stadt verlangen zu dürfen, dass sie bereits heute verbindlich erklärt, wo denn die Geschichte “FCK-Terrain der Zukunft” zu enden hat (mindestens die Entscheidung für eine Hauptspielstätte).

    Was heute noch zur bestehenden hübschen Anlage beigesteuert werden kann, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass trotzdem alles ein Provisorium bleiben wird. Somit kann sich die Frage stellen, welche sinnfälligen Investitionen überhaupt noch getätigt werden sollen, um nicht zu viel Geld – volkstümlich beschrieben – “unnötig aus dem Fenster zu werfen”.

    Wenn sie, Herr Geisselhardt, berechtigt darauf dringen, dass der Club “eigene Garderoben” zur Verfügung haben sollte, so müssten diese wohl oder übel als ein Provisorium angelegt werden, da die (ominöse) “Planungssicherheit” im Prinzip auf 15 Jahre ausgelegt ist, wie Daniel Kessler anmerkt.

    Sollte hingegen bereits jetzt Klein Venig von der Stadt auch zukünftig durchaus als “fussballgeeignet” erklärt werden, wäre ein eigenes Garderobengebäude der beste Anlass dazu, endlich mit dem kontinuierlichen Bauen eines kleinen städtischen Stadions zu beginnen. Dazu müsste ein verlässlicher architektonischer Gesamtplan der Anlage erstellt werden, der dann im überschaubaren Zeitverlauf (2-5 Jahre?) etappenweise zu einer schmucken Sportanlage abgearbeitet werden könnte.

    Dass ich richtig verstanden werde: Was man wo, wie und wann macht, kann ich selbstverständlich nicht beeinflussen. Was ich jedoch beizusteuern versuche ist, ein Arsenal von Möglichkeiten zu beschreiben – halt auch kühne! -, wie die unendliche Geschichte eines respektablen Stadions für den Club und für die Stadt der Zukunft doch noch erfreulich enden könnte. Es gibt viele Wege. Zu viele Wege, meine ich, haben in den vergangenen 20-30 Jahren in einer Sackgasse geendet, sind so zum aktuell vorliegenden Provisorium geworden.

    Trotzdem: Mal angenommen, es bleibt bei der “Planungssicherheit”(somit am Provisorischen), so schlage ich immerhin u.a. vor: 1. dass zur Infrastruktur auch ein genügend grosser Parkplatz (mit Einweiser) eingerichtet werden sollte. Parkraum, der 15-20 Minuten nach Spielbeginn nicht belegt ist, kann dem allgemeinen Parkieren am Hafen zugeschlagen werden. 2. Sollte – wenn noch nicht geschehen – das Erscheinungsbild der Anlage durch markante Tafeln “Fussballclub Kreuzlingen 1905” – oder meinetwegen “FCK-Arena” – aufgewertet werden. Wo diese zu stehen kommen, wäre vor Ort zu entscheiden. 3. Ein, zwei Tafeln dürfen auch zum Platzeingang/Clublokal hinweisen – usw!

    Grüße aus Berlin!

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