Der Weitschuss

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Auch im Amateurfussball gibt es Berichteschreiber, Hobby-Statistiker, laute Fans, stille Beobachter. Eines ist allen gleich, sie frönen ihr Hobby unter nicht ganz einfachen Begebenheiten.

Der Berichteschreiber hat keine Wiederholung, die Fans scheitern zu fünft an einer Choreo, der neue Star-Stürmer wird von der Wirtin an der Clubhaus-Theke nicht erkannt. Und während wochentags in der Kaffepause alle über Bayern und Liverpool reden, kommt der stille Beobachter mit dem Knallerspiel Balzers-FCK um die Ecke. Eines ist aber allen gemein, sie sind wichtig für das Gesamterlebnis Amateurfussball, es zählt ob sie am Samstag dabei sind oder nicht.

Etwas weiteres ist ihnen gemein, sie alle betreiben ihr Hobby weit vom perfekten entfernt, mit grosser Leidenschaft stürzen sie sich ins Chaos. Dem Spieler verspringt der Ball, der Gesang der Fans tönt schief und die Technik der Anzeigetafel wird zum Buch mit sieben Siegeln.

Wundersam ist die Berichterstattung nach dem Spiel, ein öder Kick beim einen, wird zum dramatischen Klassespiel beim anderen. 300 Zuschauer will ein Heimverein sehen, 150 sinds beim Gästeschreiber.

Mitunter werden Distanzen grösser und kleiner, wie beim 1:0 gegen Bazenheid. Vom gefühlvollen 40-Meter-Tor, über einen knallharten 30-Meter-Distanzschuss bis zum weniger spektakulären 25 Meter-Tor war alles dabei.

Würde sich ein Zuschauer finden der auf einen Schuss aus 10 Metern schwören würde? Mit Sicherheit. (De isch doch grad vorem Goal gstande, und im übrige, s’WC isch verstopft).

Natürlich werden die Geschichten im Clubhaus im Laufe der Jahre immer dramatischer, die Distanzen grösser, die Zeit knapper, die Tore unglaublicher – und das schöne am Amateurfussball, keiner kann das Gegenteil beweisen!

2 Comments

  1. “Der Weitschuss” ist eine schöne Kolumne über ein Stück Amateurfussball! Es ist schon so: Die Beurteilung über ein einzelnes Spiel kann gleichzeitig der Schlüssel zu scheinbar mehreren Spielen sein, die da stattgefunden haben müssen. Es gibt tatsächlich keine spielerische Norm, besonders keinen anzuwendenden Algorhytmus, der am Spielende klipp und klar aufzeigen würde, wie denn das Spiel zu bewerten sei. Zwar haben zum Beispiel besonders Berufstrainer durchaus die Absicht, fast algorhytmisch ihre Spieler darauf einzustellen, um “durch eine Folge von Entscheiden die Lösung eines Problems sicher zu finden”. Sie tun es in eineinhalb Stunden zum Ärger dann eher selten. Fussball ist eben kein Computer, Amateurfussball schon gar nicht. Es menschelt bei Spielern, bei Zuschauern oder Berichterstattern (und -innen!). Zum Glück. Und so ist denn auch mal Fischerlatein im Spiel – z.B. nachher im Clubhaus.

    Und Fischerlatein scheint im Fussball schon früh ein Mittel zu sein, um auffallen zu wollen. Kleines Beispiel vom Sonntag: Mein Enkel L. (7 Jahre) hatte am Turnierende 7 Stempel auf seinem Unterarm, die der Trainer nach jedem erzielten Tor vergibt, in dem er den Schützen unmittelbar nach dem Torjubel am Spielfeldrand “stempelt”. Zwillingsenkel W. hatte nach Turnierende leider nur 5 Stempel vorzuweisen. Dazu meinte er: “Noch zwei Tore die ich verwirklicht habe, hat Uwe (der Trainer) nicht bemerkt” (Originalspruch). Die Wirklichkeit ist halt manchmal verhext. Ich glaube übrigens an die zwei neuen Tore, auch wenn ich sie auch nicht “bemerkt” hatte!

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