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Es hat nicht sollen sein

in Vor- und Nachbetrachtungen by

Es hat nicht sollen sein. 380 Zuschauer fanden sich zum Showdown im Hafenareal ein, die zweitbeste Zuschauerzahl in dieser Saison. Unruhig lugten viele Zuschauer immer wieder auf ihr Handy. Per Liveticker wurden wir über den Stand in Balzers auf dem Laufenden gehalten. Wir mussten für den erhofften Aufstieg in die 1. Liga gegen den starken FC Uzwil gewinnen und Balzers sein Heimspiel gegen den FC Widnau verlieren. Die Chance war klein, die Hoffnung bei vielen trotzdem da.

Während auf dem heimischen Platz ein 2:1-Sieg heraussprang, sanken die Hoffnungen mit jeder Neuigkeit aus dem Fürstentum. Bereits zur Pause führte Balzers 3:0. Immer wieder riefen uns Spieler zu wie es denn stehen würde – die meisten Fans taten so als würden sie nichts hören, was will man auch sagen wenn man keine Hoffnung geben kann.

Ein Fan der Rheintaler schrieb mir nach dem Spiel: “Ein mehr als enttäuschender, Mut- und fast einsatzloser Auftritt der Widnauer Mannschaft.” So konnte es natürlich nichts werden in Balzers. Aber die Schuld können wir niemandem in die Schuhe schieben, die Entscheidung viel früher. In den verlorenen Spielen gegen Mannschaften des hinteren Tabellendrittels.

Die Stimmung auf Platz und Rängen war seltsam. Man gewinnt, hatte eine tolle Saison – und steht am Ende doch wieder mit leeren Händen da. Konfetti gabs im gut besuchten Norman-Smith-Stand trotzdem.

Beim Trainertalk schwärmte Uzwil-Trainer Sokol Maliqi vom Geist welcher beim FC Kreuzlingen in der legendären 2004er-Mannschaft geherrscht habe, er selbst spielte damals im Grün-Weissen Trikot. Als sich der FC Kreuzlingen mit mehrheitlich jungen Talenten anschickte in die Challenge League zu stürmen und erst im Aufstiegsspiel in Baulmes in der Verlängerung gestoppt wurde. Heute hätten viele dieses Teams im Fussball-Business Fuss gefasst, zumindest im überregionalen Fussball.

Applaus gabs dafür von den Veteranen und Fans – und natürlich kamen gleich wieder die alten Anekdoten und Schwänke nicht zu kurz und die ganzen legendären Spiele der letzten Jahrzehnte wurden im Clubhaus Revue passiert. Mendrisio! Wer war damals in Mendrisio – als der Abstieg aus der 1. Liga verhindert wurde! Durch ein Tor in der 97. Minute! Als es in der Pause zu Tumulten im eigenen Team kam, sich der Torhüter weigerte weiterzuspielen und die Live-Übertragung ins Clubhaus immer wieder unterbrochen wurde – und man um 1.00 Uhr nachts mit Bengalos am Clubhaus ankam und die daheim gebliebenen umarmte.

Doch wir dürfen auch in die Zukunft schauen. Die nächste Saison in der 2. Liga Interregional wird eine spannende. Der FC Kreuzlingen wird nochmals angreifen wollen. Es hat tolle, ambitionierte Vereine in der Liga und es wird erstmals in der 114-jährigen Kreuzlinger Fussballgeschichte zu Stadtderbys in der Meisterschaft kommen. Es ist angerichtet für weitere legendäre Spiele!

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1 Comment

  1. Triumpfiert haben die Meisterschaft in der Gruppe 6 der 2. iR. die zwei meistgenannten Favoriten. Und zwar mit deutlichem Abstand zur Konkurrenz. Ein FCK-Lamentieren über die drei im Oberthurgau ominös versemmelten Punkte gegen einen Club, der ohne diesen Punktezuwachs sogar nahe an die Abstiegskante gerückt wäre, wäre verständlich, aber nutzlos. Ist eben Fussball. Unberechenbar bis zum letzten Pfiff am Saisonende. So ist denn dem FC Balzers zum Aufstieg zu gratulieren! Die Liechtensteiner haben gekonnt eine kurzzeitige Schwäche des FCK durch einen kräftigen Endspurt auszunützen verstanden.

    Dennoch kann der 1. Mannschaft des FCK gratuliert werden. Wir bereits erwähnt, lag die Performance mit einem ordentlichen Punkteplus klar vor ihren Ligagegnern. Und dass die Hauptstädter abgestiegen sind zeigt, dass nur eine aufmerksame Saisonplanung auf allen Ebenen eines Clubs Erfolg bringen kann. Das haben die FCK-Verantwortlichen verstanden und erfreulich umgesetzt. Nennt man “Planungssicherheit” – mal anders verstanden! Dies kann als Blaupause für die kommende Saison dienen. Und die Saison 2019/20 kündigt sich mit einem Liga-Konkurrenten aus der eigenen Stadt (AS Calcio) sogar prächtig an. Ein spannender Ersatz für den ewigen Derby-Rivalen Frauenfeld. Kreuzlingen hat so die Chance, in ein unverhofftes gesellschaftliches Fussballfieber zu geraten, das den Stellenwert dieser Sportart innerhalb der Stadt erhöhen dürfte.

    Der FCK-Nichtaufstieg ist aktuell insofern eher untragisch, als es dabei mehr um die Ehre gegangen wäre, der 1. Amateurkategorie anzugehören, als nun die Chance zu bekommen, deutlich attraktiveren Gegnern ausgesetzt zu sein. Diese Attraktivität würde erst mit der Promotion beginnen (“Kafi-Liga”). So gesehen müsste eine Mannschaft in die 1. Liga Classic aufsteigen, die dann mindestens um eine Teilnahme an der Promotion spielen könnte. Dies wiederum müsste dann gleichlaufend in Kreuzlingen endgültig auch mal die Platz-Infrastrukturfrage beflügeln. Allerdings ist letztere Erwartung erfahrungsbedingt fast als eine provozierende Feststellung einzuordnen…..!

    Man kann sich auf die neue Fussballsaison am Hafen dennoch freuen. Die Liga ist gut gespickt mit Mannschaften, die seit Langem zu den “regionalen Rivalen” gehören. Und wenn, wie erwähnt, sogar ein Stadtderby die Szene beleben wird, sind alle Wege offen für eine zuschauerattraktive Saison. Dass auch auf diesem Niveau um jeden Punkt gekämpft werden muss, zeigt das aktuelle Verschwinden von Frauenfeld, sowie zweier zürichkantonaler Mannschaften vom Tableau. Besonders ein Wiedererscheinen des FCF dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Soviel Hauptstadt-Ehre in Sachen Fussball müsste dann schon möglich sein. Für den FCK heisst die Losung eindeutig: Angriff mit kräftiger Akzentuierung! Das notwendige Vokabular dazu kann u.a. lauten: Teamgeist – Leidenschaft – Zielstrebigkeit. Und als unterstützende Basis enorm wichtig (neben notwendiger Sponsoren – auch der Stadt!): Ein gesteigertes Zuschauerinteresse – nicht zuletzt aufgrund der gezeigten guten Leistungen der nun abgeschlossenen Saison.

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