Spielerfiguren

in Gedanken zum Amateurfussball by

In letzter Zeit ist hier ja geradezu Aufruhr. Mein letzter Beitrag “Ringer in Rüti” liess diesen erzürnen und mir mit dem Rechtsweg drohen. Gleich zwei allseits bekannte Fussballkolumnen-Schreiber meldeten sich bei mir – mit allerlei Erfahrung zum Thema.

Ich möchte anhand eines Beispiels erklären, wir wir Fans im Norman-Smith-Stand ticken. Bei uns spielte vor Jahren mal ein ebenfalls alles andere als athletischer Spieler. Dessen Freistösse waren aber göttlich. Ich habe davor und danach nie wieder einen Spieler gesehen, welcher solche Freistösse schoss. Würde Fussball nur aus Freistössen bestehen, er wäre für jede Nationalmannschaft aufgeboten worden. Aus einer Distanz von 16 bis 25 Metern zimmerte er praktisch jeden Ball unhaltbar ins obere Eck. Es war der Wahnsinn. Der FCK verlegte seine Spielweise hauptsächlich auf das vorbereiten von Freistössen in besagter Distanz. Er war unser Held, der mit Abstand beliebteste Spieler seiner Zeit. Gerade wegen dieser Kombination von anscheinender Gemütlichkeit und absolutem Können.

Lieber D.F. aus Rüti, ich habe deinetwegen den Eintrag angepasst. Gerne hätten wir allerdings mit Dir über unseren FCK gelacht, zum Beispiel mit einem entsprechenden Kommentar von Dir in diesem Blog, sowas macht den Amateurfussball doch so wahnsinnig sympathisch! Da muss man doch nicht gleich (mit einem chancenlosen) Rechtsweg drohen.

Ein gewisses Verständnis habe ich aber für D.F. – was in einem intimen Fanzine funktioniert, wird in einem Blog mitunter problematisch. D.F. wünsche ich eine weiterhin gute Saison, mit dem ein oder anderen Freistosstor.

1 Comment

  1. Ich habe den Kommentar von Bruno Neidhart an diese Stelle verschoben:

    Das Spiel in Rüti hat anscheinen ein Nachspiel geboren. Betrifft im einzelnen die Physis (“zum Körper gehörend”). Nun, auch im Amateurfussball ist eine ordentliche Physis wichtig, um zu reüssieren. Wer möchte dies bezweifeln. Das hat Rüti zuletzt auf jeden Fall deutlich besser hinbekommen, als der FCK. Welche einzelnen Spielerproportionen dazu besonders beigetragen haben, ist nicht übermitteln. Wahrscheinlich quer durch.

    Es gehört zum Fussballsport, dass ihn alle betreiben können und sollen, die einigermassen wissen, um was es hier geht. Zum Beispiel, dass zwei Tore ziemlich weit auseinader stehen, in die möglichst viele Bälle rein sollten. Wichtige Anmerkung dazu: Besonders beim Gegner! Dass viele Fussballer doch eher zur Rhytmischen Sportgymnastik tendieren, ist indes nicht bekannt. Und so trifft sich eben dann auf dem viereckigen Grün alles, was Freude am Kicken hat. Jegliche Formate!

    Man kann die Formulierung, die Hafetschutter zusätzlich zu einem Bild verwendete, von anderen Schreibern, wie mich, aufgenommen wurde, nun wahrlich (persönlich) nicht als “Beleidigung” auffassen. Sonst müssten alle Reporter jedes Wochenende auf “würdige oder unwürdige” Aussagen überprüft werden. Fussball ist ein Kampfsport, erzeugt manchmal Beschreibungen (auch von Spielern) durch Wörter, Begriffe, Charakterisierungen, die diese Sportart in ihrer breiten Darstellungsart abzubilden versuchen. Nicht selten hat das tatsächlich auch mal mit “sportlich-trockenem Humor” zu tun, ohne gleich beleidigend sein zu wollen. Dazu gibt es medial jede Woche Beispiele. Ikonografisch (u.a. Bedeutung von Motiven in der Kunst) möchte ich mal das “ominöse Bild”, um das es hier geht, als nicht fussballtypisch eingefangen bezeichnen. Wäre der Spieler in eine Spielsituation verwickelt, kämen wohl keine ringer- oder ähnlichen Bemerkungen auf. Eher: Kräftger Spieler. Es ist somit allein die “ruhende Postur” der Person (des Spielers), die eine Assoziation zu einer anderen Sportart schaffen könnte (könnte!).

    “Physisch gesehen” hat jeder der mal mit Fussball in Kontakt kam, seine visuellen Eindrücke im Gedächtnis. Letztlich im guten Gedächtnis, keineswegs im nachtragenden, sonder – weit die Regel – im eminent kameradschaftlichen. Und dies auch mal weit über die eigene Mannschaft hinaus. Ist schon so – oder?

    Ich erinner mich, dass bei uns mal ein Mitspieler (er nahms humorig) regelmässig “Telefonstange” genannt wurde, ein eben besonders schlacksiger Typ halt (und beim Gegner unbeliebt-torgefährlich bei Flanken und Ecken!). Oder der Begriff “Bodesurri” als Bezeichnung eines kleinen, quirrligen, kaum fassbaren Spielertyps war Standard. Als “Ringer” – oder “Wrestler”! – hätte man auch unseren Feuerwehrkommandanten bezeichnen können, der auch noch bei den Senioren jahrelang freudig die Szene ausfüllte.

    Und so ist eben die Fussballszene nicht aus Plüsch. Aber Nachtragendes hört man eher nur bei einem sehr groben Foul (hierzu ist der Schiri zuständig!). Auch Schwalbenkönige machen sich nicht unbedingt beliebt. Doch gerade die “Physis” war nie ein Spekulationsobjekt, um darüber schlecht zu reden. Wichtig war einzig, dass die Pässe ankamen oder – spielte ein physikalisch eher ringermässig-Auffälliger in unseren hinteren Reihen -, so hoffte man sehnlichst, angreifende Stürmer würden eine “gewisse Kraft” verspüren, sollten sie einfach mal so durchzuaufen versuchen! Um das ging es. Und nach Wurst und Bier war sowieso alles bestens. So ist Fussball.

    Schluss-Statement dazu: Mag sein, dass man heute durch ein viel breiteres und unmittelbareres Kommunikatonsangebot eher mal in ein “Fettnäpfchen” treten kann. Aber diese können im Fussball nicht allzu tief sein. Sonst verwechselt man hier was. Und sollte es trotzdem mal etwas zu regulieren geben, so eben bei Bier und Wurst und Trikot- oder Fanschaltausch! Es darf sogar eine sportliche Umarmung folgen. Dann aber Schluss damit.

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