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Horror-Trip für den Rössli-Club

in Vor- und Nachbetrachtungen by

Was für eine Woche für den FC Seuzach. Der Tabellenführer verliert 4:2 gegen den FC Bazenheid, dann wird der 4:0-Sieg in Weesen annulliert und neu angesetzt (wegen eines falschen Schiedsrichter-Handzeichens bei einem Freistoss!) und danach verlieren die Seuzemer gleich noch 4:1 gegen den FC Kreuzlingen. Ein kleiner Horror-Trip für den Rössli-Club.

Ich musste das Spiel schwänzen und verbrachte den Samstag bei meiner ebenfalls am Regionalfussball interessierten Verwandtschaft in Stockach (“jetzt händ ehr au no de Manuel Stark gholt, mir glaubeds ned, die beschte sind immer bi eu!” “und sogar de Löffler isch etzt i de Schwiiz, sag mal verdient de Marius was in Kreuzlinge?”

Während meine Oma ihr 83. Jubeljahr feierte, starrte ich immer mal wieder unauffällig auf den Live-Ticker aus Seuzach. Als man dort “einen Schnupf mit dem Präsidenten” ankündigte, war die Sache bereits fast gelaufen. Zufrieden lehnte ich mich zurück. Andere Gäste wurden nun unruhig am Tisch. Der Grund, natürlich, Fussball (“weisch scho es Resultat?”).

Foto: fcseuzach.ch

Nachtrag vom Landboten: «Kreuzlingen war technisch, läuferisch und physisch unser bisher bester Gegner», fasste Seuzachs Trainer Stéphane Lüthi zusammen. // Balsam für die FCK-Seele –  Überheblichkeit wäre aber ganz fehl am Platze.

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3 Comments

  1. Auch ich konnte leider in Seuzach nicht dabei sein. Leider meine ich aufrichtig, denn Seuzach mag ich. Die Anlage, die Leute, das Bier etc. Es ist dort einfach sympathisch und man fühlt sich willkommen und wohl. Zudem, und das nicht zuletzt, ist der dort gebotene Fussball auch meistens ansprechend. Ab und zu gehe ich sogar inkognito an Matches nach Seuzach; aus den erwähnten Gründen. Die Kreuzlinger Mannschaft tat mir (und dem Hafetschutter sicher auch) vorab etwas leid. Denn so ohne Fans und auswärts… das könnte schwierig sein (war’s aber nicht). Bei ihm war’s die Oma, bei mir die Tochter. Dazu später mehr. Immerhin gab es einen Zuschauer, welcher, wenn auch nicht sichtbar, mit dem FCK in Seuzach mitfieberte. C. aus E. ging nach Seuzach und wurde, gemäss seinen Angaben nicht enttäuscht (aber wir hätten ihm schon wenigstens eine Zaunfahne mitgeben können). Er habe einen erfrischenden Match gesehen, in welchem sich die Mannschaften nichts geschenkt hätten. Seuzach ging früh in Führung und Kreuzlingen hat die Partie gedreht. Es seien bei den Kreuzlingern zwar eklatante Abwehrschwächen sichtbar gewesen (aber wo denn nicht, auch dazu später mehr) und es hätte durchaus u.a. deshalb noch das eine oder andere Tor für Seuzach fallen können, allerdings habe Kreuzlingen qualitativ und kämpferisch überzeugt, schön und insbesondere effizient gespielt und auch nötigen Tore geschossen. Alles in allem sei es ein schöner Fussballnachmittag gewesen (und zwar auch objektiv bzw. für den Sportliebhaber; nicht nur für den Vereinsmeier). Kommen wir zur Enttäuschung. Also zuerst zum Erfreulichen. Ich besuchte mit meiner Tochter endlich wieder einmal ein Spiel des FC Winterthur. Publikum zahlreich, Wetter toll, Stimmung gut etc. Eigentlich sämtliche Zutaten für einen Kantersieg gegen den FC Wil. Was dann aber passierte, kann man anderswo nachlesen. Also an uns Fans lag’s sicher nicht. Was mir aber auffiel war, dass auch Winterthur hinten schwächelte, schlecht verteidigte und in der Konsequenz dann auch (unnötige) Tore kassierte. Auch bei einigen anderen Vereinen fiel mir das in letzter Zeit auf (sowohl bei den Profis als auch den gehobenen Amateuren). Woran liegt das? Legt man neuerdings einfach alles nach vorn? Ich bitte die Fussballexperten um ihre Meinungen. Nach den für mich enttäuschenden (FCW) und für C. aus E. erquickenden (FCK) Matches trafen wir uns im Winterthurer Gaswerk und erfreuten uns gemeinsam an den sackstarken Performances von “Indian Nightmare”, “Vulture” und “RAM”. Ein wohl einigermassen versöhnlicher, wenn auch mit einigen Fragezeichen nicht nur in Bezug auf die beiden genannten Mannschaften versehener, Abschluss eines langen und intensiven Tages.

    • Die Tore-Quote liegt in der 2. Liga Interregio Gruppe 6 derzeit bei 4.65 pro Spiel, muss man der Beobachtung von Matthias also beipflichten. Gibt es im Amateurfussball nicht die Faustregel je mehr Tore desto schlechter die Qualität?

  2. Solange der FCK-Schlussmann mit breiter Sponsorenbrust den Ball sogar zwei Meter hinter der verlängerten Torlinie noch zu fangen versucht – nur der Ballschatten befindet sich im Tor! -, kann es einem um Grün-Weiss nicht bange werden. Oder übt hier einer bereits wegen Rangnicks-Bemerkung? Der ehemalige Trainer von RB Leipzig meinte unlängst, die Tore müssten eigentlich vergrössert werden, da statistisch der Mensch gewachsen sein. Aha. Doch dann würde es vielleicht noch mehr ballern, was von zwei Blog-Schreibern schon jetzt eher als Qualitätsmangel (mindesten bei den Amateuren) eingestuft werden könnte. Also zurück zum “Schweizer Riegel” oder dem “Catenaccio”? – Hilfe!

    Qualität ist oft einseitig (derzeit bei United Zürich markant, führt zu tabellarischen Verfälschungen). Doch spielen zwei Mannschaften mutig “nach vorne”, entstehen hinten eben nicht selten “Lücken”. Treffen dazu beide abwechselnd zielsicher, entstehen beidseits viele Tore, die nicht unbedingt zu Ungunsten von Zuschauenden ausfallen müssen (Für die Fans einer verlierenden Mannschaft halt schon). Aber z.B. ein 1:o in der 13 Minute mit anschliessendem Resultat-Halteversuch über die restlichen 77 Minuten ist letztlich nur für diejenige Zuschauergemeinde tröstlich, die zur gewinnenden Mannschaft gehört. Wie manchmal erstaunliche Resultate zustande kommen können – einseitig oder geteilt -, hängt von so vielen Faktoren ab, dass es undurchschaubar bleiben muss. Für Fans manchmal halt schon zum Verzweifeln (z.B. samstags Man City-Watford FC 8:0 – gestandene Profis!).

    Durchatmen wollte samstags der FC Seuzach nach dem unverhofften Desaster im Untertoggenburg. Dazu war die Hafenelf des FCK auserkoren. Und so wurde im Spiel-Vorbericht gleich mal ein “Kursschiff-Entern” in Erwägung gezogen. Nun, dazu kam es nicht. Seit dem Stadtderby hat der FCK-Dampfer wieder Fahrt aufgenommen. Auch kurz vor Winterthur konnte man ihn nicht stoppen. Interessant ist eine Bemerkung aus “Seuzi”, dass es in der “Holzklasse 2. Interregio” nicht zu einem “Selbstläufer” würde. Erfahrene Holzklässler wissen das schon lange! Überhaupt ist die Frage, was hier “Holzklasse” zu bedeuten hat, offen. Mit “Holzer” scheint es nichts zu tun zu haben, obwohl man jüngst in Bazenheid einen “Grobian” ausgemacht haben wollte, der einen Seuzispieler in die “Axanova-Abteilung” befördert hätte (weiterer seltsamer Begriff: “Hafetschutter” = “Hochglanz-Pedalomagazin”!).

    Zurück zur “Holzklasse”! Sollte damit die Spielqualität gemeint sein, wäre zu fragen, wo diese beginnt (unten?), und wo diese endet (oben?). Fangen wir mal ganz oben bei den CH-Liga-Tschuttern an, so dürfte die “Nichtholz-Qualität” besonders im internationalen Massstab (!) aktuell auf höchstens zwei Mannschaften zu begrenzen sein (Langezeit nur auf eine – FC Rheinknie!).

    “Holzklasse” nach Liga ja, wenn in der Schweiz ab “Super League” (welch öder Begriff!) heruntergezählt wird. Dann kommt man tatsächlich erst bei 5 zum Stop. Na und? Es darf sogar ruhig weiter heruntergezählt werden, geht es doch grundsätzlich nicht um “Holz” oder “Edelstein” im Fussball! Ja – im Speziellen (edlen) vielleicht dann und wann mal, wenn mit gewaltigem (materiellem) Aufwand versucht wird, möglichst ganz oben kicken zu wollen. Aber das ist eine Kategorie, die “Holzklässlern”- entstammen sie nicht einem ehemals hochwertigen Club -, ziemlich auf ewig verborgen bleiben dürfte.

    Selbstverständlich darf ruhig auch mal mit Stolz registriert werden, dass man 1-2 Stufen hoch gestiegen ist. Nicht ohne viel Aufwand und Verzicht jedes einzelnen Amateurs – auch jedes Clubverantwortlichen! Das ist die eine Sache. Wird das von der Gesellschaft noch kräftig unterstützt, ist es wertvoll für das Leben in einem Dorf, in einer Stadt. Andererseits gibt es wohl eine grosse Schar von Vereinen, die auf niedrigster Stufe spielen und noch nie aufgestiegen sind, jedes Wochenende froh darüber sind, 11 Akteure – wenn möglich noch 2-3 dazu – aufbieten zu können, um ihr Leben sportlich und kameradschaftlich zu gestalten. Als absolut “Holzklassige” tragen sie zur Gesellschaft oft mehr bei, als manch aufgestelzte “Edelklassige”. Mit solchen oder ähnlichen Begriffen kommen wir also nicht weiter. Einen Ball bereits ab frühester Kindheit mit dem Fuss weg zu befördern ist einfach zu phänomenal, um Fussball an sich zu begreifen. Das ist es. Ich habs!

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