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Churer Abwehrberge

in Vor- und Nachbetrachtungen by

Die in schwarz-rot spielenden Kreuzlinger bissen sich an der Churer Abwehrkette die Zähne aus, die Mission Tabellenführung scheiterte. Eine fast 30-minütige Druckphase ohne Tor, sowas geht selten gut. Das Churer 1:0 in der 80. Minute war mehr als ein Tor, es war (fast) jedem Zuschauer klar, mit diesem Treffer war es vorbei. Bei diesem Gegner und diesem Spielverlauf – nicht mehr zu korrigieren. Die Churer konnten sich nun noch mehr zurückziehen – und sie taten das sehr abgeklärt und gekonnt. Die Kreuzlinger Angriffe waren nun nur noch verzweifelt.

Vieles hatte der FCK richtig gemacht an diesem verregneten Samstag und in den Spielen davor. Die Abwehr scheint in der jetzigen Besetzung am stabilsten zu sein, die Notsituation mit Mesinovic im Tor (von der 2. Mannschaft) scheint kein Handicap zu sein, im Mittelfeld empfand ich uns stärker und ideenreicher besetzt als es die Churer derzeit sind.

Kreuzlingen hätte das Spiel gewinnen können, mit dieser Mannschaft kann man um den Aufstieg spielen. Chur war unsäglich clever und mit einer gesegneten Abwehr ausgestattet, dazu vorne Deplazes (und es fehlten noch drei Schlüsselspieler) –  man sah den Aufstiegs-Top-Favorit am Werk.

Chur mit seinen Ressourcen als Sportstadt (neues Fussballgelände Obere Au!) und als Fussballzentrum für ganz Graubünden (Nachwuchsteams!) müsste, wenn die Wirtschaft auch noch etwas mitspielt, mindestens die Promotion League ins Auge fassen. Zudem strömt auch Publikum, bisher 300 im Schnitt, 360 beim verregneten Spitzenspiel gegen Kreuzlingen. Hier hat es noch ein traditionelles Fussballpublikum.

Auch Kreuzlinger waren vor Ort, rund 30 waren es, vielleicht auch mehr. Grün-Weisse Schals und Fahnen sah man und manch einer sass zulange in der Stadionbeiz. Zurück ging es im strömenden Regen Richtung Bodensee – Amateurfussball, Du bist  an solchen Tagen trotz Niederlage reizvoll.

Übrigens, für die Bratwurst gibt es eine 2+ im “kleinen Platzguide” des FCK-Matchprogramms. Vor Jahren hatte ich diese in Chur mit einer schlechten 1 bewertet, was prompt Chur 97 zu einer Reklamation veranlasste. Spieler, Publikum und Grillmeister, am letzten Samstag feierte halb Chur.

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1 Comment

  1. Als nicht anwesender Beobachter fällt es wiedermal schwer, sich ein objektives Bild zu machen: Da spricht der FCK-Trainer von “Chur an die Wand gespielt zu haben”. Und im Kommentar der Südostschweiz wird Chur 97 dagegen als “verdienter Sieger” dargestellt.

    Das mus sich allerdings nicht widersprechen: “An die Wand spielen” erzeugt eben noch keine Tore, einen überraschenden Angriff “aus der Wand heraus”, in den freien Raum, schon eher. Und sowas passiert nun mal nicht nur bei den Amateurfussballern. Jedes Wochenende können professionelle Spiele beobachtet werden, wie eine Mannschaft bis zuletzt “an eine Wand” gespielt wird. Und trotzdem – nicht selten nach der Einwechslung eines gegnerischen Spielers -, wird noch verloren. Weder Spieler noch Trainer der verlierenden Mannschaft fanden somit in eineinhalb Stunden den Schlüssel, um eine ominöse Wand zu durchbrechen. Als Zuschauer ist man erfahrungsgemäss eher schon darauf vorbereitet, dass hier etwas schief laufen könnte. Und tatsächlich gibt es dann den Lucky Punch auf der der Wand gegenüberliegenden Seite!

    Nun gäbe es durchaus das Rezept, eine derart “furchtbare Wand” in Richtung Mittellinie zu locken, um sie dann durch intelligente weite Pässe durchbrechen zu können. Doch manchmal kommt der Verdacht auf, dass bei einem überlegenen Ballbesitz zu lange darauf vertraut wird, “irgendwann” doch noch den Tor-Schlüssel zu finden. Da kommt mir wiedermal der Spruch in den Sinn: “Fussball ist einfach. Nur ist da noch ein Gegner”. Dazu passt Hafetschutters Aussage: “Chur war unsäglich clever und mit einer gesegneten Abwehr ausgestattet……”. Kann man damit gar Meister werden?

    Ja und Nein! Selbstverständlich ja, sollte die gegenwärtige Churer Stärke noch sehr lange anhalten. Nein, wenn in dieser mittleren Amateurliga wiedermal vieles drunter und drüber zu laufen beginnt. Und wir sind erst im 9. Saisonspiel angelangt. 17 davon stehen also noch aus, um die Bündner Wand zu durchbrechen. Und das geschieht so sicher, wie Wölfe im Calandagebiet anzutreffen sind.

    Die gegenwärtige Liga-Konstellation ist zudem erstaunlich: Hinter Churs noch mässigem Punkte-Vorsprung tummelt sich eine ganze Reihe von Mannschaften, die sich nach einer Niederlage des gegenwärtigen Spitzenreiters unmittelbar als bedrohliche Verfolger outen könnten (sofern sie ihr eigenes Spiel gewinnen). Es darf in diesem Zusammenhang auch an den FCK gedacht weden! Am Ende der ersten Saisonhälfte kann sich somit bereits ein ganz anderes Bild ergeben.

    360! Hafetschutter meint dazu: Es “strömt” fussballerisch in Chur noch immer. Dabei wäre jedoch darauf hinzuweisen, dass es sich um ein veritables Spitzenspiel der Liga handelte und Chur und Kreuzlingen zusammen 60’000 “potentielle Zuschauer” verzeichnen (38’000 + 22’000) . Man ist also noch 1. von einem Churer Aufbruch in fussballerisch emotionalere Zeiten ziemlich entfernt. Und 2. wird noch kein Extrazug im Kreuzlinger Hafenbahnhof zusammen gestellt werden müssen. Wenn also derzeit durchschnittlich 300 Bündner die austauschbare, klassische alte Schweizerbeton-Tribüne aus dem vergangenen Jahrhundert bevölkern, so darf man gespannt sein, wie sich hier in den kommenden Jahren die Szene entwickelt, wenn dereinst auf der “Oberen Au” ganz neue Möglichkeiten für den Fussballsport bestehen (wie Hafetschutter andeutet). Es ist hier für einmal Chur, das Kreuzlingen “an die Wand” spielt!

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