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Der FC Gossau plant die Zukunft

in Fussballheimat by

Beim abstiegsgefährdeten 1.-Liga-Verein FC Gossau tun sich Horizonte auf. Der Verein plant mit dem Eigentümer seines Sportplatzgeländes, den Technischen Betrieben Gossau, einen Neubau des Buechenwald-Stadions.

Beim öffentlich ausgeschriebenen Projektwettbewerb gingen 62 (!) Projektideen ein. Das Siegerprojekt sieht eine überdachte Tribüne mit 600 Plätzen und einen “identitätsstiftenden Turm” mit Aussichtsplattform vor. Dir Vorderseite der Tribüne wird in verschiedene Abschnitte gegliedert (hört sich gut an, da nicht eintönig), plus Club-Restaurant und diverse Räumlichkeiten).  Hier gehts zum TZ-Bericht.

Mir gefiel die charmante Buechenwald-Sportanlage in Gossau immer sehr. Zentral gelegen mit heimeliger Tribüne – und rundherum blickdicht abgeschlossen, alles sehr stimmungsfördernd, so muss es sich in etwa im alten Stadion an der Konstanzerstrasse angefühlt haben.

Und trotzdem begeistern mich die neuen Pläne. Gut, der kubische Stil wirkt etwas kalt, aber mit geht es um den Aufbruch. Die Idee des “identitätsstiftenden Turms” kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich würde einen solchen Turm sofort in ein Fanclub-Logo aufnehmen. Vereine brauchen solche Merkmale. In England hat jeder Verein einen Spitznamen. Gossau würde wohl “The Tower Club” genannt werden.

600 Plätze sind ideal. Das Klein-Stadion des Siegerprojektes (“mit unterdurchschnittlichen Baukosten”) wäre ausbaubar für die Challenge League, fantastisch! Warum denkt man so nicht in Kreuzlingen?

Das Projekt muss bestimmt noch einige Hürden nehmen inklusive Volksabstimmung. Aber es geht voran. Wohlgemerkt bei einem Verein welcher derzeit in etwa auf dem Niveau des FC Kreuzlingen spielt, in einer Stadt mit weniger Einwohnern (rund 18’000), an einem Standort mit viel grösserer Konkurrenz durch andere Vereine (FC St. Gallen, FC Wil, SC Brühl).

Warum schafft man es in Gossau (und Chur) eine Fussballheimat zu planen und daran zu arbeiten und in Kreuzlingen nicht?

Derzeitiger Stand beim FC Kreuzlingen: “Im Verlaufe des Jahres mit Fertigstellung gegen Ende 2020” werden Garderoben bei der Clubhausseite im Hafenareal erstellt. Grundsätzlich positiv. Aber Geld für ein Provisorium ausgeben? oder entscheidet man sich in Kreuzlingen endlich für einen fixen Fussballstandort Hafenareal? Ob Seezelg oder Hafenareal scheint mir nicht so entscheidend, aber ins blaue hinaus Geld auszugeben für Provisorien ist nicht nur für die Fussballer in Kreuzlingen eine unmögliche Situation.

Warum belässt man die Kreuzlinger Fussballer in permanenter Warte-Situation? Warum investiert man Geld in Provisorien?

Die Antwort ist einfach. Man hat Planungsfreiheit für andere Projekte. Im Seezelg wurde die Fussball-Zukunft räumlich bereits entsprechend zusammengestaucht.

 Fotos: Alt-Buechenwald: europlan-online.de, Neu-Buechenwald: Christoph Giger Architekturbüro

 

3 Comments

  1. Dass “Hafetschutter” als ein veritabler Fussballplatz-Poet durchgeht, ist längst bekannt. So kommt er auch nicht an der alten Gossauer-Holzanlage vorbei. Es ist schon so: Sie hat was! So ähnlich war es tatsächlich auf der FCK-Anlage an der Konstanzerstrasse, die schon durch ihre Rundum-Geschlossenheit stadionmässig bestach. Man war “drin”. Es herrschte Fussball. Bei Nachtspielen jeweils ein besonderes Ereignis. Und die Ergebnistafeln unter der Uhr wurden noch eigenhändig gewechselt (“Fritz, wächsle – mer füered scho zweinull!”). Längst vergangen……

    Nun soll auch in Gossau das Poetische der Neuzeit weichen. Daran lässt sich sogar der Hafetschutter “begeistern”. Ich habe zwar Mühe, einen Platz “Stadion” – oder gar “Arena” – zu nennen, der nur aus einer seitlichen Tribüne besteht. Wie dem auch sei. Womöglich möchte man in Gossau die letztlich zuständige Bevölkerung nicht “schockieren”. Wie war es beim Döbeli-Projekt? Das komplette, auch zuschauerfreundlich ausgestattete Kunstrasen-Projekt (mit Stehstufen) wurde nicht goutiert.

    Die Stadt Gossau ist – neben Chur, wo die neue Fussballanlage bereits den Segen der Bevölkerung gefunden hat, nun also auch bereit, den Schritt zu wagen: Der Fussballsport soll in Gossau eine moderne Heimat bekommen. Wobei ich die Konkurrenz des FC St.Gallen, SC Brühl/St. Gallen und FC Wil eher belebend sehe, als hinderlich. Am Ende bleibt man doch auch ortstreu. Alledings soll dahinter eine Leistung sichtbar werden. Beim FC Gossau wechselt sich das Niveau bekanntlich oft ab. Mit einer neuen Anlage verfestigt sich womöglich ein Trend nach oben. Neuland wäre “oben” für die Fürstenländer nicht. Gossau bleibt wohl immer eine gute Fussballadresse.

    Ich habe die 6 bepreisten Gossauer Projekte studiert. Dabei hätte ich mir vorstellen können, dass 2-3 Projekte weiter zu entwickeln gewesen wären, um ein endgültiges Urteil bilden zu können. Denn alle Projekte haben Mängel, sowohl baulicher Art, wie auch betrieblicher (Verbandsvorgaben), sind zudem in der Aussenwirkung sehr unterschiedlich. Nun, die Jury hat entschieden. Basta. Beim 1. Preis handelt es sich um eine Anlage, die, in der Erstellung günstig, wie auch im Unterhalt gering belastend, die besten Noten bekam. Die Fachjury muss es wissen. Und was Hafetschutter bemängelt (“Stil wirkt etwas kalt” – über Ästhetik kann man streiten) ist auch mindestens materialtechnisch der Jury aufgefallen. Es sei zu korrigieren. Auch die vorgehängten Tribünenstufenelemente “gingen (erstaunlich) technisch so nicht!”, usw. Gut, hat man eine Jury! Solche Einwände sind jedoch normal. Daher die Bezeichnung “Projekt. Viel Glück.

    Und “z’Chrüzlinge”? Es gibt dazu einen prägnanten Satz auf französisch: “c’est le provisoire qui dure”. Ungefähr: Die Dauer einer Angelegenheit hängt nicht immer vom Menschlichen Willen ab. Man kann oft beobachten, dass die als Provisorium angedachten Dinge sehr dauerhaft sind…..! Und so kommt die gut gemeinte Garderobe, ans Clubheim gestellt, ins Blickfeld. Wobei anzumerken wäre, dass ja bereits das Clubheim als Provisorium gilt. Es handelt sich hier am Hafen somit um ein Doppel-Provisorium – wenn es so was gibt. Nun, irgend jemand hat sich da ohne Zweifel schon etwas gedacht. Vielleicht aus einer Not heraus. Und kurzfristig mag es ja sogar zweckentsprechend sein. Aber dass damit in den nächsten 12-15 Jahren für den Fussballsport, wie in anderen vergleichbaren Städten, eine neue Aussensportnlage entsteht, die der Stadt angemessen wäre, kann man getrost vergessen.

    Dabei schein mir das Problem nicht mal fussballzentriert zu sein. Die Frage, wie es auf Klein Venedig weiter gehen soll, was geplant ist- was weg soll – was bleiben kann, usw., betrifft das gesamte Areal mit seinen Sportangeboten. Dies zu entscheiden, obliegt allein der Stadt. Nur ein Entscheid “Pro Fussball” könnte für den FCK einen positiven Aufbruch einleiten, um Investitionen bereits in Richtung einer definitiven Anlage sehen zu können. Ohne einen mutigen Entscheid zu “Klein Venedig” geht nichts vorwärts, was Zukunft haben kann.

    Und Seezelg? Selbstverständlich kann man dort “Fussballwiesen” planen. Sogar Kunstrasenfelder. Aber für ein Hauptspielfeld, dem man “Stadion” sagen könnte – dafür reichen die räumlichen Verhältniss nicht aus, da in dieser Ecke verschiedene Begehrlichkeiten von Sport und Freizeit zu berücksichtigen waren und die einstmal für Fussball vorgesehene Fläche entsprechend schrumpfte.

    Quo vadis Fussball Kreuzlingen? Sicher ist nur, dass 2020 in der Stadt weiterhin Fussballsport betrieben wird – von jung bis alt. Und sich Zuschauer darauf freuen. Das ist die gute Seite. Schöne Weihnachten!

  2. Nachtrag für Tribünenfreaks: (Internet) “Stadt Gossau – 13.Dez./”Hegi” – Jurybericht als pdf (ganz unten)”. Und los gehts – zu träumen.

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