Aufgebot von 1948

Ein weiteres Fundstück für die Kreuzlinger Kiste erreichte mich.

Aufgeboten wird ein Toni Schanz aus der Traubengasse in Kreuzlingen zum Wettspiel FC Wil I gegen den FC Kreuzlingen II vom 28. November 1948.

Abfahrt per Autocar ab dem Restaurant St. Gallerhof in Kreuzlingen. Umkleidelokal war das Restaurant Lindengut. Die Verbindung Fussball und Beiz war zu dieser Zeit scheinbar eine enge.

Sucht man heute nach dem Restaurant Lindengut findet man folgende Anekdote: “In den 40- und 50er-Jahren duschten die Fussballer der 2. Wiler Mannschaft jeweils im “Lindengut”. Allerdings benutzten sie dazu die gleiche “Spritzdusche”, mit der die Pferde und Schweine gewaschen wurden. Man war zufrieden, überhaupt duschen zu können!”.

Spannend das die Kreuzlinger Reserve auf das Fanionteam des FC Wil traf, heute haben sich die Kräfteverhältnis mehr als deutlich gedreht. Die Grenzstädter spielten in grün-schwarz und noch spannender, jeder Spieler scheint mit einer solchen Postkarte zum Spiel persönlich aufgeboten worden zu sein. Der damalige Fussballsekretär verbrachte wohl manche Stunde an der Schreibmaschine bis jeder Spieler der 1., 2. und 3. Mannschaft wusste wo er wann hin sollte.

Ein Dank gebührt dem Finder: Michel L. welcher die Karte für 1 Franken ersteigerte.

“Werdet Rundspruchhörer”:

1 Comment

  1. Es ist schon so: Während zum Beispiel in Deutschland jeder noch so kleine Landverein seit jeher ans Spielfel stolz ein kleines Clubhaus mit Umkleidemöglichkeiten und kleiner Vereinsgaststätte stellte – wenn zuerst auch zum Teil in einfachster Ausführung -, griff diese Vereinskultur in der Schweiz erst viel später da und dort um sich. Es mag mit einer “schlichten Zufriedenheit oder Sparsamkeit” im Zusammenhang stehen, der man in der Schweiz noch heute in vielen charmanten Bezügen begegnen kann. Vielleicht auch an die Möglichkeit, damit eine lokale Gaststätte etwas zu unterstützen.

    Und so waren wir denn mit dem FCK öfters in Gasthäuser “untergebracht”. Das hatte den Vorteil, dass man nach dem duschen nur eine Etage höher – die Umkleide lag meistens unter der Erde – unmittelbar zum gemütlichen Teil übergehen konnte. Ob Sieg oder Niederlage war egal – mindestens bei den Senioren. Hauptsache war, sich keine neuen orthopädischen Probleme eingehandelt zu haben. Dann war die Fussballwelt in Ordnung.

    In Kreuzlingen ist interessant, dass sowohl für den damals noch bestehenden Platz an der Konstanzerstrasse, als auch später für den Hafenplatz, zwischen der “Umkleidegaststätte” St. Gallerhof, resp. Gastätte an der Wiesenstrasse, sowie dem Spielfeld, eine Bahnlinie lag. Oft waren die Schranken ausgerechnet dann geschlossen, wenn in 10 Minuten das Spiel zu beginnen hatte. Und so profitierte man denn im Schrankenfall an der Konstanzerstrasse von einer Gleisunterführung, am Hafen von der noch immer bestehenden Überführung. Man nahm das Treppenlaufen gar als muskuläres Aufwärmtraining wahr.

    Die gegenwärtigen Bemühungen des FCK, neben das provisorische Clubhaus einen provisorischen Umkleidetrakt gestellt zu bekommen zeigt auf, dass sich eine “abgerundete Platzkultur” in Kreuzlingen noch immer nicht als “normal” etabliert hat. Immerhin klappte es im Döbli bei der AS Calcio. Und besonders Tägerwilen rangiert deutlich vor dem traditionellen Stadtclub FCK – bei aller zu lobenden Anstrengung seitens der Verantwortlichen um Verbesserungen. Die latenten städtischen Vertröstungs- und Verschiebungstendenzen werden noch, wie es scheint, lange andauern. Die grundsätzliche Problemstellung ist längst bekannt. Man könnte Goethe, Faust 1, wiedermal zitieren – also das mit der “Botschaft” und dem “Glauben”……..

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Previous Story

Kicker in Konstanz

Next Story

Wappenzwilling: SC Retz

Latest from Kreuzlinger Kiste