Ein Fussballtor aus der Urzeit?

Nach meinen bisherigen Erkenntnissen spielte der FC Kreuzlingen im Sommer 1905 auf dem alten Viehmarktplatz, von 1905 bis 1907 an der Sonnenstrasse, von 1907 bis 1917 an der Bahnhofstrasse bei der alten Post und von 1917 bis 1925 im Seegarten.

Wirkliche Fussballplätze im heutigen Sinne werden zumindest die ersten nicht gewesen sein. Ein paar Holzpfosten, eine mehr oder weniger ebene Fläche, etwas Sägemehl und Fertig.

Nun diese Postkarte von 1907. Ist darauf ein Fussballtor zu sehen? Eine Loch Ness – Sichtung aus der FCK-Urzeit?

Ganz hinten entdecke ich die alte Seebadi. Kann ein Leser bei der Identifizierung der Häuser helfen?

Hier nochmals zum heranzoomen:

7 Comments

  1. Sali Hafetschutter! Ich hoffe, ich kann zur Frage etwas beitragen. Die Abbildung – gezoomt! – zeigt ja tatsächlich, etwas verschwommen, ein Tor. Und davor, in hell, einen typisch strapazierten Torraum.

    Die heutige Pestalozzistrasse, die im Vordergrund von links nach rechts zum heutigen Hafenbahnhof verläuft, hiess früher tatsächlich “Bahnhofstrasse”. Also würde es sich hier um das Fussball-Spielfeld von 1907-1917 handeln.

    Von den Häusern an der Pestalozzistrasse kann ich bis dato vier ausmachen: Das grösste rechts (Pestalozzistrasse 9) ist eine Grundschule, früher ein Sekundarschulgebäude. Links daneben (11) steht das markante zweistöckige Holzhaus im “Heimatstil”. Schräg links gegenüber, an der Ecke Pestalozzi-/Schulstrasse, das Haus Schäffeler (14), und ganz vorne links, wieder auf der anderen Strassenseite, dürfte mit der Nr. 15 das heutige Schulpräsidium sein.

    Das mit der alten Seebadi (sie wäre heute “Kult”!) kommt mir hingegen spanisch vor. Die Pestalozzistrasse trifft ja unten direkt auf den Kreisel an der Seetalstrasse. Und dann geht es schnurstracks runter zum Hafengelände. Am äussersten Zipfel war der Beginn des Steegs zur Badi. Und das müsste mehr rechts sein – vielleicht gar nicht mehr sichtbar. Andererseits ist zu berücksichtigen, dass es bei Klein Venedig, so wie wir es heute kennen, damals noch nicht gab. Die “Auffülleritis” – dort, wo heute das FCK-Gelände ist -, war ein Nachkriegsereignis gewesen. Hier stand die Badi nicht. Oder es war eine andere. Oder der Fotograf hat geschummelt….

    Die Kreuzlinger Badi wurde übrigen in einer Biografie von Franziska Gräfin zu Reventlow, einer um 1900 bekannten Bohemienne (Schriftstellerin, Malerin) aus der Münchner Kunstszene durch ein Fluchereignisses literarisch verewigt (“….und dann legte ich mich in die Riemen, direkt auf die Kreuzlingetr Badeanstalt zu”).

  2. Nachtrag: Es war, zur Entschuldigung, kein “Fluch-“, sondern ein “Flucht-Ereignis” am See. Geflucht haben vielleicht Grenzer! Und “Kreuzlingetr” heisst “Kreuzlingen”. Wie das K beim FCK.

  3. Das sind ja erhellende und mich sehr erfreuende Erkenntnisse!
    Ich konnte das “Tor” nicht mit meinen Strassenangaben zusammenbringen und war der Annahme, dass damals an der heutigen Bahnhofstrasse gespielt wurde. Nun also des Rätsels Lösung, die heutige Pestalozzistrasse hiess damals Bahnhofstrasse, wunderbar!
    Ich meine auch helle Rasenabschnitte zu erkennen, die als Aussenbegrenzungen des Platzes Sinn machen würden.
    Damit ist diese Postkarte von 1907 mit grosser Wahrscheinlichkeit das erste fotografische Zeugnis von Fussball in Kreuzlingen.

  4. Der heutige Bahnhof Kreuzlingen-Hafen hiess früher “Kreuzlingen”. Der Bahnhof an der heutigen Bahnhofstrasse hiess damals “Emmishofen”. Nur für die Boys Bernrain blieb der Bahhof Bernrain immer “Bernrain”- nehme ich mal an!

  5. Sowohl dem Hafetschutter als auch Bruno Neidhart spreche ich ein riesengrosses Lob aus. Dem Einen fürs Finden und Publizieren dieser tollen Postkarte und dem Andern fürs Lokalisieren und Erklären. Die Postkarte sowie die entsprechenden Ausführungen sind einfach toll und, wie ich finde, äusserst wertvoll; insb. im stadthistorischen Kontext (wenn dies nur auch die Stadt selber begreifen würde). Auch wenn es sich bei den Ultras der Boys Bernrain natürlich ausnahmslos um ganz wilde Kerle handelt, verfügen einige von ihnen über einen Universitätsabschluss (wenn auch nicht als Historiker) und würden natürlich nie zugeben, dass Brunos Hypothese bezüglich des Bahnhofs Bernrain voll ins Schwarze trifft. Obwohl der Bahnhof Bernrain wohl nicht dazugehören würde (ich weiss es nicht), hoffen nicht nur die Boys Bernrain, dass sich der Traum von einem Stadtplan mit historisch wichtigen FCK-Örtlichkeiten sowie dazugehörenden Beschreibungen vielleicht irgendwann erfüllen wird. Die “FCKarte” oder so… Ich geb’s zu, bezüglich des Names besteht noch Luft nach oben. Ansonsten wünsche ich allen Lesern eine gute Zeit, haltet durch und wir sehen uns an den Spielen!

  6. Womöglich hat man damals den Bahnhof Bernrain auch für die Universitären unter den Bernrainern gebaut, damit sie rascher zur ETH oder so kommen. Heute könnten sie vom Hafenbahnhof zur HSG nach St. Gallen. Oder mit dem Fahrrad kurz über die Grenze zur Uni (Würde mindestens für den Rückweg ein Pedelec empfehlen!).

    Im Übrigen ist Bernrain, geografisch noch etwas weiter oben “als sein wohl baldiger UNESCO-Kulturerbe-Bahnhof” (!) – unabänderlich auch mit dem FCK verbunden. Es ging so: Um 1965-70 herum pflegten die Senioren und Alten Herren des Clubs ihre Gefühlslage zum Jahresende (z.Tl. mit Anhang). Man traf sich dazu abends (Regie Max K.) am Waldrand, oben bei der Kapelle, und wartete auf ein weihnächtliches Trompetensolo aus Richtung Wildsauenhütte (Solist Stüssi, Tägerwilen). Furchtlos marschierten wackere Altkicker in den dunklen Wald, um den angekündigten strahlenden Weihnachtbaum zu suchen und zu finden. Nach 2-3 Weihnachtsliedern, warmem Getränk, sowie dem Verteilen kleiner Geschenksäcklein (Jute mit FCK-Logo), ging es wieder hinunter zur Stadt. Zum Beispiel zur damals erst Insidern bekannten Gastwirtin/Köchin R.Tsch. an der Hauptstrasse. Polizeistunde? – na ja. Es war eine andere Zeit! Nachts um 1-2 konnten schon mal noch feine Hähnchen bruzzeln – ein Stapo als Schiedsrichter: “Aber nachhär höreder uf”. Es war eben Weihnachtszeit. Und die tüchtige Heilsarmee (Guitarre, Gesang) wurde durch die FCK-lern ja jeweils auch immer feudal bedient. Also grosser Friede allerseits.

    Nachsatz: Es mag sogar sein, dass damit die FCK-Altkicker weltweit zu den ersten fussballaffinen Weihnachtssingern gehörten. Heute bevölkern Tausende grosse Stadien. Ein besonderer Antreiber ist bekanntlich Union Berlin. Hier sind es dann 30’000 – singend mit Kerzen in der Hand! Hat was.

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