Tolles Format – Schlechter Fussball

Was für ein schöner Turnierrahmen! Im idyllisch gelegenen Pfullendorfer Waldstadion liess es sich beim 1. Admiralbet-Cup aushalten. 5 Stunden Amateurfussball non-stop. Dazwischen ein Wurst-Käse-Salat im Stadionrestaurant? oder lieber eine Curry-Wurst mit Pommes auf der Terrasse mit Blick aufs Spielfeld? Auf der überdachten Tribüne von der Sonne geschützt sein oder lieber ein wenig 1980er-Jahre-Bundesliga-Feeling auf den Stehplätzen der Gegengeraden geniessen?

Die Corona-Auflage gab maximal 500 Anwesende frei. 250 davon nahmen die vier Teams samt Betreuern und Turnierhelfern ein. Blieben noch 250 freie Karten und das entsprach – über den ganzen Nachmittag verteilt – in etwa auch dem Publikumsbedürfnis.

Sportlich konnte der 1. Admiralbet-Cup in Pfullendorf die Erwartungen in keiner Weise erfüllen. Der im Vorfeld als Turnierfavorit gehandelte Freiburger FC trat aufgrund seines Pokalspiels am Vortag gegen den Bahlinger SC mit einer besseren (?) 2. Mannschaft an. So mutierte der Deutschen Meister von 1907 und aktuelle Oberligist enttäuschenderweise von der stärksten zur schwächsten Mannschaft des Turniers. Nicht schön für die wenigen Interessierten, die sich ernsthaft an den Vergleichen bei so einem Turnier freuen. “Gibts halt bei einem Amateurturnier, was solls” hör ich schon jemand rufen. Die Veranstalter möchten aber (lobenswerterweise) ein höherklassiges Amateurturnier bieten, kündigen es entsprechend an,  locken damit ein (kleines, aber interessiertes) Publikum an und verlangen Eintritt. Da möchte man halt keinen FFC 2 sehen.

Das der im Vorfeld als klar schwächster Teilnehmer gehandelte FC 09 Überlingen gewann, war dann bezeichnend (auch wenn ich mich für meinen Bekannten Beni freue). Wahrscheinlich war der Wille bei Ihnen einfach am grössten.

Und der FC Kreuzlingen? Im Halbfinale traf er auf einen konsequent auftretenden SC Pfullendorf, welcher auch über ein paar talentierte Spieler verfügte. Das Spiel gestaltete sich ausgeglichen, mit leichten Vorteilen für den FC Kreuzlingen. Das einzige Tor schoss aber der Gastgeber per Freistoss. Im Spiel um Platz 3 folgte ein 3:1-Sieg gegen schwache Freiburger. Sportlich lohnen sich Spiele gegen Schweizer 1.-Ligisten sicherlich mehr, muss ich als Fan solcher internationen Turniere einem anwesenden Reporter leider zustimmen. Wars vielleicht auch einfach die Hitze? Möglich.

Sportlich bekam man in sämtlichen Partien also magere Kost geboten, den erhofften Spitzen-Amateurfussball suchte man vergebens, dafür ganz viel zusammenhangloses Gekicke. Das Turnierformat bewährte sich aber. Für jeden zwei Spiele à 2 mal 30 Minuten, eine gute Idee im Hochsommer. Das Blitzturnier war inklusive Siegerehrung kompakt in gut 5 Stunden abgeschlossen. Für Spieler und Zuschauer einiges angenehmer und spannender als Turniere welche sich über mehrere Tage ziehen.

Das ganze Turnier wurde vom SC Pfullendorf live auf Youtube übertragen (wie sie es bei allen SCP-Spielen machen!) und kann auch im Nachgang angesehen werden. Ein schöner Mehrwert. Einzige Kritik, gebt dem Kommentator die Kaderlisten der Mannschaften, dies würde die Info-Qualität um einiges steigern. Ansonsten grosses Kompliment für diesen tollen Service!

Preise: Eintritt 6 Euro (freie Platzwahl), Bier 0,5l 2,60 Euro, Kaffee 1 Euro, Wurst im Brötchen 2,60 Euro. Das kulinarische Angebot bietet zumindest für Fleischesser noch einiges mehr und das SCP-Personal ist überall ausgesprochen gutgelaunt und freundlich! Die Pfullendorfer: “mir sind ned so wie in Villinge, die Schwarzwälder kenned kei Spass!” “so Gäschte wie ihr könned ruhig öfters komme, da mached mir glei direkt bi eu en Stand uf!” (Dialekt nur ungefähr wiedergeben).

Für Fan-Interessierte. Aktive Fans vor Ort: 8x Old Boys Kreuzlingen, 2x Linzgau Dynamits Pfullendorf, 3x Ültras Überlingen. Allesamt mit Zaunfahnen im Gepäck. Einige Schals wechselten nach den Spielen den Besitzer, natürlich freiwillig.

Resultate: Pfullendorf – FCK 1:0, Freiburg – Überlingen 0:2, Platz 3: FCK-Freiburg 3:1, Finale: Pfullendorf – Überlingen 0:0, 2:4 n.E.

Fazit: Das Format stimmt, der Rahmen mit dem idyllischen Waldstadion (Geberit-Arena) und den tollen Verpflegungsmöglichkeiten ist perfekt, die TV-Übertragung ein i-Tüpfelchen, der sportliche Gehalt hat (auch für ein Vorbereitungsturnier) Luft nach oben.

1 Comment

  1. Im Linzgau lässt es sich übrigens auch schön wandern und baden! Wäre vielleicht als Alternative zum sonntäglichen Turnier in Pfullendorf für einmal durchaus geeigneter gewesen (Hafetschutter: “Schlechter Fussball”). Aber es gibt eben auch echte Fans, die es bei brütender Hitze am Spielfeldrand und breiter Verpflegung aushalten. Wobei nachträglich die Bemerkung “Tolles Format” einen bedeutenderen Stellenwert hat, als die tatsächlichen Ereignisse auf dem Stadiongrün bei Hitze und Vorbelastung einzelner Mannschaften. So hatte nicht nur der FC Freiburg vortags ein Pokalspiel zu bestreiten, sondern – wenn ich mich nicht verguckt habe – auch der Platzclub (1:4 auswärts gegen Singen 04!). Nur hatte dieser dann wohl weitere gute Auswechslungseisen im Feuer als der FCF, um so gleich anderstags noch ins Finale des Admiral Cups zu gelangen. Dass dann der FC Überlingen – als scheinbar schwächster Teilnehmer – das Turnier gewann, war nicht ungewöhnlich, wie ich bereits am 17.07. anzudeuten versuchte. Für einmal ein Volltreffer! (Ich hätte bei “Admiral” wetten sollen!).

    Wie dem auch sei: Der FCK scheint sich einigermassen ehrlich aus der Affaire gezogen zu haben und schoss immerhin innerhalb 60 Minuten die meisten Tore in einem Spiel. Und mit Bronce zum Hafen zurückkommen ist nun mal besser als mit leeren Füssen. Ein Lob auch auf die treuen FCK-Fans.

    Solche “Vergleichsturniere über Grenzen und Ligen hinweg” haben schon ihren Reiz. Es geht hier auch um “Freundschaft” (auch zwischen Fans!). Da mögen die Resultate mal etwas zurückstehen. So gesehen sind, wie Hafetschutter andeutet, Spiele etwa gegen CH-Erstligisten sportlich sicher sinnvoller. Sie geben allerdings auch nur dann einen tatsächlichen Vergleich der Spielstärke, wenn der Ligahöhere seine besten Mannen aufbietet und diese sich dann auch so “benehmen”. Und das ist nicht immer der Fall. Hingegen versucht eine scheinbar schwächere Mannschaft alles, um gut zu bestehen.

    “Ligahöhe”: Hafetschutter machte letzthin mit “Challenge League” eine erstaunliche Bemerkung. Sie bezog sich tatsächlich…..auf den FCK! Das ist eine frische Bemerkung in einem Blog, der besonders den Amateurstatus adelt. Nun: Ab einem gewissen Amateur-Niveau müsste heute der Begriff “Amateur” sicher neu umschrieben werden! Die Grenzen sind fliessend. Das weiss Hafetschutter selbstverständlich auch. Und er – der Hafetschutter – weiss auch, welche Schritte notwendig sind/wären, um zu einem “Challenger” zu werden. Gewaltige. Da müssten dann schon alles Voraussetzungen stimmen! Und die begännen schon bei meinem Lieblingsthema: Brauch Kreuzlingen grundsätzlich ein vorzeigbares Outdoore-Sportfeld im Sinn eines vorzeigbaren, multifunktionellen Kleinstadtions, um auf Dauer als Sportstadt bestehen zu können? Dazu habe ich schon grundsätzlich eine eindeutige Meinung……

    Nun, der Aufsteiger aus der Zweithöchsten nach ganz oben, Lausanne-Sports, lese ich, baute auch schon mal zielgerichtet vor mit seinem neuen Stadion (gut 12’000, ziemlich übliche Kastenform) hoch über der Stadt zwischen Flugplatz und Autobahnanschluss. Die alt-ehrwürdige “Pontaise” wird abgeräumt, so wie es weiter unten in Genf auch der “Charmilles” erging. Moderne Zeiten eben. Und hier ist halt Kapital. Eine der Voraussetzungen für solche Aktivitäten, die heute schon in tieferen Ligen beginnen können. Man sollte aber nicht versuchen zu vergleichen, wo keine Vergleiche auch nur im Ansatz festzumachen sind! Aber es gäbe auch viel kleinere kreative Lösungen mit Sinn für ein modernes Stadtganzes.

    Noch ein kleiner Nachtrag am Rande: Ich war mal an einem Eidgenössischen Turnfest in Lausanne beteiligt – tiefe 50er Jahr. Die (mir seltsamen) “Allgemeinen Übungen” hatten nur oben am Flugplatz ihr geeignetes Gelände. Und wenn uns die Extrazüge in den Osten nicht unten vom Güterbahnhof Renens davonfahren sollten, mussten wir also unser ganzes Gepäck nolens volens zum Flugplatz hochtragen, um nach den “Allgemeinen” schnurstracks runter zur SBB/CFF/FFS zu stürzen. Und es fing an zu regnen. Und es hörte nicht auf. Alles klar?

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