Fussballheimat für die Neuzeit

Als Nachschlag zum Thema Infrastruktur und Fussballheimat erlaube ich mir nachfolgenden Leserbrief von Bruno Neidhart an dieser Stelle zu veröffentlichen. Es handelt sich hierbei um die Antwort auf den Artikel in der Kreuzlinger Zeitung.

Das Ganze hat zwei Seiten: Die eine ist, dass dieses Provisorium, das neben ein bereits bestehendes Provisorium gestellt wird (Clubhauspavillon) trotz seines unmittelbaren Nutzens das grundsätzliche Zustandsbild des Traditionsclubs FC Kreuzlingen 1905 nicht verändert. Der Club lebt – schlecht und recht – in einer provisorischen Heimat weiter. Da sich die Stadt noch immer nicht imstande zeigt festzulegen, wo denn in absehbarer Zeit der Club zu spielen hat, ob er auf Klein Venedig bleiben darf oder die Variante Seezelg vorgezogen wird, bleibt eine Unsicherheit, die somit erneut als Provisorium ihren Ausdruck finden muss. Genug der provosorischen Andeutungen!

Um was es im Kern geht: Auch im Fussballsport ist die Neuzeit angebrochen und sollte sich bereits in der Platz-Infrastruktur abbilden. Diese verlangt heute von erfolgreichen Clubs (und solchen, die es werden wollen!), ein ganz anderes Management wie in früheren (erfolgreichen) Zeiten. Die ganze Managementbreite spiegelt sich heute auch in einer Infrastruktur, die sich besonders auf die Ausgestaltung des Zentrum der Aktivitäten bezieht – die Gestaltung des Hauptspielfeldes. Hier sollen alle Bedürfnisse angesprochen und möglichst verwirklicht werden: Zum Beispiel Umkleidekabinen, Trainerkabinen, Schiedsrichterkabinen M/F, Sanitäts-, Material-, Technikraum, usw., – bis hin zum Clubrestaurant, Fanshop und der Verpflegungseinrichtung. Dazu kommen Räume für Platzsprecher, Medien, Reporter, Kamera. Eine besondere Sorgfalt gilt der Gestaltung eines guten Rahmens für Sponsoren, Offiziellen, Gästen, VIP’s, usw. Und nicht zuletzt ein Clubsekretariat mit Konferenzraum macht einen modernen Club aus.

Nun könnte es einem vielleicht schwindelig werden ob der Vielfältigkeit, die hier für einen Sportclub anzeigt wird. In der Tat kann ein solches Konstrukt nur auf der Basis einer rationalen architektonischen Lösung kreativer Architekten gefallen und letztlich als bezahlbar realisierbar vorgezeigt werden. Und selbstverständlich kann auch in infrastrukturell-minimalistischer provisorischer Art „getschuttet“ werden. Das ist nicht die Frage. Die Frage ist, ob es dann auch zukünftig noch zu einer sich neben Bildungs-, auch als Sportstadt definierenden Stadt passt.

Ohne zu sehr auf die erfolgreichste FCK-Vergangenheit einzugehen (s. dazu Blog „Hafetschutter“), die an der unteren Konstanzerstrasse in den (kurzen) 30er Jahren an Spieltagen jeweils bis zu 4-5000 Interessierte zu bewegen vermochte, die den auch als „Grenzlandstadion“ benannten Spielplatz aufsuchten, ist heute sicher eine andere Situation. Weitere Sportarten haben sich nach vorne gedrängt und begeistern. Doch zeigt gerade die jüngste Entwicklung in Kreuzlingen, dass durch erfolgreiche Fussballclubs wieder eine Basis gelegt ist, die sich durch ein stärkeres Zuschauerinteresse auszeichnet. Und für diese Kategorie Sportinteressierter sind bei einer outdoor-Sportart gute Bedingungen zu schaffen. Ohne einen gewissen Komfort ist heutzutage kaum ein breiter Besuch quer durch die Gesellschaft zu erwarten. Bei Regen sowieso nicht – ist eine andere, ungelöste Geschichte……

Die Annahme, man könnte mit einer immerhin 800’000er Investition gleich den Grundstock für eine Investition in die Zukunft legen ist aktuell von der Stadt nicht zu erbringen, da sie mit Klein Venedig und Seezelg als mögliche Spielorte zwei Pfeile im Köcher zu haben erwähnt. Wer wann, wie und wohin den endgültigen Pfeil abschiesst, bleibt nach wie vor im Vagen. Was andere Städte in nächster Zeit vorhaben, eine neue Infrastruktur (Chur, Gossau), ist nicht vergleichbar, da sie die Spielplatz-Standortfrage lösten. In Kreuzlingen hängt sie nach wie vor in der Luft. So gesehen kommt der Stadt ein weiteres Provisorium sogar zu Recht, muss doch „eines Tags“ eventuell nicht zuviel abgerissen werden.

Bruno Neidhart

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