Die Kreuzlinger Fussballkarte

In der Winterpause veröffentliche ich im Hafetschutter-Blog mehrere bisher nur im ausverkauften Grenzstadtkurier Nr. 12 herausgegebene Beiträge.

Den Anfang macht meine Kreuzlinger Fussballkarte. Hier sind alle Örtlichkeiten der Kreuzlinger Fussballgeschichte eingetragen.

Nebst den Plätzen finden sich auch zahlreiche Beizen, welche von FCK’lern mit grosser Regelmässigkeit aufgesucht wurden. Dazu Umziehlokale, Hotels in denen auswärtige Spieler untergebracht wurden, aussergewöhnliche Sponsoren und andere spezielle Orte.

Dank der Mithilfe von FCK-Veteranen konnte eine recht vollständige Karte abgebildet werden, hier wurde der FCK in den vergangenen 115 Jahren in der Stadt gelebt! Die Beizen-Dichte mag überraschen, Fussball war speziell in alten Zeiten eine gesellige Sache!

Nebenbei finden sich auch die Zuschauer-Platzrekorde. Wer hätte gedacht, dass ein Spiel von 15-jährigen Nachwuchskickern die grösste Zuschauermenge anlockte?  Die Erstellung der Karte glich oft einer Detektiv-Suche, ein Zeitreisender von 1920 würde sich kaum noch zurecht finden.

Durch manche ehemalige Fussballplätze führen heute Strassen. Wohnblöcke wurden auf ihnen errichtet. Und wo früher das Tor im Grenzland-Stadion stand, steht heute eine Kinderschaukel und eine Teppichstange. Der Fussball wird heute von der Stadtmitte an die Ränder gedrängt. Fussball ist immer auch Stadt- und Sozialgeschichte.

Einen Fehler gefunden oder Ergänzungen? Gerne an hafetschutter@e.mail.ch.

Viel Spass beim stöbern, staunen und schmunzeln.

 

1 Comment

  1. Bei früheren Topo- und Kartografen hatten Fussballterrains schlechte Karten. Die Plätze blieben unsichtbar. Umso erstaunlicher, wie Hafetschutter rekonstruieren konnte, was wann und wo fussballerisch in Kreuzlingen abging. Noch ist nicht alles absolut geklärt, doch ein wesentliches Bild zeichnet sich jetzt schon ab. Danke!

    Nun war es ja nicht unbedingt die Aufgabe der berühmten frühen Schweizer Kartengestalter Henri Dufour und Hermann Siegfried – Dufourkarte/Siegsfriedkarte – zu zeigen, wo denn der anfänglich bespottete Sport aus England auch in der Schweiz “Fuss fasste”. Es ging ihnen vorerst um Strassen, Wege, Häuser, Höhen, Tiefen, usw., – um Handfesteres. Da hätte der Platzwart noch so viel Sägemehl auf seine Linien häufen können: die Aktion wäre unerkannt geblieben. Letztlich waren auf der Karte bildlich einfach Lücken zwischen Häusern und Strassen vorhanden. Und die Karten hatten nicht zuletzt ja auch einen stark militärischen Aspekt. Ob sich deswegen Turnplätze abzeichneten, glaube ich trotzdem eher nicht, obwohl sich die aufkommende Turnerei (nach “Turnvater Jahn”) damals auch als militärische Vorübung definierte. Dieser Vorstellung entzog sich der Fussball von Beginn an.

    Bei Dufour war die Fussballplatz-Abstinenz insofern verständlich, als sein Wirken noch vor 1860 einen Höhepunkt erreichte, somit vor der Zeit, in der in CH bereits einige mit den Füssen auf einen Lederball einschlugen – wie berichtet wird. Dufour, der spätere “Erste General der Schweiz”, wurde übrigens an der Wessenbergstrasse in der Kreuzlinger Nachbarstadt Konstanz geboren (Schild an Haus Nr.14)!

    Bei seinem Nachfolger Siegfried, der in Dufours Büro arbeitete, liegen die Dinge etwas anders. Einerseits wurde er “nur Generalstabschef”, und da er erst 1879 starb, musste er von der aufkommenden eidgenössischen Fussballszenerie schon etwas mitbekommen haben. Der älteste noch existierende Club der Schweiz, der FC St.Gallen, wurde ja bereits 1879 gegründet. Aber womöglich zeichnete sich der Fussballsport und seine Anlagen topo- und kartografisch gesehen weiterhin nur undeutlich ab. Einfache Sägemehllinien auf einer möglichst flachen Wiese waren noch immer das Mass aller Dinge. Heute dürfte den beiden Kartenmachern der “Stadtsanktgallische Fussfallkübel, eingezwängt zwischen Autobahn und Nationalstrasse” wohl nicht entgehen.

    (Kleine Nachnotiz: Kennt jemand das ehemalige Fussballfeld in der Nähe des “Grödeli”? Hatte es eine Relevanz zum FCK? Oder war es nur eine allgemeine Spielwiese und ggf. für Firmenfussball angelegt?)

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