Fast wär der Coup gelungen…

Die Ausgangslage: Der FCK musste bei United Zürich gewinnen, der FC Uzwil durfte zeitgleich bei Bassersdorf nicht gewinnen, dann, ja dann wäre der FCK in die 1. Liga aufgestiegen.

Für Hochspannung war also gesorgt, spätestens als alles für den FC Kreuzlingen lief. Der FCK ging erwartungsgemäss in Führung und uns erreichte die frohe Kunde vom Führungstreffer der Bassersdorfer. Lag an diesem Nachmittag eine Sensation drin?  Im Tagblatt-Liveticker schrieb man bereits vom sich anbahnenden Uzwiler Waterloo und den Kreuzlinger Fans wurde eine Verlagerung von der Buchlern an den Bassersdorfer Fussballplatz empfohlen.

Es hatte sich, wie es Gregory vom Sportantiquariat augenzwinkernd aussprach, dass “dreckige Dutzend” hinter den FCK-Fahnen versammelt. Auch Markus vom L.C.M.S (Singen 04) war mal wieder dabei, danke für die Fotos! Überhaupt, vom Trikotträger aus dem Raum Rapperswil bis zum Casual-Style aus München 😉 die kleinste Fankurve der Schweiz.

Bei United lief alles wie erwartet, den Zürchern ging nach 20 Minuten die Luft aus und die Grün-Weissen schalteten und walteten wie sie wollten. Es reihte sich Tor an Tor bis es schliesslich 0:8 stand. Man muss wohl weit in der Kreuzlinger Pflichtspielhistorie zurückblättern, um einen so hohen Sieg zu finden.

Spätestens nach dem Kreuzlinger 2:0 und dem 1:0 für Bassersdorf schielten die Kreuzlinger Anhänger mit bangem Blick aufs Handy, beziehungsweise lauschten den Nebenleuten mit einem Draht nach Bassersdorf. 40 Minuten stand der FC Kreuzlingen in der 1. Liga. In der 52. und 69. Minuten fielen die Treffer für die Toggenburger, Uzwil kehrte das Spiel. Zehn Minuten länger ging die Partie in Bassersdorf, zehn Minuten in denen man nach Spielende auf der Buchlern auf ein Wunder in Bassersdorf hoffte. Dann wars vorbei, Kreuzlingen bleibt in der 2. Liga Interregional, Uzwil steigt in die 1. Liga auf.

Nach 37-jähriger Abstinenz kehrt der FC Uzwil in die 1. Liga zurück. Zuletzt spielten die Toggenburger dort von 1979-1984, der heutige Trainer und Sportchef Armando Müller war damals Spieler. Damals verfolgten bis zu 2’600 Zuschauer die Aufstiegspartien. Von dieser Zuschauereuphorie ist in Uzwil, Kreuzlingen und allen anderen Orten des höherklassigen Amateurfussballs leider nicht mehr viel übrig geblieben. Die Gründe sind vielschichtig. Es spräche gerade derzeit vieles für eine Rückkehr der Fussballinteressierten zu ihrem Stadt- und Dorfverein. “Mainstream” wird der Besuch des lokalen Vereins wohl nie wieder werden, aber vielleicht entsteht in manchen Kreisen ein neues Interesse am regionalen Fussball.

Die Fussballanlage Buchlern bietet eine überdachte Tribüne, eine schöne Aussicht Richtung Limmat und einen vom FC Altstetten betriebenen Kiosk. Sehr freundlich das Personal des FC Altstetten, Bier (Feldschlösschen, Turbinenbräu, Quöllfrisch) wurde uns mehrmals an den Platz gebracht und es ergaben sich nette Gespräche. Die Geschichten des FC Kreuzlingen und des FC Altstetten in den 1990ern und 2000ern weisen einige Parallelen auf. Lange Zeit in der 1. Liga, viele Zuschauer, viele Sponsoren, am Aufstieg in die Nationalliga B geschnuppert, aber auch viele auswärtige Spieler mit hohen Salären. Der schleichende Absprung von Sponsoren, Abstiege, beide Vereine kurz vor dem Konkurs. Nur ging es bei Altstetten noch viel tiefer runter, bis in die 3. Liga, heute spielt man in der 2. Liga. Von Zürichs Nummer drei, dem “Stolz des Kreises 9” bis zur Nummer drei des Quartiers. Ein alter Altstetter gesellte sich zu uns: “früener hett ois es Autohuus 80’000 pro Saison zahlt, als Gegeleistig hend FCA-Lüüt ihm Autos abkauft, irgendwenn hemer die Chäre nüme chaufe chöne, denn hett er all weniger zahlt!”. Nur eine von mehreren Anekdoten. Vereine wie Altstetten und Kreuzlingen kämpfen noch 20 Jahre später mit einem Ruf der gar nicht mehr zur aktuellen Situation passt. Vielleicht ist die jetzige Zeit für Vereine wie Kreuzlingen oder Altstetten auch eine Chance, vielleicht für den Amateurfussball allgemein. Ich finde das ein grosser Aufwand und gezeigte Leistung auch (finanziell) belohnt werden sollten, doch auf einem gesunden Level. Die Schwierigkeit, wie könnte man das begrenzen und kontrollieren um nicht in eine ungesunde finanzielle Schieflage oder ins sportliche Niemandsland zu geraten? Eine Frage die bereits in den 1930er-Jahren die vermeintlichen Amateurvereine umtrieb.

Zurück zum FC Kreuzlingen. 28 Punkte aus den letzten 10 Spielen, eine hervorragende Leistung. Nach dem 0:4 im Eröffnungsspiel gegen Amriswil zeigte der FCK in Uzwil eine sehr passive Leistung, vielleicht aber durch das 0:4 im ersten Spiel erklärbar. Man legte Wert auf die Defensive – und verlor gegen Uzwil mit 1:0, über dieses Spiel scheiden sich noch heute die Geister, war es die schlechteste Partie des FCK oder einfach die defensivste? Wer hätte gedacht, dass die Spitzenspiele damit bereits gespielt waren? Danach war der FC Kreuzlingen fast jedem Gegner überlegen und fuhr seine 28 Punkte in beeindruckender Weise ein. So reichte es immerhin für den 2. Platz und der FC Kreuzlingen stellt wie schon seit über 20 Jahren die beste 1. Mannschaft aller rund 30 Thurgauer Vereine (die Sirnach-Eintagsfliege einmal ausgenommen). Wäre die Rückrunde gespielt worden, ich hätte eher auf den FC Kreuzlingen oder auf den FC Amriswil als Aufsteiger gewettet – und trotzdem, die Wertung der Saison nach der Vorrunde war ein richtiger Entscheid des Verbandes. Es hat mit dieser 1. Mannschaft erneut grossen Spass gemacht, danke an Kürsat, sein Team und seine Spieler. Der Trainer seit Jahren dabei, die Spieler ebenfalls, die neue Saison kann man sehr optimistisch angehen.

Die Old Boys werden auch in der neuen Saison “eine Plattform bieten wo man eine angenehme Zeit beim Fussball verbringen kann”, ich glaube das bringen wir bereits ganz gut hin – und ihr wisst ja “eines Tages spielen wir in der Challenge League!”.

4 Comments

  1. Lieber Daniel
    Ich möchte mich bei Dir ganz herzlich bedanken für Deine Leidenschaft für den FCK und die wunderbaren Spielberichte, die ich seit Jahren mit vollem Genuss lese. Es ist ein wahres Vergnügen, ein in der Fussballberichterstattung seltenes literarisches Feuerwerk, dass Du da jedesmal hinzauberst. Seit meinem ersten Match im Hafenareal irgendwann in den Siebzigerjahren hat mich der FCK nicht mehr losgelassen. Damals verloren wir 3:2 gegen den FC Wil und dies trotz 2:0 Pausenführung. Als Sitzplatz diente dabei die frisch betonierte Stehrampe der sich im Bau befindenden Eishockeyhalle. Noch heute fahre ich gelegentlich 1 Stunde um mir ein Spiel des FC im Hafenareal anzuschauen. Eine Bratwurst darf dabei nie fehlen.
    Mach weiter so. LG Harry

    • Lieber Harry
      Vielen Dank, freut mich sehr! Spannend mit der Stehrampe. Die stillen Beobachter, welche teils seit Jahrzehnten die Geschicke eines Vereines verfolgen, waren mir schon immer sympathisch. Manche aus der Ferne, manche im Hafenareal. Im Profi-Fussball findet man sie oft mit Sitzplatz auf der Gegengeraden. Im Amateurfussball etwas abseits mit Bratwurst, Bier und Matchprogramm. Die Aufstellungen sind ihnen manchmal besser bekannt als manchem regelmässigem Besucher. Ich wünsche eine kurzweilige Sommerpause. Viele Grüsse, Daniel

  2. Ein hervor-, jedoch nicht ganz herausragendes FCK-Schlussergebnis. Zu einem “heraus-” war leider der Beginn der Meisterschaft wenig geglückt – sagen wir mal. Und die nachträgliche tolle Aufhohljagt reichte nicht aus, um dem letztlich nur kurz etwas unsicheren FC Uzwil noch zu bodigen. Und so ist denn den Spielern von der Henauer Rüti, dem ganzen Club, herzlich zum Aufstieg in die 1. Liga zu gratulieren!

    Der FCK ist Vizemeister. Immerhin! Punktgleich errungen durch die niedrigere (Verbands-) Strafpunktzahl gegenüber dem FC Amriswil. Somit rundum ein weiteres, sehr gutes FCK-Ergebnis. Man darf den Spielern/dem Trainer und allen Verantwortlichen des Clubs für 20/21 ebenso gratulieren.

    Und dennoch stellt sich wiedermal die Frage, wohin es mit dem FCK gehen soll. Oder etwas breiter gefasst: Was ist eigentlich mit “Fusball Thurgau” los? Zwar hinken auch im Tschutten alle Vergleiche. Doch fällt schon auf, dass der Thurgau neben seinem Nachbarkanton St. Gallen stark abfällt, nimmt man nur die Ligazugehörigkeit ins Visier. Wenn ich recht gezählt habe, so sind im St. Gallischen 6 Clubs in höheren Ligen aktiv. Von oben gezählt in der 1, 2, 3, 4.-Liga. Erst dann folgen die beiden Kreuzlinger Vereine FCK und ASC, FC Amriswil – und erfreulich wieder – der FC Frauenfeld, alle in der 5. CH-Liga, der 2. Inter, Gruppe 6.

    Nun wäre einzuwenden, dass der Kanton St. Gallen fast doppelt soviel Einwohner hat, wie der Thurgau. Und dass der Kantonshauptort im Fussball bereits sehr lange federführend anspornt (durch den FC St.Gallen 1879). Dies würde vielleicht darauf hindeuten, dass es auch mal im Thurgau 1-2 Clubs geben sollte, die durch ihre besonderen Leistungen weitere Clubs animieren könnten.

    So einfach ist die Sache wohl doch wieder nicht. Die Erfahrung zeigt, dass es oft an ganz wenigen Personen liegt – manchmal nur an einer (oder einer Gemeinde)!, die im Clubfussball ein höheres Ziel setzen möchten. Die Gründe müssen nicht mal ausschliesslich sportlicher Natur sein! Wie das gehen kann und wie das letztlich dann oft doch nicht aufgeht, ist auch bekannt. Aber mal als aktuell erstaunliches Beispiel: der FC Bavois aus der Waadt. Die Ortschaft hat rund 1000 (eintausend!) Einwohner, der FC spielt derzeit mit in der Spitze der Promotions-Liga, der Zuschauerschnitt liegt 20/21 bei……145 Zuschauern, die lustige Kleinsttribüne, einsam gelegen zwischen Wiesen, ist nebenbei ein veritables architektonisches “Whow”!

    Ich möchte nicht spekulieren, wie so etwas möglich ist. Nur geht man nicht fehl zu denken, dass da mal ein Ziel zwar nicht vorgegeben, doch deutlich anvisiert sein musste. Im Thurgau ist man damit wohl zurückhaltender. Besonders auch beim FCK. Man lässt sich die Favoritenrolle eher nur aufdrängen, postuliert sie nicht. Ich nehme nicht an, dass die vielen zweiten, dritten, vierten Plätze im Liga-Meisterschaftbetrieb der vergangenen Jahre zur besonderen Zurückhaltung auffordern. Selbstverständlich macht das einen Club nicht unsympatisch. Es sind Leistungen, die zuerst mal zu erbringen sind. Auch kantonal gesehen. Und doch mutiert man langsam zum “Poulidor” des Fussballs: Der grossartige Radfahren Raymond Poulidor gewann immer nur den 2. oder 3. Platz in der Tour de France. Gewonnen hat er sie nie. Sein Name ist so zu einem (liebevollen) Synonym geworden, wenn man nicht gewinnt (zum Beispiel im Boulesport). Und trotzdem wurde Raymond Poulidor zum grossen Idol. Das ist zwar der FCK (noch) nicht ganz, doch ein angesehener Club blieb er ja bis heute. Auch ohne regelmässige Aufstiege. Ist auch eine Leistung.

    Aufsteigen soll Sinn machen, nicht nur als kurzer Zwischenspurt rangieren. Und so kommen die grossen materiellen Voraussetzungen ins Spiel, die hier nicht zu erörtern sind, nur mal andeutungsweise erwähnt sein sollen. Ob die 1. Liga “Sinn” macht, muss jeder Club selbst entscheiden. Rein fussballerisch gesehen, meine ich, dass die ersten drei, vier Clubs der 2. Inter auf dem ähnlichen Nieveau spielen (können), wie das untere Mittelfeld der 1. Liga. O.K. – vielleicht physisch nicht ganz so stark agierend.

    Wenn es hingegen um die attraktiven “Derbys” geht, so stehen diese in der 2. Inter, Gruppe 6, wohl weit über denen der 1. Liga der 3. Gruppe, die bereits zur Häfte von Zürcher Clubs gebildet wird. Derzeit stehen hingegen allein vier Thurgauer Clubs im Feld der 2. Inter, Gruppe 6 (angenommen Frauenfeld wird hier zugeteilt), die auf “Attraktivität” hoffen lassen. Und Rorschach und Widnau könnte man sogar noch als Derbys dazuzählen. Das wären dann schon fast die Hälfte der 14 Ligateilnehmer. Also spannende Aussichten. Bringt bekanntlich Zuschauer. “Derbys”: Vielleicht noch die einzige Gelegenheit, guten Amateur-Fussball wieder populärer zu inszenieren. Ja, man sollte die 2. Inter, Gruppe 6, in der Ostschweiz geradezu als eigentliche “Marke” (Brand) promoten. Mit eigenem Logo! Mit viel mehr Medienpräsentationen, regelmässigen, ganz aktuellen Berichten, usw. Mit allem Drum und Dran…..

    Mehr präsenter Amateur-Basicfussball ist derzeit vielleicht eine Antwort auf den überbordenden, professionell international inszenierten Fussballzauber. Den braucht es auch. Aber ich glaube nicht, dass er den Amateursport regional stark fördert. Der Amateursport sollte von von sich aus authentisch sein und bleiben, zuschauerbegreifbar. Mit wenig Brimborium. Auf in die nächste Saison! Aufsteigen-Absteigen-Bleiben. Alles ist möglich. Wie immer. Dann werden die Würfel wieder aufs Neue gemischt. Wer mischt für 21/22 am besten?

  3. Nun ist der FC Rorschach-Goldach 17, der als neuer Derby-Aspirant – oder gar Aufstiegsaspirant zum FCK? – gelten kann, auch in der 2. Inter und hat mit einem Spiel gegen den FC Frauenfeld noch die Möglichkeit, Ostschweizer Zweitligameister zu werden.

    Spielen wird der FCRG 17 wohl auf “Kellen”. Der klassische intime “Pestalozzi” von früher passt nicht mehr in die heutige Zeit. Kellen ist zwar nach neuesten fussballerischen Bedürfnissen – es ist eben eine multiple Anlage – nicht ganz fussballperfekt. Viel Raum etwa wurde vergeben zwischen Spielfeldrand und Tribüne: Die Weitsprunganlage gehörte auf die andere Platzseite. Und die Trennung von Tribüne und Restaurant ist auch eher suboptimal, wie Hafetschutter bereits mal bemerkte. Wie dem auch sei: Kellen ist als hübsches Kleistadion aber immerhin ziemlich ersligareif. Und mit den angegebenen 2400 Zuschauerplätzen auch für besondere Fussball-Events (Cup, usw.), gut gerüstet.

    Die Annahme, dass sich in Rorschach wieder die Erste Liga ansiedeln könnte, dürfte für die Zukunft nicht ganz unbegründet sein. Ob man dann wieder FCK-Spieler abwirbt wie auch schon, ist eine andere Sache.

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