Hardhof, Hotdog, Hürlimann, 5:1

Hardhof Zürich. Hier stand die erste Fussball-Flutlichtanlage der Schweiz, kurz danach wurde die Flutlichtanlage an der Konstanzerstrasse eingeweiht, Anfang der 1930er-Jahre. Die damalige Flutlichtanlage auf dem Hardhof war aber nicht für die 1898 gegründeten Blue Stars gedacht, die Anlage beleuchtete die Spiele der Grasshoppers. Heute spielt im Hardhof nur noch die Landhockey-Sektion von GC.Gegen 10 Fussballplätze umfasst die heutige Hardhof-Anlage. Die Parkplatzsuche wird zur halbstündigen Irrfahrt. Es braucht auch seine Zeit, bis man den richtigen Platz für das heutige Spiel der 2. Liga Interregional gefunden hat. Zuschauer und Spieler irren zwischen den einzelnen Plätzen im Areal und suchen “ihr” Spiel. Ein Schiedsrichter bringt mich auf die richtige Fährte.

Die Blue Stars spielen auf einer Art Hauptplatz, dessen einziger Ausbau aus zwei flachen Stufen mit einer Reihe Holzbänken besteht. Es gibt hier auch kein Flutlich, dafür muss man auf andere Plätze ausweichen. Nicht nur der erste Flutlichtmast der Schweiz wurde entsorgt, einen Steinwurf entfernt auch gleich noch der ganze Hardturm.

Bereits vor dem Spiel war ich mir felsenfest sicher, hier werden drei Punkte eingefahren. Zu unterschiedlich schienen mir die Leistungsmöglichkeiten der Teams. Genau so präsentierte sich dann auch das Spielgeschehen. Der FCK war über 90 Minuten die dominierende Mannschaft, erspielte sich zudem ein grosses Chancenplus. Auch beim FCK waren einige Ungenauigkeiten im Spiel, doch dies war Nebensache gegen ein auf 2.-Liga-Niveau agierendes Blue Stars. 1:0 Mido Arifagic. 2:0 Hafetschutter 20/21 Yves Seger. 3:0 Stojan Miljic. 4:0 Hafetschutter 18/19 Sven Bode (endlich). 5:0 Hafetschutter 19/20 Abbas Karaki (11m). In der Nachspielzeit spielte der FCK, welcher mittlerweile die Youngster Noah Rebsamen und Marlon Vigna einsetzte, etwas sehr lässig, daher nicht ganz unverdient das Ehrentor für die Blue Stars zum 5:1.

Während des Spiels dröhnt die Musik einer grossen Crossfit-Veranstaltung hinüber. Das Spiel der Blue Stars ist an diesem Nachmittag nicht die Hauptattraktion auf dem Hardhof. Es ist für den Traditionsverein sicherlich schwer, hier, zwischen einem dutzend anderer Vereine, ein Stammpublikum zu finden und zu halten. Rund 100 Zuschauer sind es an den Spielen, von denen wiederum fast die Hälfte vom Gastverein anreist. Am Eingang wird ein Kässeli aufgestellt und es gibt ein Faltblatt als Matchprogramm mit Eintrittskarte. Wie war das wohl vor rund 100 Jahren, als die Blue Stars und der FCK zum ersten Mal gegeneinander antraten? Fussball ist immer auch Zeit- und Alltagsgeschichte.

Im Clubhaus schwingt Pascal Castillo das Zepter, 2003 Schweizer Meister mit GC. Zum Ende seiner Karriere hängte er noch eine Saison bei den Blue Stars an. Ein gezapftes Bier von Castillo – auch nicht schlecht. Man merkt kaum, dass hier gerade die Blue Stars spielten, dass Clubhaus ist Zentrum für den ganzen Sportkomplex. Immerhin sorgt Pascal Castillo und sein Team für eine freundliche Atmosphäre, es gibt eine etwas fettige Bratwurst mit Senf, einen Hotdog und Hürlimann. Zuschauer-Verpflegung als Gegenentwurf zum Sport, es gibt Dinge, die halten sich lange. Wann wurde der erste Grill an einem Fussballplatz aufgestellt?

4 Spiele, 12 Punkte, 16:2 Tore. Aber aufgepasst, alle Gegner waren in der hinteren Tabellenhälfte. Gegen Bazenheid und Amriswil wird es ungleich schwerer!

Titelfoto: 2:0-Familienteamwork regese.ch

3 Comments

  1. In der Tat: Ein stadtplanerisches Durcheinander tut sich da zwischen Haupt-Schnellstrassen und der schönen Limmat auf. Zum Westen hin hat sich die Stadt allerdings sehr stark entwickelt, so dass jede noch so verwinkelte freie Fläche für ein Freiluft-Sportgelände herhalten musste. Ist positiv. Das ehemals attraktive, jedoch alt gewordene GC-Hardturmstadion hätte man besser wahrgenommen. Doch haben die FCK-Fans auch so zum Event gegen einen Club gefunden, der – wie Red Star auch – historisch einfach zur stadtzürcher Zunft zählt, was Fussball betrifft. Auch wenn die grössere Aufmersamkeit anderen gehört, die weiter oben angekommen sind. Allerdings beruflich noch immer ohne in einem echten modernen Fussballstadion spielen zu können! Für die Blue Stars reicht derzeit eine bescheidenere Infrasstruktur aus, zu der man nicht findet, in dem man sich einfach dem Zuschauer-Hauptstrom anschliesst, der dem Ereignis entgegenfiebert.

    Das Resultat Blue Star Zürich gegen den FC Kreuzlingen war denn auch zu erwarten. Ohne Fieber. Gleichzeitig ist es schon so, wie Hafetschutter erwähnt, das die bisherigen FCK-Gegner nicht zu den derzeit stärksten zu gehören scheinen. Mindestens als Momentaufnahme. Dass genau gegen solche Gegner in vorhergehenden Jahren auch überraschen verloren wurde, was sich dann am Meisterschaftsende als ärgerlich erweisen konnte, ist nun 21/22 vielleicht mal anders. Und gegen starke Mannschaften spielt der FCK übrigens stets selbstbewusster. So gesehen können die kommenden Gegner antreten. Dann wird erkennbarer, was tatsächlich am Hafen zu gedeihen scheint. Die tapferen 100 – plus-minus – von nah und fern, wie in Zürich-Hardhof, können dazu kein Massstab sein. Kreuzlingen verspricht von Spiel und Ambiente derzeit viel mehr.

    Und was ist im Kreuzlinger Westen los – im Döbeli? Hat der Stadtrivale definitiv Probleme? Er liegt schon erstaunliche 11 Punkte hinter den City-Kickern zurück. Oder umgekehrt: Erstaunen dieses Jahr tatsächlich wiedermal die 05er vom Hafen grandios? Schön wärs.

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