Offensivfeuerwerk gegen alten Rivalen Frauenfeld – 6:2

Das grosse Thurgauer Derby zwischen Leader Kreuzlingen und Aufsteiger Frauenfeld lockte erneut eine schöne Zuschauerkulisse aufs Hafenareal. Das ewige Duell, wer ist Thurgaus Fussballkönig?

In der Fussballpionierzeit waren die Grenzstädter vorne, in den 1920er-Jahren der FC Frauenfeld, die 1930er-Jahre gehörten ganz klar dem FC Kreuzlingen, auch in den 1940er-Jahren kann der FC Kreuzlingen grössere Erfolge vorweisen, in den 1950er-Jahren drehte der Wind, die 1960er- und 1970er-Jahre gehen in die Kantonshauptstadt, die 1980er gestalten sich ausgeglichen, in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahren begeben sich die Kreuzlinger wieder auf die Überholspur und die letzten Jahrzehnte bleiben die Kreuzlinger ausnahmslos vor dem FC Frauenfeld.

Wo liegen die grösseren Einzelerfolge, wer hatte die bekannteren Spieler? Frauenfeld spielte von 1978 bis 1982 in der Nationalliga B. Kreuzlingen spielte in den 1930er-Jahren fünf Saisons in der zweithöchsten Schweizer Liga, 1934 gelang gar der Aufstieg in die Nationalliga A, auf welchen bekanntlich verzichtet wurde. Frauenfeld gelang im Schweizer Cup der Einzug ins Viertelfinale gegen Servette, Kreuzlingen hat hier als grössten Erfolg eine Achtelfinalteilnahme gegen Lugano zu verzeichnen. Kreuzlingens ganz grosse Erfolge sind länger her, hatten dafür internationalen Charakter, dank Wettkämpfen gegen rund 60 teils renommierte ausländische Teams, es gab Extra-Züge von Winterthur an die Nachtspiele des FC Kreuzlingen. Die verkauften 50’000 Kreuzlinger Eintrittskarten in der Saison 33/34 bleiben wohl ewig Thurgauer Rekord – die 5’600 Zuschauer bei FCF-Servette jedoch ebenso!

Frauenfeld verpflichtete mit Löw, Amoah und Yakin bekanntere Namen? Auf Kreuzlinger Seite waren Norman Smith, Bela Volentik und speziell Alwin Riemke Spieler von internationalem Format. Spieler aus der eigenen Reihe? Klar Pascal Zuberbühler und Fabian Frei liegen näher als die Kreuzlinger Walter Beerli und Marcel Sandoz, welche auch nur zu einmaligen Einsätzen im Nationalteam kamen. Also ist der Glamour auf Frauenfelder Seite? Mitnichten, wir hatten Hannes Schmidhauser!

Und über Skandale, irgendwie ja auch Indikator interessanter Vereine, müssen wir, wie auch immer man das bewertet, nicht wirklich reden. Der FCK schaffte es 2004 auf die Titelseite des Blick.

Wo liegt Thurgaus Fussballhauptstadt? Ein Thema über das sich vortrefflich streiten lässt. Aber eines liebe Frauenfelder ist Tatsache, die letzten 25 Jahre gegen klar an den Bodensee.

Nun als das 65. Meisterschaftsderby der Nachkriegszeit zwischen Kreuzlingen und Frauenfeld. Kreuzlingen ohne Stammgoalie Fabian Fellmann (Debüt von Philipp Müller), ohne Spielmacher Darko Anic und in der 11. Minute schied mit Yves Seeger ein weiterer wichtiger Spieler verletzungsbedingt aus. Auf das Spiel gegen ebenfalls ersatzgeschwächte Frauenfelder schien das keinen grossen Einfluss zu nehmen.

Die Abwehr war anfälliger als auch schon, was die zwei unnötigen Gegentore dokumentieren. Doch die Kreuzlinger Offensive war ein Feuerwerk! Ein Genuss für die Zuschauer! Herrliche Ballstafetten, herausragende Abschlüsse! Nach dem 6:1 lag gar eine regelrechte Demütigung in der Luft, einige ausgelassene Hochkaräter verhinderten dies. Spielberichte und Fotos auf fck1905.ch. Wenn einem dann ein eigener Spieler nach dem Match Sticker seiner Ultra-Gruppe auf dem Balkan überreicht, war der Spieltag perfekt!

Die Rot-Weissen, in der 2. Liga von ehemaligen FCF-Grössen reanimiert und zum Aufstieg geführt, zeigten gegen den alten Rivalen einen schwachen Auftritt, so hatte man den FC Frauenfeld nicht in Erinnerung. Der Ligaerhalt wäre dem FC Frauenfeld dennoch zu gönnen, die Stadt, die Geschichte, die Kleine Allmend – und jetzt dank Dani Kern auch noch ein exzellenter Medienauftritt, dieser Verein ist eine Bereicherung. Nun muss nur noch die 1. Mannschaft nachziehen, dass es dafür kein allzu grosses Budget braucht, beweist der neue FC Kreuzlingen. An teuren Spielern verbrannten sich schon beide Vereine, der FC Frauenfeld endgültig 1982, der FC Kreuzlingen endgültig 2007. Beide Vereine gingen zwar nicht in Konkurs, litten aber viele Jahre, ja fast Jahrzehnte darunter!

Zuschauer waren rund 340 im Hafenareal, der Schnitt liegt diese Saison beim FCK bei rund 360, auch dies ist ein sehr guter Wert in der 2. Liga Interregional. Die Ostschweizer Gruppe 6 ist übrigens mit grossem Abstand die bestbesuchte 2. Liga Interregional der Schweiz.

Es folgt nächsten Samstag gleich das nächste Heimspiel. Gegen den FC Seuzach ist der FC Kreuzlingen wieder klarer Favorit. Wenn der FCK wieder konsequenter in der Abwehr vorgeht, von Verletzungen verschont bleibt, dann ist er gut gerüstet für das äusserst schwere Restprogramm der Saison. Noch gibt es keine grossen Abstände in der Tabelle, jedes Spiel bleibt ein Endspiel ums grosse Ziel.

7 Comments

  1. Um mit einem alten Mac (ich liebe ihn) noch voll auf Linie sein zu können, braucht es einen Enkel (22). Aus Zürich eingeflogen! Allerdings nicht nur um meine Kiste wieder einigermassen flott zu bringen, sondern um ein “politiknahes Praktikum zum Politikstudium” zu bestreiten. Davon verstehe ich genau so wenig, wie von Browsern und so weiter. Und so spielt dann eben, wie besonders im Fussball auch, der Teamgeist eine beträchtliche Rolle. Mein Teambeitrag dazu war ein Apfelkuchen (Braeburn). Immerhin. Und es hat geklappt – mit Browser und Kuchen (an der “Brausersuche” beteiligte sich übrigens auch ein 11-jähriger Enkel. Er weiss heute sachbezogen definitiv schon mehr, als sein Opa je wissen wird. Ist halt so. Dann eben Teamspirit!).

    A propos Teams: Erstaunlich festzustellen, dass alle aktuell fünf Tabellenbesten der Inter-Gruppe 6 keines der letzten fünf Spiele verloren hat. Konsultiert man die anderen Gruppen, ist das schon einmalig. Für den FCK ist ab sofort angesagt, dass er nach den kommenden Spielen so ziemlich weiss, wo er steht, sind doch mit der Spielvereinigung Schaffhausen, dem FC Widnau und dem FC Weesen, drei dieser fünfmal-hintereinander-Ungeschlagenen seine Gegner. Wow. Dazu noch die jungen Wiler, die zuletzt fast ebenso gut – mit einem Ausrutscher – abschnitten. Für Grün-Weiss eine erste ernste Probe, ob die Ambitionen mit der Realität Schritt halten. Oder sagen wir mal etwas bescheidener: einigermassen Schritt halten können. Es gibt ja noch eine zweite Hälfte der Meisterschaft. Und die entscheidet oft über das Erreichen des Ziels. Besonders dann das finale Stechen (das ja dem FCK so oft entwischte).

    Dass die beiden Nachzügler der Tabelle, die Blue Stars aus Zürich und die AS Calcio aus Kreuzlingen, die letzten fünf Spiele verloren, ist ebenso bemerkenswert. Wenn man bei den Blauen Sternen als Aufsteiger vielleicht noch eine Erklärung haben könnte (Liga-Assimilationsprobleme?), so ist das, was derzeit im Döbeli wohl heiss diskutiert wird, schwer verständlich. Bis jetzt liegen noch keine brauchbaren Erklärungen vor. Und mit der simplen Feststellung, “es kann nur besser werden”, ist nichts gewonnen, ausser ein kleines Stück Zuversicht verstreut. Oder sollte einfach mal das “Forza” noch lauter tönen? Man weiss es nicht. Bleibt ein fussballerisches “mistero”.

    Und am kommenden Wochenende? FCK-Seuzach? Tipp liegt unterm Mac…..

    • Kleine Korrektur, die Blauen Sterne spielten die letzten vier, fünf Jahre konstant im Mittelfeld der Gruppe 5. Umteilungen in die Ostschweizer Gruppe kamen schon einigen Teams nicht besonders gut. Letzte Woche reagierten die Blue Stars wie es im Fussball üblich ist, der Trainer musste gehen. Seine Trainer-Bilanz bei den Blue Stars: Durchgehend Niederlagen, in allen Test- und Meisterschaftspartien.

      • Danke für die Berichtigung! Lasse mich gerne korrigieren. “Umteilung”: Es könnte auch sein, dass die Gruppe 6 durchwegs etwas besseren Fussball spielt. Ist aber sehr spekulativ.

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