Untergang an der Riviera

Das zweite Spiel der Spitzenspiel-Trilogie führte den FC Kreuzlingen an den Walensee nach Weesen. Am Ortseingang begrüsste die “Riviera am Walensee” zum Spitzenspiel. Bezeichnet sich Kreuzlingen immer noch als “Erste Stadt der Schweiz”? Die “Riviera am Walensee” hört sich einladender an, aber genau so unterschiedlich sind auch die Ortschaften.

Das rund  13x kleinere Weesen (1’700 Einwohner) befindet sich seit Jahren im fussballerischen Hoch. Ein kleiner Abriss zur Clubgeschichte. 1961 gegründet. 1976 wurde der heutige Hauptplatz Moos mit dem Intertoto-Cupspiel FC Zürich – FC Zbrojovka Brno eröffnet – Köbi Kuhn international auf dem Sportplatz Moos. 2008 stieg der FC Weesen erstmalig in die 2. Liga auf. 2019 erstmalig in die 2. Liga Interregional. Und jetzt träumt man beim FC Weesen von der 1. Liga.

Einen Dämpfer erlebte der FC Weesen im April diesen Jahres. Die Weesner Bevölkerung verhinderte in einer Abstimmung eine durchdachte, auf das nötigste reduzierte Sportplatzerweiterung. Der heutige Platz verfügt über keine funktionierende Entwässerung, die Beleuchtung ist 50 Jahre alt und die Infrastrukur für die vielen Junioren viel zu klein. 1 Mio. hätte man für die Sanierung und Ergänzung um einen weiteren Platz investieren müssen, dass 2009 erstellte Clubhaus mit Kosten von knapp 0,5 Mio. wurde zudem vom FC Weesen komplett alleine bezahlt. An der Riviera möchte man anscheinend sinnvolle Freizeitbeschäftigung für die Kinder und Jugend zum Nulltarif. Nun versucht der Verein wenigstens den Hauptlatz und die Beleuchtung auf 2022 zu sanieren, Einsprachen sind allerdings ebenfalls bereits erfolgt.

Zum Spiel. Mit einigen Befürchtungen reiste man nach Weesen, würde der FCW genauso dominant auftreten wie die Spielvi eine Woche zuvor? Schnell machte sich Erleichterung breit, der FC Kreuzlingen spielte besser, führte schnell mit 1:0 und auch nachdem der FC Weesen seine einzige richtige Chance zum 1:1 ausnutzte blieb der FCK die bessere Mannschaft und kam schnell zum verdiente 2:1. Danach folgten noch mehrere hochkarätige Chancen. Mindestens 3:1 hätte es zur Pause stehen müssen.

Die 2. Halbzeit begann der FC Kreuzlingen erneut etwas zu passiv. Weesen spielte nun locker auf Augenhöhe ohne aber dominant oder besonders gefährlich zu wirken. Dann die fatale Szene. Der Ball sprang im 16er einem Kreuzlinger Abwehrspieler an den Arm. Der Schiedsrichter entschied auf Elfmeter. Hätte er in dieser Situation nicht müssen, aber konnte er. In zahlreichen Situationen zuvor war der Schiedsrichter sichtlich genervt über die vielen Meckereien von Kreuzlinger Spielern. Vielleicht ist es zu viel interpretiert, aber der Pfiff geriet in dieser unklaren Situation vielleicht schon etwas lockerer. Nach dem darauf folgenden 2:2 spielte der FCK noch fahriger. Der FC Weesen antwortete mit fast maximaler Effizienz und kam so zu einem am Ende recht lockeren 4:2-Sieg. Damit sind die Weesner seit 10 Spielen ungeschlagen (einzige Niederlage im Startspiel gegen die Spielvi).

Auf der Heimfahrt über den Ricken musste man das erstmal verarbeiten. Nehmen wir das positive für die letzten Spiele mit. Der FCK wäre in Normalform besser als der FC Weesen. Es scheint auch eine Sache von Disziplin auf den defensiven Positionen und von Fokussierung und unbedingtem Willen. Das sind Dinge die sich wieder ändern lassen, denn die waren ja lange Zeit da. Der FCK kann immer noch als Tabellenführer in die Pause, Siege gegen Widnau und Red Star vorausgesetzt. Dann sollten übrigens auch die Kreuzlinger Fans wieder aufwachen, die letzten Spiele passte sich das Geschehen neben der Bande leider dem auf dem Platz an – oder umgekehrt.

Ein paar Worte zum Fussballerlebnis in Weesen. Der Platz hat seinen Charme, die Landschaft um den Platz ist grandios. Es hat natürlich auch etwas 3.-Liga-Ambiente, was hier durchaus positiv gemeint ist. Der Platz hat übrigens nur eine Ausnahmebewilligung für die 2. Liga Interregional. Etwas ärgerlich sind die fehlenden Balljungen, was auch von Spielern immer wieder beanstandet wurde. Das kleine A5-Matchprogramm versprüht 1980er-Charme, was ich sehr mag. Nach dem Spiel kam wieder etwas wärmere Luft, schon wieder der hiesige Föhnwind? Nein, diesmal wars der Grillstand, übrigens ebenfalls zu empfehlen. Und im Nachgang glänzt der FC Weesen mit einer hervorragenden und topaktuellen Internetseite, inklusive der Angabe von korrekten Zuschauerzahlen, was mich als Statistikfreund immer besonders freut.

1 Comment

  1. Geht dem FCK die Puste aus? Sind die nun zwei verlorenen Spiele Auftakt einer längeren Leistungs-Baisse der Kreuzlinger? Wurde die Hafenelf anfänglich überschätzt? Ist nun definitiv bekannt, dass der FCK zu schlagen ist? Viele Fragen – noch kaum qualifizierte Antworten. Die “innere Mannschafts-Entourage” des FCK, darin besonders die Spieler selbst (die technisch ja gut beschlagen sind!) wissen nun, dass ab jetzt nur mit einer konzentrierten, kämpferischen Leistung (jeweils bis zum Spielende, ja bis zum Saisonende) das Ziel zu erreichen ist, das sich der Club – und wohl auch die Spieler selbst! – für 2022 stellten.

    Nur: dieses Ziel haben sich für 2021/22 anscheinend einige Clubs vorgenommen. Anders ist das tabellarische Zusammenrücken von 4-5 Mannschaften auf einem so hohen Punkte-Level, vergleicht man ihn mit den Tabellenpunkten bei den sechs 2.Inter-Gruppen, nicht zu interpretieren. Das ist das Positive der jetzigen Konstellation. Dadurch sind alle Spitzenteams eminent gefordert, um weiter zu reüssieren. Es wird spannende, ja sogar vorläufig entscheidende Spiele geben. Oder hat es sie schon gegeben….?

    Noch sind 15 Runden der laufenden Meisterschaft zu bestreiten. Will man eine Chance zum Aufstieg haben, sind von den noch zu vergebenden 45 Punkten mindestens 35-plus einzufahren! Ein enormes Pensum ist also zu erledigen, um letztlich – zusammen mit den bereits erreichten 25 – auf 60 und darüber zu kommen. Das ist die Umgebung, in der Meister erkoren werden (es dörf au öppis me si!). Bereits die restlichen zwei Begegnungen der Vorrunde werden zeigen, welche Teams stringent in dieser Richtung zu spielen vermögen. Der FCK kann das. Mindestens Hafetschutter geht regelmässig davon aus. Und ganz am Ende entscheiden womöglich wiedermal die ominösen Strafpunkte des Verbandes. Die derzeitige enge Tabellensituation könnte bereits auf dieses sportlich lustig-tragische Thema hindeuten.

    Und nun hat es doch – oha! – im Döbeli mal geklappt. Allerdings mit einem schwachen Resultat zuhause gegen eine Mannschaft aus Zürich, die sich in der laufenden Meisterschaft noch keinen einzigen Punkt erspielen konnte. Hopp Blue Stars- chömed nomol! Nach meiner Sicht – wenn ich oben schon am Kalkulieren war, muss nun die Kreuzlinger Calcio aus den kommenden 15 Spielen noch runde 25 Punkte einsammeln, um in den Bereich des Nichtabstiegs zu gelangen (30). Durchaus machbar? Bleibt ein Geheimnis. Vorteil: Es wird im unteren Tabellendrittel überraschen immer wieder Mannschaften geben, die nach noch weiter unten tendieren und so im Rennen um den Verbleib in der Liga plötzlich mitstreiten müssen.

    Dass hingegen ganz oben andere Mannschaften als die jetzigen 4-5 Leader noch zur Spitze aufrücken, ist eher unwahrscheinlich. Ein Abfallen eines oberen Teams ist aber möglich. So scheint Amriswil bereits etwas weit weg zu sein, es sei denn, sie bodigen heute Widnau -Entschuldigung: Widnou – auswärts. Wäre dann als ein Kabinettstückchen zu vermelden. Punkte kann man leicht zusammenrechnen – ein einzelnes Fussballspiel ist immer unberechenbar. Sogar im Rheintal?

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