Die Steinkluppe gemeistert

Der Schweizer Cup lässt einen immer wieder an unbekannte Orte reisen. Mit ein Grund, warum mir dieser Wettbewerb so gefällt. Die 1.Vorrunde führte uns zum FC Unterstrass auf die Steinkluppe. Die Steinkluppe gehört in die romantische Kategorie der Quartierplätze, vergleichbar mit dem Fürstenbergplatz des SC Konstanz-Wollmatingen oder dem alten Pestalozzi-Platz des FC Rorschach. Eine Gattung, die vom aussterben bedroht ist. Fussball & Wohnen halten nicht mehr allzu viele für eine gute Kombination. Foto: facebook.com/unterstrass

Das Spiel bot, besonders in der 1. Hälfte, keinen allzu grossen Genuss für die Zuschauer. In der 2. Halbzeit setzte sich dann der (immer noch dezimierte) FC Kreuzlingen relativ ungefährdet mit 3:0 durch, es siegte die erfahrenere Mannschaft. Das Cup-Abenteuer geht im nächsten Jahr weiter!

Alle 5 Cup-Duelle zwischen FVRZ- und OFV-Vereinen gingen in dieser Runde in die Ostschweiz. Ein Trend, welcher schon seit Jahren zu beobachten ist.

In den letzten Jahren besuchten wir viele Stadtzürcher Vereine. Das grösste Publikum stellte der Quartierverein FC Unterstrass, es dürften gegen 250 gewesen sein. Damit liegt der Quartierverein in der Zuschauergunst weit vor dem SC YF Juventus, welcher es als eigentlicher Traditionsverein in der Promotion League auf einen sagenhaft niedrigen Schnitt von 121 bringt.

Nebenbei: Der FC Kreuzlingen mit einem Schnitt von 342 Zuschauern liegt in der Zuschauergunst auf Platz 13 aller 142 höherklassigen Schweizer Amateurvereine. Lediglich fünf Promotion-League-Vereine, sechs 1.-Liga-Vereine und der FC Widnau liegen vor dem FCK (von allen 84 2.-Liga-IR-Vereinen liegt der FCK also auf Platz 2!). Vor dem FCK liegen fast nur die ganz grossen Namen im Spitzen-Amateurfussball: Biel (615), Bellinzona (600), Vevey (545), Brühl (420), Bulle (385), Wohlen (380), Chiasso (355), Delémont (350). Die angegebenen Zuschauerzahlen haben natürlich immer eine Ungenauigkeit, aber trotzdem ein Ansporn auch für das Team!

Schützenswert, die alten Vereins-garderoben, die neuen sind unterirdisch angelegt, Foto: fcunterstrass.ch

Nebst dem charmanten Quartierplatz bietet der FC Unterstrass ein Clubhaus mit VIP-Aussicht aufs Spielfeld, eine Fan-Ecke unter Laterne und Tannen, bei dem auch schon James-Bond-Bösewicht Anatole Taubman auftauchte. Chopf-Ab-Bier, Würste vom Grill, freundliches Vereinspersonal. Eine Vereinschronik zum 100-jährigen Jubiläum ist in Arbeit. Der Verein spielte übrigens von 1921 bis 1945 unter dem Namen FC Black Boys. Nun fehlt noch ein Speaker und jemand der sich an das Thema Matchprogramm heranwagt. Alles in allem: Der bisher zuschauerfreundlichste aller Stadtzürcher Vereine.

Im April 2022 steht die zweite von hoffentlich drei Cup-Vorrunden an. Es geht zum FC Mutschellen, dem wohl einzigen Schweizer Verein, der sich nach einem Pass benannt hat. Und wieder bietet der Schweizer Cup eine schöne Reise an einen unbekannten Ort.

FCK-Fans on Tour, Foto: regese.ch  Noch ein letztes Spiel steht für einige Old Boys diese Saison an. Der Besuch des Oberliga-Spiels Arminia Hannover vs. Lupo Martini Wolfsburg bei unseren Freunden von Bischofshol am kommenden Sonntag. Danach ruht der Amateurfussball für fast vier Monate. Währenddessen wird der überhitzte Profi-Fussball fast ununterbrochen weiterlaufen. Wir haben dabei sehr viel Zeit für anderes – fühlt sich besser an. In diesem Sinne wünsche ich meinen Lesern eine schöne Winterpause, ehe wir uns wieder mit Elan bei der grossen, kleinen Welt des Amateurfussball treffen!

6 Comments

  1. Ein klassisch-romantischer Hafetschutter-Bericht über ein Cupspiel zum Ende der regulären Meisterschafts-Spielsaison. Und weil dann der FCK noch gewonnen hat, ist vieles im Butter. Wenn Amateure 2-3 Tage nach einem Kampfspiel der gehobeneren Klasse (gegen “Widnou”) gleich schon wieder in die Hosen steigen müssen (gegen den FC Unterstrass-Zürich), ist es ein gutes Zeichen, nochmals das Mögliche realisiert zu haben. So kann von einer breiten Motivation ausgegangen werden, die sich kurzzeitig vom Trainer auf die Spieler übertrug. Ängste wegen der Red-Star-Zürich-Pleite vor einiger Zeit hatten somit nicht bestanden. Oder sie haben sich verflüchtigt durch ein wiedererstarktes Selbstvertrauen. Ist wohl so.

    Wie Hafetschutter beschreibt: Fussballplätze in Wohnquartieren anzulegen, wäre heute praktisch unmöglich. Irgendwie wirken aber solche alten Plätze “gesellschaftlicher”, als Stadt- oder Dorfrand-Solitäre fernab des urbanen Lebens. Noch bevor Pläne für einen Quartierplatz vorgelegt würden, wären heute bereits Bürgerinitiativen gebildet. Ziel bekannt. Nur gibt es in einem dicht bebauten Quartier oft keine andere Möglichkeit, obwohl dieser Zürcher Platz früher sicher lange freier stand. Und Unterstrass – den Begriff, lese ich, gab es bereits vor 1291 an dieser Örtlichkeit (!), ist heute eben ein vollgepacktes Stadtquartier, das ziemlich genau der Kreuzlinger Einwohnerzahl entspricht (rund 22’000), aber eine viermal grössere Bevölkerungsdichte aufweist. Und so kommt es dann, dass man gestern von der eigenen Wohnung aus, wie eine Abbildung zeigt, die Grün-Weissen vom Bodensee gewinnen sehen konnte.

    Und dann gehts im Frühjahr 22 mit dem FCK gleich auf den Mutschellen. Für Autofreaks von ehemals ein absoluter Bestandteil einer Fahrt von Kreuzlingen ins Welsche über die damals berühmte N1. Es war die klassische Magistrale Ost-West. Ob man damals bereits auf dem Mutschellen tschuttete? Verliert man dort oben ein Spiel, kann man sich bei schönem Wetter immerhin der gigantischen Aussicht in die CH-Alpenwelt widmen. Das gelänge allerdings noch intensiver bei einem Sieg. Ich tippe schon mal darauf! Selbst wenn es regnen sollte, kämen so im Neuen Jahr gleich mal sonnigere Tage auf den FCK zu. Fans im Hoffnungstress.

    Ein Dank dem Hafetschutter für die auch 2021 stets interessanten, wissenswerten Reportagen und sonstigen Berichten über den Amateurfussball. Ziemlich einmalig rundum.

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