Zu Gast bei den Grasshoppers

In den 1980er-Jahren dominierte in den Turnstunden an fast jeder Thurgauer Schule das in blau und weiss geteilte Trikot mit der Nissan-Werbung.  GC lag während seiner Glanzzeit in der Gunst der ländlichen Regionen ganz weit vorne. Dahinter folgten zu dieser Zeit, zumindest in meiner Erinnerung, Xamax, Servette, St. Gallen. Für mich als damaligem Primarschüler waren nicht die Erfolge entscheidend. Entscheidend war das Angebot des Jahrmarkthändlers an Schals, Wimpeln, Fahnen und Aufnähern. So war ich dazumal Besitzer eines GC-Trikots und einer Heugümper-Fahne, ohne auch nur das geringste davon zu verstehen. Selbst das Schweizer Cup Spiel der grossen Grasshoppers beim FC Kreuzlingen verpasste ich, immerhin gibt es davon eine schöne TV-Aufzeichnung aus dem Jahre 1986.

Nach 14-jähriger Abstinenz gastierte der FC Kreuzlingen mal wieder auf dem Campus in Niederhasli bei GC Zürich U21 (damals mit Willy Scheepers). Ich muss eine Lanze brechen für den Campus. Klar, mit dem ÖV schwer zu erreichen (dafür umso besser mit dem Auto) und natürlich wirkt alles etwas unterkühlt, aber wir sind bei GC! oder wie es Ricardo Cabanas sagen würde: “bim Rekordmeischter, was glaubsch eigentlich!” Man kann dort neben dem sehr gepflegten Rasen wunderbar Amateurfussball schauen. Die Wege sind kurz, der Grillstand ist nicht mehr abseits im Restaurant, sondern mittlerweile direkt am Spielfeld, die Tribüne genügt und die Verpflegung kann es mit sämtlichen Ostschweizer Amateurfussballpätzen aufnehmen. Ja, man höre und staune. Es gibt eine perfekte Kalbsbratwurst von einer Zürcher Metzger-Manufaktur mit französisch klingendem Namen (“mir sind bim Rekord-Meischter, was glaubsch eigentlich!”) und Schützengarten-Bier. Werden  die  Grilleure bei GC bezahlt? “Bi Pestalozzi sind mir nüme”. Mir sind bim… aber lassen wir das.

Die Stimmung auf dem Campus? Club-Legende Erich Vogel läuft durch die Reihen des spärlich erschienenen GC-Publikums und erzählt Geschichten, die Ersatzspieler rufen “Go Zurich!” und GC stolziert mit den gleichen Trikots über den Rasen, wie wir damals in den 1980er-Jahren auf den Thurgauer Pausenplätzen. Die Chinesen, der verlorene Hardturm, wenigstens hier merkt man nichts davon. Für die 1. Liga ist GC U21 eine Bereicherung, sportlich sowieso, weiter oben wäre das weniger der Fall. Schade hat die FCSG U21 eine Wild Card für die Promotion League erhalten, ein Ausflug ins Espenmoos wäre ebenfalls schön gewesen. 

Was für ein Traumstart legte der FC Kreuzlingen hin. 2. Minute Simon Affentranger 1:0, 5. Minute Mido Arifagic 2:0. Es folgten weitere grosse Möglichkeiten, ein 3:0 und 4:0 wäre drin gelegen. Die GC-Betreuer verwarfen die Arme, die GC-Granden schüttelten die Köpfe. Doch in der 1. Liga kann man sich in der Defensive weit weniger Schnitzer erlauben, wer da nicht konsequent rein geht, wird sofort bestraft. Innert 2 Minuten glich GC aus (39./41.), alles wieder bei null.  In der 73. Minute kam Abbas Karaki zu einer Grosschance, doch GC machte die drei Punkte in der 86. Minute mit einem Treffer zum 3:2 klar. Laut football.ch-Matchcenter 12:11 Torchancen und 9:4 Torschüsse zu Gunsten des FCK – aber wieder keine Punkte. Was sich ebenfalls wieder zeigte, der FCK ist auf der Bank zu dünn besetzt, wir brauchen unsere besten 14, 15 Spieler, sonst wirds vor allem gegen Ende des Spiels eng. Vieles war gut in den ersten beiden Spielen, jetzt bloss nicht resignieren.

Das grösste Kompliment gab es dann auch von Erich Vogel höchstpersönlich. Zum Hafetschutter-Kurzinterview schickten wir Fabienne vor, was wohl gar nicht nötig gewesen wäre, denn die GC-Legende zeigte sich Gesprächsbereit (sinngemäss “wo ischs Mikrofon, händ er e Kamera?”). Wie sah er den FC Kreuzlingen? Der FC Kreuzlingen würde ganz oben mitspielen, da wäre Qualität drin, ein weiterer GC-Verantwortlicher pflichtete ihm bei, obere Tabellenhälfte, keine Frage. Erich Vogel kam aufs Geld und den FCK zu sprechen, auf die Gegenrede dieser Ruf sei so alt wie falsch, entgegnete er “dann gehts dem FCK bezüglich Ruf wie mir”. “Fragt mich das nächste Mal vor dem Spiel, dann werde ich die FCK-Spieler genau beobachten” gab die GC-Legende mit auf den Weg. Wir werden es uns merken, denn in der 1. Liga wollen wir bleiben, keine Frage.

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1 Comment

  1. Aus Niederhasli im Zürcher Unterland mit einer Niederlage zurück zu kehren, kann ja möglich sein. Interpretiert man die Berichte zum Spiel, so hätte dies allerdings nicht sein müssen. Selbst wenn man vielleicht noch “dieses oder jenes Pferd im Stall” bräuchte, um tatsächlich in der 1. Liga einigermassen locker bestehen zu können. Das mit “Pferd” bezieht sich bei Gelegenheit auf die Nachbarschaft des GC Campus, genauer: auf die Pferderennbahn Zürich-Dielsdorf. Auch dort versucht man mit einem konkurrenzfähigen Stall konkurrenzfähig Sport zu treiben (Musste ich als Liebhaber dieser Sportart noch anmerken).

    Zurück zum Fussball: Sieht man auf die Resultate der zweiten Runde, so ist selbstverständlich noch kein tragfähiges Bild sichtbar. Einzig für FC Lugano II kann man wohl schon den Tip-Bleistift spitzen! Und das gegenwärtige Tabellenende? Sagt gar nichts aus! Oder volkstümlich: Aller Anfang ist schwer. Oder poetischer Hermann Hesse: “Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne”. Man lässt sich im Hafenareal fussballerisch sehr gerne verzaubern…..!

    Spielerisch zu bemerken wäre wiedermal, dass es, um erfolgreich sein zu können, in dieser Liga eine körperliche gesteigerte Fitness braucht, um eine im Spiel verlangte hohe Intensität über die gesamte Spielzeit aufrechterhalten zu können. Dies gepaart mit einer guten Übersicht über Spielsituationen. Sonst sind auch wertvolle Spielstände rasch Makulatur. Denn es wir immer wieder gegnerische Spieler geben, die etwa von einer falschen Positionierung profitieren. Es sind besonders oft (neudeutsch) “Unterschiedsspieler”, die dann ein Spiel überraschend entscheiden können, auch wenn es dem Spielverlauf nicht entsprechen sollte.

    Nach den Spielen gegen Wohlen (Cup) und Tuggen (Meisterschaft) dürfte langsam sichtbar werden, wohin es den FCK treibt. Es wird spannend sein zu beobachten, ob sich die “eingespielte Mannschaft” tatsächlich in die Liga einspielen kann! Erich Vogel hat dazu eine interessante Meinung. Sie macht mindestens etwa Hoffnung.

    Noch zwei Bemerkungen am Rande: Die gelegentlich bei Spielberichten angegebenen Zuschauerzahlen sind oft “erschreckend niedrig”. Gespielt wird immerhin in der obersten Schweizer Amateurliga! Und: In der schönen Bilddokumentation von Erich Seeger wird gut sichtbar, wie einfache Tribünenüberdachungen konstruiert sein können. Wobei die Ästhetik noch zu steigern wäre. Aber immerhin!

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