sdr

Dramatischer Cup-Fight in Wohlen

Was für ein Spielverlauf, was für Wendungen im Schweizer Cup Spiel beim FC Wohlen. Es war sicher ohne Übertreibung eines der aufregendsten, dramatischsten Spiele der vergangenen Jahre.

Bei den Wettanbietern wurde der FC Kreuzlingen als Aussenseiter gehandelt, die Siegquote lag bei bis zu 1 : 5.25. Diese Quote verleitete mich für einmal, ich wette sonst nie, fast zu einem Einsatz. Ich sah dieses Spiel, ähnlich wie Beni von den Tifosi Wohlen, als ganz knappe Angelegenheit, lediglich die Möglichkeit eines Unentschiedens nach 90 Minuten hielt mich dann doch davon ab.

Lediglich 250 Zuschauer fanden sich zu diesem 1/32-Finale ein. Fast schon etwas Beschämend wenig, was wohl an den Erfolgen des FC Wohlen in der Vergangenheit liegt. Ein solches Spiel ist nichts Besonderes mehr, wenn man 16 Jahre Challenge League und reihenweise Cup-Matchs spielte, auch gegen Super-League-Vereine. Wie anders sieht es beim FC Kreuzlingen aus. Die 1. Liga ist ein Abenteuer, unser letztes Cup-Spiel gegen einen Super-Ligisten (oder so viel schöner: Nationalliga-A-Verein) liegt sage und schreibe 36 Jahre zurück.

Rund ein Dutzend aktiver Fans begleitete den FCK nach Wohlen (plus 4x fantastisch betreuter Fan-Nachwuchs).

Einen schlechteren Start hätten die Grenzstädter nicht erwischen können. 0:1 in der 1. Minute. Auch danach wirkte die Defensive verunsichert. Das 1:1 durch eine tolle Aktion von Rama-Bitterfeld kam überraschend. Es lag mittlerweile schönster Sonnenschein über dem Stadion Niedermatten. Der FCK agierte danach besser und es eröffneten sich immer wieder gute Chancen. Als die Aargauer in der 50. und 57. jedoch auf 3:1 davonzogen, schien das Spiel fast schon gelaufen. Es regnete mittlerweile in Strömen, ein Auf und Ab des Wetters, als hätte sich Petrus die perfekt wechselnden Kulissen für dieses Spiel ausgedacht.

Zwei mitgereiste Fans (sie gehören seit Jahrzehnten zu unseren Treuesten) organisierten sich ein temporäres Dach.

Erneut Rama-Bitterfeld (60.) und Karaki (72.) brachten den FC Kreuzlingen eindrücklich zurück. Das Spiel war nun endgültig zum spannenden Schlagabtausch geworden, zu einem Bilderbuch-Cup-Fight, wie man es sich als Zuschauer wünscht.

Doch es sollte noch verrückter werden. In der 90. Spielminute erzielte Wohlen das 4:3, die Freiämter lagen sich ob des vermeintlichen Siegtreffers in den Armen. Bitterkeit beim mitgereisten Anhang vom Bodensee. Es lief die 94. Spielminute, eine durchdachte Freistoss-Variante verwandelte Abbas Karaki blitzschnell zum 4:4. Jetzt explodierte die Kreuzlinger Seite im Stadion Niedermatten. Was für ein Spiel! Der FC Kreuzlingen hatte in den bisherigen Spielen immer wieder solch tolle Offensiv-Aktionen, soviel Qualität, wenn man nur noch die Defensive in den Griff bekommen würde.

Die Verlängerung war dann etwas ruhiger, die Angst mit einem Fehler alles herzugeben, lag nun bleiern in den Beinen. Das Elfmeterschiessen brachte so die Entscheidung. Wohlen verwandelte sämtliche Elfmeter sicher, Kreuzlingen setzte einen Elfmeter an die Latte. Diese Winzigkeit machte schlussendlich den Unterschied.

Der Cup-Traum ist geplatzt, aber bei aller Enttäuschung, es war ein toller Fussballnachmittag. Erst recht mit dieser Mannschaft, so macht Fussball Spass! Kürsat wird noch an ein paar Schrauben drehen – und dann machen wir die Liga unsicher.

Zum Saisonstart drei Niederlagen, doch dreimal hätte es auch anders ausgehen können. Es fehlt nicht viel. Jetzt kommen zwei weitere schwere Auswärtsspiele in der Meisterschaft, am Mittwoch in Tuggen, am Samstag in Weesen. Wie sagte es Trainer Kürsat Ortancioglu so schön im Inteview, Punkte werden kommen, keine Frage.

Was ich ganz wunderbar finde, ist unsere divers aufgestellte Fangruppe. Unterschiedlichste Leute finden sich zusammen, um dem FCK zuzuschauen und zu supporten. Danke auch an Beni und die Tifosi Wohlen für den netten Austausch nach dem Spiel.

Hab ich es schon gesagt? Amateurfussball kann grossartig sein.

2 Comments

  1. Treffend zusammengefasst. Elfmeterschiessen ist halt immer eine Lotterie. Ich denke auf der Leistung von gestern lässt sich aufbauen. Wenn man die Verteidigung noch stabilisieren kann werden die Punkte schon bald auf das Punktekonto kommen. Es war wie immer ein glatter Nachmittag mit den Kreuzlingen Fans.

  2. Es war in den 1960er Jahren, als in Oberbayern ein Friseur und Amateur-Schiri heimlich das Elfmeterschiessen erfand und probte, das dann in den 70ern viele Verbände als Muster eines finalen Spannungsmoments nach einem “Unentschieden nach Verlängerung” einführten. Ziel war es, einerseits nicht durch einen Los-Entscheid (Münzwurf) den Sieger ermitteln zu müssen, andererseits ein Wiederholungsspiel weg zu lassen. Besonders das Letztere wird international nicht durchgängig so geregelt. Ein Wiederholungsspiel kann aus Erfahrung sehr spannend sein!

    Im Aargau galt jedoch die Pflichtübung des “munteren Scheibenschiessens” nach unentschiedenem Ausgang von regulärer Spielzeit plus Verlängerung. Und so war Garantie gegeben, dass die Partie mit einem “Himmelhoch jauchzend” und einem ” Zu Tode betrübt” enden wird. Wobei das Trübe nach Hafetschutters Meinung nicht ganz so undurchsichtig zu sein braucht. Allerdings wird wiedermal das alte FCK-Phänomen in seinem Bericht deutlich: Eine zeitweise verunsicherte Abwehr. Wenn nun der Trainer veröffentlicht: “Punkte werden kommen”, so schaut die Fangemeinde genau hin, ob sich dieser Wunsch nicht zuletzt durch eine Stabilisierung der Abwehr erfüllt, oder die Ursache für die drei Saison-Startniederlagen in einer anderen Ecke weiter zu suchen wären.

    Und so wartet die FCK-Fangemeinde auf ein positives Signal, das sich halt nur mit “Punkten” beschreiben lässt. Es ist jedoch darauf zu verweisen, dass auch beim FC Uzwil in der ersten Saison auf dieser Ligahöhe deutliche Anfangsschwierigkeiten zu registrieren waren. Hingegen nicht ganz unerwartet aktuell zu sehen, dass der neue Aufsteiger, FC Weesen, markanter in die höhere Liga gestartet ist.

    Nun kommen auf den FCK die beiden als “schwer” deklarierten Auswärtsspiele zu. Es sind jedoch zwei Spiele, die ja geradezu einen Wendepunkt in der Performance bedeuten könnten. Die Mannschaft war, wie man liest, in Wohlen keineswegs inferior! Es sind diese guten Momente, die den weiteren Verlauf der ersten Saisonhälfte beflügeln könnten. Die Mannschaft ist entsprechend zu unterstützen. Nicht zuletzt lockt in wenigen Monaten eine runderneuerte, ertüchtigte Anlage: “Stadion im Hafenareal”. Da muss doch was abgehen -auf gehts! Und dem glücklichen FCK-Bezwinger FC Wohlen viel Glück im weiteren Cup-Verlauf!

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