0:1 beim kleinen FC Winterthur

Eine entspannte Fahrt nach Winterthur, ein grosser Parkplatz direkt vor dem Fussballplatz und ein wunderbar im Stadtquartier eingebettetes Fussballstadion. In vielen Reportagen wurde die einmalige Fussballatmosphäre beim FC Winterthur gepriesen – und das ganz zurecht, die Schützenwiese ist ein in der Schweiz äusserst seltenes Juwel für Fussballromantiker.

Schon sind wir aber beim Spagat zwischen Fussballromantik und den Kompromissen an einen Super-League-Betrieb. Das 1.-Liga-Spiel zwischen dem FC Winterthur U21 und dem FC Kreuzlingen fand auf dem Kunstrasen neben dem Stadion statt, der Super-League-Rasen muss wohl geschont werden. Früher empfing die U21 den FC Kreuzlingen im Stadion und wir Fans konnten uns in der Auswärtskurve einrichten, was immer ein Highlight im 1.-Liga-Kalender war. Am Kunstrasenplatz wurde zwar eine überdachte Sitzplatztribüne installiert, aber die Zuschauer können nur eine Längsseite benutzen, was atmosphärisch etwas schade ist. Dafür sieht man die 11 Pappeln am Spielfeldrand, was für eine schöne Symbolik. Sehr grob geschätzte 300 Zuschauer fanden sich ein, darunter mindestens 50, 60 Kreuzlinger, welche sich auf die ganze Längsseite verteilten.

Foto regese.ch

Beim FCW U21 gibt es im Vorfeld keine Spielankündigung, vor Ort kein Matchprogramm, an diesem Tag auch keinen Speaker und auch kein Grill ist in Betrieb, lediglich die Libero-Bar bietet Sandwiches und Getränke, selbstredend gibt es im Nachgang auch keine Spielberichte oder Fotos. Für einen Verein, der sich Fussballromantik auf die Fahne schreibt und auch die Kleinen wichtig nehmen will, ist das zu wenig. Jetzt sollen auch noch die U21-Mannschaften in die Challenge League dürfen, wie soll das werden, wenn sie nicht mal als stolze 1.-Liga-Standorte herhalten können.

Auf dem Rasen ist das natürlich eine andere Geschichte. Der FC Kreuzlingen begann dominant, kam zu einigen Halbchancen, doch das Tor fiel in der 30. Minute auf der eigenen Seite. Das restliche Spiel rannte der FCK diesem Rückstand hinterher. In der 2. Halbzeit drehten die Kreuzlinger nochmals auf, zum Ende des Spiels wäre ein Unentschieden mehr als verdient gewesen. Die Abwesenheit der Gesperrten Yves Seeger und Mido Arifagic wogen schwer, dazu fehlte noch Marvin Meresi.

Levin Nay, Foto regese.ch

Bei Winterthur spielte der Kreuzlinger Levin Nay durch, mit schnellen Pässen bedient er seine Mitspieler und zeichnet sich auch für Standards verantwortlich. Sein Vater und Grossvater sind Urgesteine der Kreuzlinger Fussballszene und waren natürlich am Spiel anwesend. Kreuzlingen hat nicht sehr viele Spieler auf 1.-Liga-Niveau, über eine Rückkehr von Levin würde man sich früher oder später bestimmt sehr freuen.

Den Abend liessen wir in der Libero-Bar ausklingen. Dort wurden uns zur Überraschung preisgekrönte Winti-Würste der Metzgerei Hotz serviert. Extra für uns FCK-Fans eingekauft, streng verboten in der Libero-Bar zubereitet (“suscht wöttets alli”) und unter der Bartheke herausgegeben. Die FCK-Fans wollte man nicht enttäuschen, so leicht ist die Fussballkultur in Winterthur dann doch nicht unterzukriegen.

Nächster Halt der 1.-Liga-Reise ist kommenden Samstag erstmals überhaupt die AC Taverne bei Lugano. Da auch die letztplatzierten regelmässig punkten, wären weitere Punkte zur Winterpause beruhigend.

Dann waren wir letzte Woche gleich zweifach in den überregionalen Fussballmedien. Immer von neuem schön, wie man regelmässig von uns Notiz nimmt – irgendwann kommt wieder jemand auf die Idee bei uns mitzumachen, denn wie schrieb man im ZWÖLF über uns so schön: “steter Tropfen höhlt den Stein”.

ZWÖLF #93, in der Rubrik “Rückennummer”
11 Freunde #253, in der Rubrik Fanzine des Monats

 

2 Comments

  1. Ich bin auch so einer der durch zwölf auf den FC Kreuzlingen aufmerksam wurde. Durch die Ausgabe als ein paar Regionalderbys bei den Amateuren vorgestellt wurden.
    Ja als FCW Fan muss ich auch sagen das es schon recht mager ist was bei 1 Liga Spielen geboten wird. Kein Speaker, kein Matchprogramm oder wenigstens Flyer kein Grill. Das Matchprogramm gibts ja seit der neuen Saison bei A Spielen ja leider auch nicht mehr.

  2. Man hätte sich schon vorstellen können, dass der FCK mit einem Punkt aus Winterthur zurück an den See kommt. Er trat sicher nicht gegen eine Über-Mannschaft an. Daher erwartete ich auf dem Ticker bei zunehmender Dunkelheit die Bestätigung wenigstens meiner 1:1-Träume. Es blieb dunkel. Dabei spielte die Mannschaft die letzten Spiele oft erfolgreich bis zum Schlusspfiff. Man mag erwähnen, dass beim FCK wichtige Spieler fehlten. Das allerdings betrifft ab und zu alle Mannschaften im Saisonverlauf.

    Und so endete für den FCK die erste Hälfte der Meisterschaft mit einer ordentlichen Punktausbeute, die bei Wiederholung in der zweiten Hälfte zu einem knappen Ligaerhalt reichen dürfte. Es fällt auf, dass die Mannschaften der gegenwärtigen zweiten Tabellenhälfte der Gruppe 3 eine relative Ausgeglichenheit repräsentieren. “Favoriten” für einen Liga-Abschied 2023 sind noch nicht auszumachen. Somit bleibt es spannend, was den einzelnen Klubs in der Winterpause alles einfallen mag, um ihre Lage zu ändern. “Einfälle” hängen oft von Faktoren ab, die bei den Clubs unterschiedlich verteilt sein können!

    Die Pflege der zweiten Mannschaften höherer Clubs ist oft suboptimal. Den jungen U21-ern mag das egal sein. Sie spielen mehr für den clubeigenen Scout, der seine Erkenntnisse weiterreichen wird. Dazu braucht es auch an einem kalten Abend keinen Grill. Immerhin funktionierte noch eine Bar. Ist ja auch was. Es sei noch erwähnt, dass es “dazumal” eine eigentliche Reservemeisterschaft der zweiten Mannschaften oberer Ligaclubs gab. Heute wären die breiten Kader durchaus imstande, aus ihnen eine zweite Mannschaft zu bilden. Doch die Spieler werden auf die Bank gesetzt. Das vergrösserte Wechselkontingent hat für die Trainer deutlichen Einfluss auf die spielerischen Möglichkeiten gebracht. Selten werden derart viele Tore um die 90. Minute herum (plus/minus) erzielt. Nun bin ich ganz unbeabsichtigt wieder bei meinen Winterthurer Träumen angelangt!

    Übrigens: Träumen muss ich dann nicht, wenn, wie gestern, mein “Einheit Pankow-U14-Enkel” Basketball spielt. Diejenige (Jugend-) Mannschaft, die aus einer Defensive heraus rasch anzugreifen imstande ist, gewinnt erfahrungsgemäss (meistens). Dabei muss zuerst solide “gepresst” werden. So bin ich wieder beim Fussball, wo mir Erwins Kommando: “Hei no mol, gönd doch ane”, noch immer in den Ohren klingt. Das schnelle Umschalten auf Angriff “pflegten” wir dann eher spärlich. Diese Spielweise – pressen, schnelles Angreifen – hat sich inzwischen in allen grossen Stadien zu einem erfolgreichen Konzept entwickelt. Hätten wir es damals nur gewusst….!

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