Voodoo an der Villa im Walde

Am Samstag gings wieder zur Villa im Walde zum SV Höngg. Natürlich machten sich auch FCK-Fans auf den Weg “uf de Hönggi”, die einen per ÖV mit Bierdose zwischen Streetparade-Publikum, die anderen per Auto an Schwamendingen vorbei mit Baby Jail. Siegesgewiss waren wir alle, 3 Punkte sollten es werden auf dem Hönggerberg. Was sollte schon passieren, hinten sattelfest, vorne kreativ mit Torgarantie, fast schon Super League.

Die Fahnen waren gerade aufgehängte, die epische Einlaufmusik gerade verstummt. Erste Defensivaktion, eine verunglückte Verlängerung, 1:0 für Höngg, 22 Sekunden gespielt. Danach spielte der FCK nur noch im Vorwärtsgang, wie schon gegen Freienbach wurde gut aufgebaut, man hatte Höngg scheinbar gut im Griff, vereinzelt kamen auch Chancen dazu. Nach 38 Minuten kam Höngg zum zweiten Mal vors Kreuzlinger Tor, ein fataler Rückpass, 2:0 für Höngg. Nach der Pause das gleiche Spiel. Kreuzlingen im Ballbesitz, Höngg geschickt am verteidigen. Mit der dritten (!) Chance gelingt Höngg in der 50. Minute das 3:0 – der Bündner Speaker unterm Frisco-Schirm mittlerweile in absoluter Ekstase. Immerhin steckt Kreuzlingen nicht auf und kommt in der 93. Minute zum Ehrentreffer. Beim 4:1-Sieg im März war jeder Kreuzlinger Schuss ein Treffer, nun lief alles umgekehrt. Wie verhext, was sind da für Kräfte am Werk, Voodoo, Schamanen – “aber darüber schreibt natürlich niemand” meinte ein Kreuzlinger am Spielfeldrand. Kreuzlingen am hadern, Kreuzlingen am verzweifeln. Das Spiel ist aus, die erste Saisonniederlage, AC/DC scheppert übers Gelände. Die Foto-Story zum Spiel findet Ihr wie immer auf regese.ch.

Wenns auf dem Platz nicht läuft, bleiben immer noch die Geschichten im Clubhaus. Wie war das jetzt mit eurem 20-, Pardon 12-Millionenbau?. “Mir hend e paar Johr vorher es Clubhuus ehrenamtlich zämäbaut, den hends da abgrisse und üs d’Villa im Walde anegstellt. “Mit Stüüregelder, aber mir nähmets!” – grinsende Gesichter in der Höngger Abendsonne. Währenddessen sitzt im Innenraum der Villa im Walde ein einziger Höngger und sieht sich auf zwei grossen Bildschirmen Parallel zwei Super League – Spiele an. Wir holen nochmals eine Runde frischgezapftes Appenzeller Bier, sitzen auf der Terrasse, schwelgen im Höngger Luxus.

Höngger Luxus, doch der Kunstrasen gehört nicht zum geliebten “Vecchio Stile”, wie ein Fan bemerkte.

Randnotizen: rund 200 Zuschauer, Matchprogramm, gute Würste der Metzgerei Angst, Fussball auf dem Hönggi ist nicht verkehrt.

Der 1.-Liga-Train rollt weiter, am kommenden Sonntag um 14.00 Uhr Ostschweizer Derby gegen Uzwil, am folgenden Montag Siegerehrung Hafetschutter an der GV, danach gehts auswärts international zum USV Eschen-Mauren.

1 Comment

  1. Nach der Meisterschafts-Eröffnungspartie im Hafenareal überbot sich die Thurgauer Zeitung in ihrem Spielbericht mit der Überschrift: “Ein Fussball wie in der Super League”! Journalistenlatein als Aufhänger – o.k. Gemeint war wohl der FCK, aktuell weniger der FC Freienbach, der inzwischen bereits seine zweite Niederlage erlebte.

    Nun versuchten die Kreuzlinger 1905-er mit der Freienbacher Vorlage den Zürcher Hönggerberg super zu erstürmen und handelte sich mit einem Tor in der ersten Minute gleich eine spielvorläufige Höchststrafe ein. Was folgte ist Standard: man fängt an, mächtig zu stürmen, um das Trauma rasch wettmachen zu können. Dass dies öfter schief läuft, ist bekannt. Es entstehen zwar einige Torchancen, aber auch ein 2:0, gar das 3:0, endlich dann eine tröstende Verschönerung. Das wars gegen einen Gegner, der vom AC Taverne immerhin ein Unentschieden über den Gotthard brachte, Taverne nun in Uzwil sogar mit einem Sieg brillierte.

    Nein, der FC Kreuzlingen ist (noch?) kein “Überclub”. Er ist, wie die Hälfte der Teams der 1. Liga Classic vorerst bemüht, die Klasse zu halten. Das ist ein Ziel, das besonders immer wieder “erkämpft” werden muss. Die klassische 1. Amateurliga spielte schon stets einen kräftigen Fussball mit gleichzeitig gutem Technikhintergrund. Daher ist dieser “starke Fussballstil” oft attraktiv, nicht langweilig wie manche quer-quer und nach hinten Spielereien. Aber wenn mal nach hinten: bitte nicht wie auf dem Kunststoffgeläuf-Hönggerberg. Schwamm drüber!

    Es geht nach vorne! Nun folgt gegen den alten Rivalen FC Uzwil bereits ein entscheidendes Heimspiel als kleiner Hinweis auf den weiteren Verlauf der Meisterschaft. Die Wettbewerbsfähigkeit des FCK, sich in der 1. Liga Classic behaupte zu können, ist wohl gegeben. Wettbewerbsfähig sogar noch, wenn mal “Die Fischerin vom Bodensee” nicht mehr über das Hafenareal trällern sollte (Es herrscht sowieso bald mal ein Felchen-Fangverbot!). AC/DC vom Hönggi wäre da schon ein Stück härter. Stadion-Hintergrundmusik: Fussballästhetisch ungelöst. Sportaffine Komponisten und Dichter mal ran. Ein flottes “Hopp FCK 1905” zum Nachsingen. Dann anschliessend gewinnen. Geht doch!

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