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Es war einmal…

Kicker in Konstanz

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Da ich schon diverse Anfragen bezüglich Bensemann / Kicker (100-Jahr-Jubiläum) hatte, wärme ich hier nochmal einen alten Beitrag aus dem Seagulls-Roar!-Blog auf, angereichert mit ein paar neuen Erkenntnissen.

Die Aufnahme (Copyright „Verlag – Die Werkstatt“) zeigt die ersten Ausgaben des Kicker welche per Leiterwagen vom Verlagshaus in Konstanz nach Kreuzlingen zum Verkauf gebracht wurden. Links neben dem Leiterwagen Kicker-Gründer Walther Bensemann. Die Aufnahme stammt vom 13. Juli 1920.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Druckerei Reuss&Itta am Fischmarkt in Konstanz vom Südkurier übernommen. Das obenstehende Foto zeigt die Druckerei in den 1950er-Jahren von der Fischmarkt-Seite. Das Hauptfoto zeigt die Vorderseite des Gebäude-Gevierts von der Marktstätte her. Der ganze Komplex steht noch heute.

Nachtrag von Nicky aus Neunkirchen: Der Kicker wurde in Konstanz im Druckhaus Reuss&Itta gedruckt. Das Bild stammt vom Dienstag, 13. Juli 1920 und zeigt die Erstausgabe des Kickers. Die ersten Hefte der Auflage gingen ins Ausland. Das Foto wurde extra von Bensemann organisiert, der nen Fotograf zur Zollstelle in Kreuzlingen bestellt hatte. Der Kicker hatte drei Büroräume über der Druckerei und der Chef der Druckerei hiess Eduard Reuss. Der einzige Mitschreiber Hanns-Jakob Müllenbach (geb. 28.6.1903, auf dem Bild am Karren) war damals siebzehn Jahre alt, stand eines Tages im Büro von Bensemann und wollte für ihn arbeiten. Neben Müllenbach sind einige Mitarbeiter der Druckerei zu sehen die beim karren geholfen haben und eben die Zollbeamten.

und hier noch eine Ergänzung vom Seagulls Roar! Bensemann war Jude und emigrierte 1933 in die Schweiz. Sein Nachfolger als „Kicker“-Chef wurde sein einstiger Schüler und Weggefährte Hanns Jakob Müllenbach (1903–1944) und dieser begann schliesslich Verrat an seinem einstigen Mentor.  Er verunglimpfte Bensemann, der sich zeitlebens für den international verbindenden und pazifistischen Charakter des Spiels einsetzte, schon bald in einem Artikel als Asphaltliterarten welcher die Flucht ergriffen hätte.

Bega Beerli auf Amerika-Reise

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Der vielleicht beste Kreuzlinger Fussballer der Nachkriegszeit, Walter “Bega” Beerli war nicht nur bei der WM 1950 in Brasilien dabei, er war mit dem FC Zürich 1959 auch auf der legendären “Amerika-Reise”.

Bei einem Zwischenstopp in Spanien traf der FC Zürich am 28. Januar 1959 vor 40’000 Zuschauern auf Real Madrid. Bei der 2:5-Niederlage erzielte Beerli in der 80. Minute das zweite Zürcher Tor.

Anschliessend flog der FCZ in die Karibik und traf am 4. Februar 1959 auf den Niederländischen Antillen auf Centro Dominguito (1:1, 3’000 Zuschauer) und SUBT Willemstad (0:0, 8’000 Zuschauer). Bei Dominguito wird auf “Hartbelag” gespielt und das bei über 30 Grad (Spielbeginn 20.30 Uhr), die Zürcher werden mit “Schwärmern- und Böllerschüssen … nebst einem stattlichen Musikkorps … begrüsst”. Beide Verein existieren übrigens noch heute. Anschliessend flog der FCZ mit Beerli nach Los Angeles. Am 19. Februar 1959 traf der FCZ auf ein Team namens Canvasbaks. Das Spiel fand vor 150 Zuschauern (!) statt und wurde von einem American-Football-Schiedsrichter (!) geleitet. Nach einem Boxkampf zwischen FCZ- und Canvasbaks-Spielern wird das Spiel in der 72. Minute abgebrochen. Anschliessend essen alle bei fröhlicher Stimmung im Switzerland-Restaurant. Drei Tage später trifft der FCZ auf eine Stadtauswahl von San Francisco und gewinnt vor 7’000 Zuschauern mit 8:1. Vor dem Spiel gibt die Schweizer Kolonie Dialektlieder zum besten. Beerli spielt bei sämtlichen Partien.

Infos von dbFCZ

Auf dem Foto ist Walter Beerli in der oberen Reihe als fünfter von links zu sehen.

Beerli lässig mit Kippe im Mundwinkel ab 0:17:

Video-Zugabe

Eine Nacht in Sao Paulo

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Morgen spielt die Schweiz an der WM gegen Brasilien. Unentschieden ist die Bilanz gegen den 5-fachen Weltmeister. Denn im einzigen WM-Spiel zwischen diesen beiden Teams trotzten die Schweizer 1950 dem haushohen Favoriten und Gastgeber ein 2:2 ab. Vielleicht, ja vielleicht hätten die Schweizer vor 68 Jahren Brasilien geschlagen, wenn der Kreuzlinger Walter “Bega” Beerli nicht in der Nacht zuvor die Bars von Sao Paulo erkundet hätte. Wann kommt man Anfang der 1950er-Jahre schon nach Südamerika? Keep Reading

Auf den Spuren von Karl Hautle

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Der aufmerksame Leser weiss es, bei “Erinnerungen ans Espenmoos” stiess ich auf einen Georg Hautle – dessen Vater Karl einst beim FC Kreuzlingen spielte (Foto in der Mitte mit Hut). Hier das Resultat meiner anschliessenden Recherche. Keep Reading

Das Grenzland-Stadion und Vicente del Bosque an einem Abend!

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Zuerst mal setzen. Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Die Deutsche Akademie für Fussball-Kultur zeichnet meine Bemühungen um die Erinnerung an die Kreuzlinger Fussballgeschichte in Fanzines, Zeitungsartikeln, Re-Prints, Matchprogrammen, der Norman-Smith-Bande, der Festschrift etc. mit dem Preis “Fussball-Erinnerung des Jahres” aus – im Besonderen für meine “Erinnerungen ans Grenzlandstadion von 1931 bis 1959”. Für mich eine grossartige Anerkennung an meine jahrelange, zeitintensive und manchmal wohl auch etwas verrückte Leidenschaft für diesen verhältnismässig kleinen Verein und seine Geschichte. Keep Reading

101. Teil: Torwart Merz

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Der FC La-Chaux-de-Fonds wurde zwischen 1948 und 1964 sechsmal Schweizer Cup-Sieger und dreimal Schweizer Meister. Im mit legendären Spielern gespickten Team (Antenen, Kernen, Mauron, …) stand während der Saison 1951/52 ein Kreuzlinger im Tor. Bei acht Spielen, als Ersatz für Stammtorwart Bosshard.

(Helmut?) Merz, der Sohn eines Metzgermeisters (Jahrgang ca. 1931) spielte in der Jugend mit Walter “Bega” Beerli beim Nachwuchs des FC Kreuzlingen (Titelfoto ca. 1946  Merz unten links, Beerli oben dritter von links). Spätestens 1950/51 wurde er in der 1. Mannschaft des FC Kreuzlingen (2. Liga) eingesetzt. Nach der Episode in der Uhrenstadt, wohl der Karrierehöhepunkt, spielte Merz beim FC St. Gallen in der Nationalliga B. Spannend am Titelfoto vom Sportplatz an der Konstanzerstrasse: Das Kopania-Gebäude im Hintergrund steht noch heute, mitsamt dem davorstehenden Holzhäuschen. Weiss jemand mehr zum Kreuzlinger Torwart Merz?

Es war einmal… (99. Teil): Die Basler Connection beim FCK

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In den 1930er-Jahren lieh der FC Kreuzlingen regelmässig Spieler von Profi-Vereinen. Die Verbindungen zum FC Basel schienen besonders gut gewesen zu sein. Mannschaftsfoto: Kurt Imhof und Emil Hummel mit dem FC Basel als Schweizer Cupsieger 1933.

Emil Hummel

In der Winterpause 37/38 verstärkte sich der FC Kreuzlingen mit dem Stürmer Emil Hummel vom FC Basel. Dieser war deutscher Staatsangehöriger, wurde 1911 geboren und spielte von 1931 bis 1938 beim FC Basel wo er zu 132 Einsätzen und 16 Toren kam. Emil Hummel gewann mit dem FC Basel 1933 den Schweizer Cup, den ersten nationalen Titel für die Rot-Blauen. Hummel spielte von Januar 1938 bis zum Sommer 1939 beim FC Kreuzlingen, weitere Stationen sind nicht bekannt.

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