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FC Bassersdorf

Lichterbox im Bassi-Zelt

in Vor- und Nachbetrachtungen by

Gleich neben dem Platz rasen die Schnellzüge nach Zürich, über unseren Köpfen donnern die Flugzeuge in die Welt hinaus, wir sind erstmals beim Fussball in Bassersdorf.

Nach acht Minuten steht es 2:0 für den FCK, traumhafte Spielzüge! Die Kreuzlinger Zuschauer prosten sich bereits zu, schreiben entzückte Nachrichten an die Daheimgebliebenen.

Zwei Minuten später: 2:2, Fassungslosigkeit. In der Folgezeit zeigt Bassersdorf sein furchtloses Kämpferherz. In der 35. Minute steht es 3:3, Bassersdorf drückt den FCK in die eigene Hälfte. Die Grün-Weissen kassierten in 35 Minuten bereits soviele Treffer wie in 450 Spielminuten zuvor. Mit einem eher schmeichelhaften 4:3 für Kreuzlingen geht es in die Kabine.

In der zweiten Halbzeit schwinden die Kräfte der Zürcher Unterländer. Doch auch beim krank spielenden Sven Bode neigt sich die Kraft dem Ende zu, der Schiedrichter erkundigt sich bei Kürsat: “was macht der Spieler Nummer 11 hinter der Eckfahne?” Kürsats knappe Antwort “der kotzt gerade”. Sven spielte natürlich weiter und hatte noch manchen Kampf auszustehen (Foto oben).

Auch die anderen Kreuzlinger hatten den Bassi-Kampf längst angenommen. Trotzdem bange Schlussminuten für die Thurgauer Zuschauer, in der Nachspielzeit das entscheidende 5:3, grosse Erleichterung und entspannte Gesichter bei allen Beteiligten.

Nun gings zurück ins Clubhaus-Provisorium, dem Bassi-Zelt. Hier wird einem das Bier von motivierten Junioren in Dessert-Plastikschalen ausgeschenkt. Appenzeller Kristallbier, wie Marko anerkennend bemerkte. Der Junior strahlte uns an und wünschte einen schönen Tag. Der sympathische Grillmeister erkundigt sich sogleich mehrfach ob die Würste wirklich munden, Matchprogramme werden einem gleich mehrere gereicht (“hätt eh zviel”).

Während wir das Bier aus den Dessertschalen zu uns nehmen, lauschen wir der Doppel-Musikbeschallung im Bassi-Zelt. Lambada kommt von links, von rechts wummert die Disko-Lichterbox des Grillmeisters hinüber. Die Leute sind alle unwahrscheinlich freundlich. Marko und ich trinken ein letztes Bier im Bassi-Zelt, an uns balancieren Jugendliche mit ihren weissen Markenturnschuhen staksend durch die dreckige Wiese. Soweit weg vom Glitzerfussball. Soviel Improvisation. Man braucht wenig für einen guten Abend, in Bassersdorf hat man die Zutaten.

Gruppeneinteilung 2019/2020

in 2. Liga Interregional by

Hilfe, unser Stadtrivale AS Calcio auf dem Titelbild! Aber keine Angst, ich bin nicht ins Döbeli übergelaufen. Es wurde nur die Gruppeneinteilung für die Saison 2019/2020 vorgenommen – und wenig überraschend spielen nächste Saison beide Kreuzlinger Vereine in der 2. Liga Interregional Gruppe 6.

Die weiteren zugeteilten Aufsteiger aus der 2. Liga heissen FC Bassersdorf und FC Weesen (ersetzen mit Calcio die Absteiger Frauenfeld, Uster und Dübendorf). Ebenfalls neu in unserer Gruppe ist der 1.-Liga-Absteiger FC United Zürich (ersetzt den in die 1. Liga aufgestiegenen FC Balzers).

Eine Überraschung hatte die Einteilung dann doch parat. Der FC Blue Stars Zürich verlässt unsere Gruppe (neu Gruppe 5) und wird ersetzt durch den FC Lugano U21 aus der Gruppe 4.

Die AS Calcio qualifizierte sich als 2.-Liga-Meister der OFV Gruppe 2 mit 15 Punkten Vorsprung auf den FC Abtwil-Engelburg und blieb die ganze Saison ohne Niederlage. Zudem wurde der Verein vom Autobahnanschluss mit einem 4:2-Finalsieg über den FC Altstätten OFV-Cupsieger und qualifizierten sich damit für die Hauptrunde des Schweizer Cups. Das Triple perfekt machten die Himmelblauen mit einem 4:2-Sieg über den FC Weesen im Finale um den 2.-Liga-Regionalmeister. Was für eine Traumsaison für unseren Stadtrivalen! Natürlich war das die beste Saison in der Geschichte des 1990 gegründeten Vereins vom Döbeli.

Die Derbys sollte man jetzt nicht klein reden, diese sind eine ganz aussergewöhnliche Sache für die Sportstadt Kreuzlingen und die ganze Region. Wenn das kein Fussballfest gibt! Ein historisches noch dazu, denn noch nie spielten zwei Kreuzlinger Fussballvereine mit ihren 1. Mannschaften in einer Liga. Nicht nur die Derbys werden spannend, der ganze Meisterschaftsverlauf verspricht durch den Aufstieg mehr Brisanz im Kreuzlinger Fussball. Welcher Verein steht am Ende der Saison vor dem anderen? Wie stand es so schön in der Thurgauer Zeitung:

Das Thurgauer Fussballherz schlägt in Kreuzlingen, kommt es zu Derbys beginnt es zu rasen!

Das Stadtderby – ein Thema welches mich in diesem Blog noch öfters beschäftigen wird.

Doch wer sind die weiteren Neulinge?

Der FC Bassersdorf qualifizierte sich durch einen 3:2-Auswärtssieg beim FC Unterstrass als 2.-Liga-Meister der FVRZ Gruppe 2 mit nur einem Punkt Vorsprung auf den FC Phönix Seen. Der Verein wurde 1968 gegründet und spielte bisher eine Saison in der 2. Liga Interregional (2007/2008). Ich kann mich an keine Pflichtspiele gegen Bassersdorf erinnern.

Der FC Weesen feierte mit dem Aufstieg den grössten Erfolg seiner noch recht jungen Vereinsgeschichte (gegründet 1961). Der Ort zählt nur 1’650 Einwohner und ist idyllisch am Walensee gelegen. Ein echter Dorfverein und Underdog, auch das gehört dazu.

Der FC United Zürich wurde 2010 gegründet um einst die Super League zu gewinnen. Der Nachfolgeverein von Fenerbahce Zürich schaffte es innert weniger Jahre von der 4. Liga bis immerhin in die Promotion League. Ein beachtliche Leistung. Der Zenit war dann aber überschritten und es folgte ein Doppelabstieg in unsere Liga. Der FC Kreuzlingen spielte noch kein Pflichtspiel gegen die auf dem Sportplatz Buchlern beheimateten Zürcher. Ein gefallener Utopist, auch das natürlich spannend.

Das Reserve-Team des FC Lugano schloss die letzte Saison in der Gruppe 4 auf dem starken 2. Platz ab, dürfte also ein Aufstiegsfavorit sein. Die Heimspiele trägt die U21 auf dem Nebenplatz B2 des Cornaredo aus (Foto). Tessiner Spiele! Auch das etwas besonderes, wenn auch logistisch aufwendig.

Eines steht schon jetzt fest, es wird eine hochspannende Saison mit vielen attraktiven Gegnern, ergänzt durch fünf völlig neue Gegner. Praktisch jeder Verein unserer Liga steht für eine Geschichte – perfekte Zutaten für die Zuschauer.

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