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Stadtderby

3:0-Sieg im Stadtderby

in Stadtduell FCK vs Calcio by

Stadtderby. Ein klangvolles Wort für Fussballfans. Am 31. August 2019 war es soweit, dass erste (Meisterschafts-)Stadtderby in der 114-jährigen Fussballgeschichte der Grenzstadt am Bodensee. Und das erste Spiel überhaupt zwischen dem FC Kreuzlingen und dem AS Calcio.

Bereits eine Stunde (!) vor Spielbeginn besetzten die FC-Veteranen die besten Sitzplätze auf der Tribüne, man konnte die Anspannung spüren. Am Ende sollten 680 Zuschauer der Partie beiwohnen. Diese Saison durchaus ein Kandidat für das am besten besuchte 2.-Liga-IR-Spiel der Schweiz.

Das Spiel begann mit einem Paukenschlag. Nach 45 Sekunden die FCK-Führung durch Manuel Stark! Nach 16 Minuten das 2:0 durch Abbas Karaki! Wo war Calcio? Es spielte nur der FCK. Zu Beginn der 2. Halbzeit wurde der Traditionsverein passiver. Die Zuschauermeinungen waren geteilt – darf man sich nach dem 2:0 zurückziehen oder muss man das Glück weiterhin im Offensivfussball suchen? Jedenfalls wurde auch diese passivere Spielzeit schadlos überstanden. Dann drehte der FCK wieder auf. Während Alajdin Pajaziti von Calcio mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde (77.), erzielte kurz darauf sein Verwandter Elmedin Pajaziti das 3:0 für den FCK (83.). Das erste Derby war Geschichte. Der Herausforderer holte sich beim Platzhirsch eine blutige Nase, man muss es so deutlich sagen.

Leider blieb der Tag nicht rundweg positiv. Defensivmotor Süleyman Celikyurt zog sich beim Spiel einen Mittelfussbruch zu, wir wünschen ihm gute Genesung!

Was war das für ein Rummel vor dem Spiel. Drei Tage vor dem Stadtderby wechselte FCK-Stürmer Giovanni Pentrelli in einer Nacht- und Nebelaktion die Seiten und heuerte beim Stadtkonkurrenten an. Gegen Widnau noch zusammen gejubelt und schon beim ärgsten Konkurrenten. Vereinstreue und unterschriebene Verträge zählen auch im Amateurfussball bei vielen anscheinend nichts mehr, dafür legt man umso mehr Wert auf kleine persönliche Vorteile die man sich durch einen Wechsel herauszuschlagen erhofft. Das man damit die ehrenamtlichen Helfer und treuen Zuschauer vor den Kopf stösst – egal.

Dann noch ein paar Sätze zu Calcio, welcher sich in der Öffentlichkeit ja gerne als der sympathische, familiäre Kreuzlinger Fussballverein zu verkaufen versucht. Calcio ist kein Stadtkonkurrent, Calcio versucht derzeit den FCK zu vernichten. Hört sich dramatisch an, ist aber so. Was passiert wenn bei Calcio jedem Junior der Jahresbeitrag durch eine Stiftung übernommen wird? Genau, auf Dauer geht kein Nachwuchsspieler mehr zum Stadtrivalen. Da kann man noch so gute Trainer stellen. Da wechselt man sogar in viel schlechtere Juniorenteams, einfach weil es dort kostenlos ist. Was passiert dann? Man wirbt dem Nachbarn auch noch die Trainer ab. Dann sterben Mannschaften, der Verein der sich korrekt verhält muss Bussen zahlen. Eine kostspielige aber schlaue Taktik um den Gegner kaputt zu machen. Am Ende erhält man auch noch den Platz, welchen man an der Volksabstimmung (trotz FCK-Unterstützung) nicht durchbrachte – den Kunstrasenplatz. Ist dann halt derjenige des FCK. Das läuft auf Juniorenebene derzeit, aber Calcio geht in allen Bereichen mit gleicher Strategie vor.

Grundsätzlich mag ich die Leute hinter Calcio – es sind Kreuzlinger die sich für den hiesigen Fussball einsetzen. Mit Engagement und Kontinuität. Doch dies wird im ambitionierten Bereich, welcher Calcio nun anstrebt, nur zusammen mit dem FC Kreuzlingen gehen, in einem gemeinsamen Verein. Ansonsten wird das eine einsame Geschichte. Calcio könnte auch zwei Ligen über dem FCK spielen, sie hätten selbst dann weniger Zuschauer als die Grün-Weissen. Wir alle wissen, die Liga alleine zieht nicht. Natürlich sind die Zuschauer finanziell praktisch unwichtig (so ehrlich muss man es leider sagen), aber Erfolg misst sich eben nicht nur im sportlichen Bereich. Es ist eine Sache der gemeinsamen Leidenschaft.

Schliessen wir mit etwas weniger Ernstem. Trotz zahlreicher Absenzen konnten wir auch auf Fanseite das Spiel positiv gestalten. Knapp 20 FCK-Fans fanden sich im Norman-Smith-Stand ein. Fast sämtliche alte und neue home&away-Zaunfahnen kamen zum Einsatz, dazu fünf neue Schwenkfahnen, zwei Spruchbänder zu aktuellen Themen und zu Beginn der 2. Halbzeit zeigten wir eine kleine Choreo mit allen Fahnen und etwas Rauch gegen die Bodenseemücken. Die Vecchi-Ultras des FCK haben nochmals zugeschlagen.

Das 1. Kreuzlinger Stadtderby!

in Vor- und Nachbetrachtungen by

Am Samstag steigt das 1. Kreuzlinger Stadtderby! Ein historisches Spiel, denn dies gab es in der Meisterschaft noch nie seit dem organisierten Beginn des Kreuzlinger Fussballspiels im Jahre 1905. Lediglich ein legendäres Cup-Spiel gegen Rot-Weiss Emmishofen kam in der Stadt zur Austragung, doch auch dieses ist bereits einige Jahrzehnte her. Damals war das Spielfeld mit Schnee bedeckt, die FCK-Spieler schaufelten es vor dem Spiel frei und verloren danach entkräftet gegen die unterklassigen Rot-Weissen…

Ein Testspiel zwischen beiden Vereinen galt als undenkbar. Jetzt kommt es in der Meisterschaft zum Ernstkampf. Der FC Kreuzlingen ist seit 20 Jahren die Thurgauer Nummer 1, nun wird ihm dieser Rang ausgerechnet in der eigenen Stadt streitig gemacht.

Alles begann als sich fünf Brüder vom FCK abwandten, Rot-Weiss Emmishofen gründeten und später die unzufriedene Italiener-Sektion des FC Kreuzlingen dazu stiess. Die Italiener wollten in die 2. Liga aufsteigen, konnten aber nicht – weil dort die 1. Mannschaft des FCK spielte. Also fusionierten sie mit dem RWE-Nachfolger AS Nuova Italica zum AS Calcio. Das war 1999. Für den geplanten Aufstieg in die gleiche Liga benötigten die Abtrünnigen aus Kreuzlingen-West dann sagenhafte 20 Jahre.

Erst das aufkommen der Callcenter brachte den Erfolg. Calcio-Spieler verfolgen einen seither mit Werbeanrufen bis in die eigenen vier Wände. Alte Italiener halten wiederum treu zum FC Kreuzlingen wegen den gemeinsam erlebten glorreichen Zeiten. Es tobt ein Bruderkampf in der Hafenstadt.

Grün-Weiss gegen Himmelblau, Tradition gegen Millionarios, Bratwurst gegen Salsiccia. Die Mitglieder der Vereine sitzen schon jetzt nervös in ihren Clubhäusern im Hafenareal und im Callcenter Tägerwilen in Kreuzlingen-West. Samstag, 16.00 Uhr, Tag der Entscheidung.

Ein Spiel welches eine grosse Zuschauerkulisse verdient. Wird ein Zuschauerrekord fallen? Die Bestmarke seit der Rückkehr ins Hafenareal 2006 liegt bei 850 Zuschauern (5.11.2011, Thurgauer Derby gegen Frauenfeld).

In eigener Sache: Im Norman-Smith-Stand werden am Stadtderby nach den Jacquard-Schals nun auch die neuen Seiden-Fanschals erhältlich sein.

Zeitungsartikel und Updates zum Derby erscheinen hier verlinkt.

Werden in Kreuzlingen die Machtverhältnisse neu sortiert?

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