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Zahlensalat zur Vorrunde

in 2. Liga Interregional by

Die Tabelle (Differenz zum Tipp vor der Saison): 1. Chur 97 (5.), 2. Seuzach (9.), 3. Kreuzlingen (1.), 4. Amriswil (8.), 5. Uzwil (3.), 6. Calcio (6.), 7. Widnau (11.), 8. Lugano (2.), 9. Weesen (13.), 10. Rüti (4.), 11. Wil (12.), 12. Bassersdorf (10.), 13. Bazenheid (7.), 14. United Zürich (14.)

Die Gewinner der Vorrunde: Chur 97 holte gute Spieler und reihte Sieg an Sieg, wieso benötigt Chur dafür keine Aufbauzeit? Frechheit. Seuzach hatte ich schon alle Ambitionen abgesprochen, ein Fehler.

Die Verlierer der Vorrunde: Uzwil bringt seit Jahren die PS seiner Spieler nicht auf den Rasen. Von Lugano erwartete man einen Orkan, es kam ein laues Lüftchen. Bei Rüti ballern die Sylas wie eh und je, nur reicht es nicht mehr.

Spasstüte der Vorrunde: United Zürich mit seiner Sommervorbereitung während der Meisterschaft.

Webmaster der Vorrunde: AS Calcio, entdeckte den Veröffentlichungs-Button erst zur Winterpause. United sucht ihn noch immer.

Medien-Preise der Vorrunde: regional-fussball.ch und Live-Ticker FC Seuzach. 11 Freunde für die 2. Liga Interregio.

Zuschauerzahlen Vorrunde 2019 (Differenz zur letzten Saison): 1. FC Widnau 335 (-5), 2. Chur 97 300 (+40), 3. FC Kreuzlingen 270 (+35), 4. FC Seuzach 220 (+35), 5. FC Amriswil 180 (+25), 6. FC Bazenheid 170 (+50), 7. Lugano U21 150*, 8. FC Uzwil 135* (-45), 9. FC Weesen 131, 10. FC Rüti 130* (-85), 11. Wil U20 125 (-25), 12. FC Bassersdorf 115, 13. AS Calcio 105, United Zürich 50. *bei diesen Vereinen liegen nur wenige Zuschauerzahlen vor

Die bestbesuchten Partien der Vorrunde: 1. FCK – Calcio (680), 2. Widnau – Weesen (440), 3. Chur – FCK (355)

Die besten Torschützen: 1. Taulant Syla (Rüti, 14), 2. Miguel Teixeira (Bassersdorf, 13), 3. Rafael Deplazes (Chur, 10), 4. Silvan Eggmann (Amriswil, 9), Abbas Karaki (Kreuzlingen, 9), Maximilian Knuth (Chur, 9), Caner Türkmen (Seuzach, 9)

Im aktuellen Zeitspiel

in Gedanken zum Amateurfussball by

Die aktuelle Ausgabe des Zeitspiel-Magazins widmet sich dem Unterbau des europäischen Fussballs. Über den Schweizer Amateurfussball durfte ich in einem dreiseitigen Interview ausführlich Auskunft geben. Dazu gibt es unter der Rubrik “Fussballwelt” ein doppelseitiges Fan-Bild vom Stadtderby. In den letzten Wochen gabs damit fast 10 Seiten FCK in überregionalen Fussball-Magazinen. Wer mehr über die europäischen Elite-Amateurligen erfahren möchte: Hier geht’s zur Heftbestellung. Das Zeitspiel legt seinen Schwerpunkt übrigens in allen Ausgaben auf die Traditionsvereine unterhalb der grossen Ligen und ist nur im Direktbezug erhältlich, am besten man löst gleich ein Abo.

Bei den Schwarzen Teufeln

in Allgemein by

Borussia Neunkirchen und sein Ellenfeld-Stadion. Saarländische Fussball-Legenden, düstere Orte, tonnenschwere Geschichte, herzliche Menschen – all das gab es auf unserer Fussballkultur-Reise.

Neunkirchen, ein Stadtbild wie man es eher in England verorten würde. Steile Strassen an denen dicht an dicht heruntergekommen Häuserwände kleben. Ohne Eingemeindungen kaum über 20’000 Einwohner, kaum ein sichtbares Zentrum, Nebel an diesem Novembertag, überall Erinnerungsorte an ehemals grosse Zeiten der Industrialisierung, ein paar Lichter brennen als Erinnerung an die Progromnacht vor 81 Jahren. Grau und Düster präsentiert sich uns das ehemalige Bergbau-Städtchen.

Mittendrin beim örtlichen REWE-Markt erhebt sich vor uns wie ein altes gestrandetes Schlachtschiff das Ellenfeld-Stadion. Hier wird seit über 100 Jahren Fussball gespielt, mitten im Ort, lange erstklassig. Die Tribünenausbauten zeugen von den drei Bundesliga-Jahren Ende der 1960er. Dieser Bau mit seinen unterschiedlichen Tribünen, seiner angebauten Turnhalle, seiner legendären “Spieser-Kurve” nimmt uns für die nächsten Stunden in Beschlag. Fast alle Einwohner des Ortes würden hier drin Platz finden, es ist aber nicht unbedingt die Grösse, es ist die Aura die uns fortan nicht mehr los lässt.

Wir treffen Tobias, er hat ein Buch über das Ellenfeldstadion geschrieben. Er berichtet uns auf einer Führung über die glorreichen und tragischen Momente der “Schwarzen Teufel”. Das Ellenfeldstadion ist der monumentale Stolz des Vereins, des ganzen Ortes. Das einzig verbliebene was Neunkirchen ausmacht, es abhebt, besonders macht. Der Verein war immer Spiegelbild der Wirtschaft, es gab goldene Zeiten im Ort, tragische Entlassungswellen. Die Schliessung der Schwerindustrie traf den Ort hart, in jüngster Zeit sieht es auch nicht rosig aus.

Wir sind beeindruckt, staunen, bewundern. Unsere Gefühle gehen auf Achterbahnfahrt, mit Beginn des Spiels wird uns langsam etwas anderes klar, der ganze Ballast dieses rostenden, verfallenden Monuments.

Nach der Führung also das Spiel. Saarland-Liga, der Gegner heisst SV Saar 05, ein Traditionsduell. Fehlpässe, 200 Zuschauer, dem FC Kreuzlingen würde ich gute Chancen ausrechnen. Es gibt ein paar Fans mit Trikot und Schal, alle über 40, 50 dazu ein paar Zaunfahnen (Fan-Fanfreundschaft mit Schwarz-Weiss Essen, einem anderen Gefallenen). Wir haben nicht mehr erwartet. Selbst nennen sich die Zuschauer scherzhaft “die letzten ihrer Art”. Ein Museum wider Willen.

Rhytmisches Klatschen der Borussen auf der Tribüne, darunter einige alte Spieler-Helden der Borussia, alle über 70, 80 Jahre alt. Es nützt nichts. Die 2. Halbzeit läuft, 0:1, 0:2 für den Gast aus Saarbrücken. Ein einsamer Saar-Fan führt einen Freudentanz im Gästeblock auf und ballt die Fäuste in den Himmel. Die Schwarzen Teufel nehmens gelassen, die Aufstiegsplätze zur Oberliga sind weit entfernt, absteigen sollte man auch nicht. Es geht schon im November um nichts mehr.

Das Gesehene entfaltet Wirkung auf unsere Reisegruppe. Drückende Tradition, ein monumentales Stadion welches eine immense Erwartungshaltung ausstrahlt. Das Ellenfeld scheint fast von selbst zu rufen: “Gewinnt, macht uns keine Schande, wir sind doch soviel Grösser!”. Vereine wie Kreuzlingen können sich im Amateurfussball arrangieren, hier fällt so etwas ungeheuer schwer.

Es spricht sich herum das Schweizer hier sind, es wird uns Bier spendiert, es werden Fanzines gekauft, der sympathische Präsident lädt uns in den VIP-Raum. Die “Neinkeijer” erzählen uns von ihrer Geschichte. Dem Bundesliga-Abstieg mit dem Phantom-Tor. Ein älterer Fan kommt auf mich zu: “Mein Vater war Kameramann beim WDR, ich fuhr die Filmrollen ins Studio, hätte ich sie doch in einen Fluss geworfen, vielleicht wäre das Spiel nie wiederholt worden, würde Borussia noch in der Bundesliga spielen”. Ein Fan der seinen Verein selbst zum Schafott brachte, eine amüsant-tragische Anekdote.

Der Präsident erzählt uns wie er noch Stunden vor dem Spiel gegen Saar 05 helfende Hände suchte um den Spieltag über die Bühne zu bringen. “Ein Dorfverein hats da viel einfacher”, hier findet sich niemand nach dem Niedergang. Die Frau des Präsidenten steht also hinter dem Tresen, ein paar wenige machen alles und das eigentlich viel zu professionell für die Liga. Ein Hochglanz-Matchprogramm, eine starke Internetseite, ein kleiner Fanshop, ein Kraftakt. Die Vereinsgaststätte im Stadion musste schliessen, es findet sich kein Personal mehr. Der Verein hat die gleichen Probleme wie jeder Amateurverein, nur noch grössere Sorgen durch sein Ellenfeld, vielleicht auch grössere Hoffnungen.

Einmal kam ein Investor, er wollte einen Neuanfang, ein neuer Sportplatz etwas ausserhalb der Stadt sollte es werden, eine kleine Tribüne die ja reichen würde. Eine Viertelstunden hörten ihm die Fans zu. Dann wurde der Investor mit Schimpf und Schande überhäuft: “Das Ellenfeld, den ganzen Stolz, die Erinnerung aufgeben, niemals!”. Der Investor in spe stieg in sein Auto und wurde nie mehr gesehen.

So kämpfen die Neunkirchener weiter mit ihrem Stadion, stopfen Löcher, sperren Tribünen, hantieren mit Farbeimern an ihrer Geschichte. Sie können nicht ohne ihr Stadion sein, ihrem Ort der Erinnerung, der Identifikation. Eine Frau mit gestrickter Borussia-Schürze stellt mir ein nächstes Bier auf den Tresen, ihr Schwiegervater, heute über 90, bekäme immer noch Autogrammkarten zugeschickt. Sie berichtet mir von der Stadt die eine Tribüne abbrechen wollte, aber die Abrisskosten seien zu hoch gewesen, man versucht sie derzeit unter Schutz zu stellen – wohl aussichtslos. Zwei Millionen seien zur Renovation des Stadions gesprochen worden. Zwei Millionen. Es wird vielleicht reichen um ein paar beheizte Räume zu dämmen. Das Ellenfeld als erdrückender Betonkoloss.

Es spricht auch manches für den Erhalt des Stadions. Noch immer hat der Verein ein Zuschauerpotential. Erst vor kurzem begleiteten die Schwarzen Teufel 800, 900 Borussen an ein Auswärtsspiel auf dem Land. Bei wichtigen Spielen kommen schnell mehrere Tausend ins Ellenfeld, doch die wichtigen Spiele finden kaum noch statt. In unserem “Hotel Ellenfeld” unweit des Stadions berichtet man uns von noch immer regelmässigen Fussballtouristen. Es müsste nur ein potenter Geldgeber den Traditionsverein erwecken, einer welcher die Einzigartigkeit des Ellenfelds zu schätzen weiss. Mit einem Neubau könnte man tatsächlich auch alles verlieren, zu einem seelenlosen Verein vor den Stadttoren werden welcher wie tausend Andere in den Niederrungen herumdümpelt und dessen Geschichte in Büchern vergessen geht. Das Ellenfeld als Chance. Die Sache ist nicht so einfach.

Manchmal, bei den grossen Spielen, schauen wieder die alten Hooligans vorbei. Beliebt sind sie aufgrund ihres rechten Gedankengutes nicht. Doch was wollen die wenigen Fans gegen sie ausrichten. Die Hooligans trainieren in ihrer Freizeit, die Fans sitzen am Tresen. Kampfmaschinen gegen bierbäuchige Teufel, sowas kommt nicht gut.

1. von links: Nick (hoerfehler.org), 4. von rechts: Jan (Altona93-Fanzines), 3. von rechts: Alexander Kunz (Präsident Borussia Neunkirchen), 1. von rechts: Udo, Borussia-Fan und dazwischen die Kreuzlinger/Winterthurer Fan-Delegation.

Wir verabschieden uns schweren Herzens von den Schwarzen Teufeln und ihrem Clubheim. Ziehen durch dunkle Nebelschwaden einer scheinbar verlorenen Stadt. Nur das Stadthaus und die örtliche Bank scheinen renoviert zu sein. In ersterer sitzt die SPD seit 1945, in letzterer werden die Kredite vergeben. Egal wo wir auf Menschen treffen, sie begegnen uns freundlich und interessiert, als ob sie mit ihrem frohen Gemüt der Schwere des Ortes etwas entgegen setzen wollen.

Im Irish Pub, welches nicht mehr Irish Pub sei wie man uns erklärt, sondern nun das Black Sheep wäre, dessen Einrichtung aber immer noch die alte war, lief den ganzen Abend die gleiche Musik. Die junge Barfrau lächelnd zu uns: wir sollen hier bleiben, Schweizer hätten Geld. Plötzlich fiel das Licht aus, als ob man dem Klischee der armen Stadt noch eins drauf setzen wollte. Im dunkeln sassen wir im Irish Pub welches was anderes sein will, aber die Schatten der Vergangenheit nicht abstreifen kann.

Zurück im Hotel Ellenfeld erzählte uns der Wirt, dass er seit 55 Jahren nicht mehr zur Borussia ginge, die Goldenen Zeiten seien vorbei. Jeden Tag sieht er die riesig auskragende Tribüne vor sich. Sein Hotel trägt den Namen des Stadions, seine Gäste kommen wegen des Stadions. Nicht mal ignorieren scheint hier eine gute Lösung.

Am nächsten Tag führte uns Yannick ins elsässische Riquewihr. Uns erwartete ein herausgeputztes Kleinod mit wunderschönen Fassaden, grösser hätte der Kontrast kaum sein können.

Vielen Dank an unsere Reisegruppe für die Freundschaft unterwegs, an Jan aus Hamburg für das schöne Wiedersehen, an Nick und seine Freundin für die spannenden Gespräche und die Gastfreundschaft und an alle Schwarzen Teufel welche uns einen eindrücklichen Tag in ihrem Ellenfeld bescherten.

Bebildert wurde dieser Blog mit Yannicks Fotos von unserer Reise, vielen Dank! (Ausser Foto mit Spielszene und Gruppenfoto: Jo Frisch)

Kurzbericht Internationale Stadiongäste auf borussia-Neunkirchen.saarland

Was war noch? Unser FCK verlor auswärts gegen den FC Bassersdorf mit 3:2 und verabschiedete sich damit bereits in der 1. Vorrunde aus dem Schweizer Cup.

Zugabe, Stadionmusik bei Borussia Neunkirchen:

Real Kreuzlingen im Zwölf

in Portenos by

Das Schweizer Fussballmagazin “ZWÖLF” berichtet in seiner aktuellen Ausgabe über den Schweizer Amateurfussball. Mit dabei ein doppelseitiges Porträt über die kleine Fanszene beim FC Kreuzlingen und den Schreiber dieser Zeilen.

Das Heft ist natürlich auch sonst Pflicht für Schweizer Amateurfussballfreunde. Besonders spannend fand ich den Bericht von David Schweizer (regional-fussball.ch) inklusive der romantischen Fotos von Tribünen bei Amateurvereinen.

Jetzt erhältlich im gut sortierten Zeitschriftenhandel.

Tschechien – Deutschland

in Vor- und Nachbetrachtungen by

Enge Kurven, schöne Aussichten – wir fuhren über den Ricken nach Weesen zum letzten Vorrundenspiel.

Kuhgebimmel, Berge rundherum, ein Klubhaus, ein Grill (Wurst vom Dorfmetzg), ein Matchprogramm (gefaltetes A4-Kartonblatt, ganz im 1980er-Stil), ein Bier (Schützengarten Edelspez), 89 handgezählte Zuschauer (darunter 10-20 Kreuzlinger), es konnte los gehn.

Es war ein wenig Tschechien gegen Deutschland. Die Mannschaft vom Walensee wird seit Jahren mit mehreren Tschechen aufgemotzt, diese spielten 3. und 2. Liga in Tschechien, einer kam gar zu einem Champions-League-Einsatz mit Slavia Prag.

Ein FCZ-Fan schrieb mir während des Spiels eine Nachricht, es sei “unangenehm ausgeglichen” in Thun, besser hätte man auch das Spiel in Weesen nicht beschreiben können. Einem Traumtor von Karaki folgte postwendend ein schwarzer Moment vor dem eigenen Tor.

Ein Weesner Zuschauer rief etwa ein halbes Dutzend mal in unsere Richtung: “und die stärktschte vo üs fehled no!” und “vor 60 Johr han ich mol im Hafenareal gspielt” – ausserdem spiele “Linth über sine Verhältnis”, “Wesse cha no besser spiele, herrlich!”. Bruno meinte ich solle nun das Bild von mir mit Vicente del Bosque im Goldregen hervorholen – es wirkte. Währenddessen rief unser Torwart über das halbe Spielfeld: “Präsi, wie lang gohts no?”.

Nie spielte der 1961 gegründete FC Weesen übrigens so hoch wie in der 2. Liga Interregional. Entsprechend locker geht man in die Winterpause. Beim FCK sinds nun 7 Punkte Rückstand, die Vorrunde gehörte Chur. Ich finde man sollte immer noch den Aufstieg wollen. Mein Appell an die Spieler zur Winterpause: Bleibt beim FCK, gemeinsam schaffen wir es!

In Bassersdorf sind wir leider nicht dabei, für einmal hat ein anderes Spiel Priorität, wir besuchen unsere Freunde bei Borussia Neunkirchen. Viel Glück in der 1. Vorrunde, der Cup wäre auch ein schönes Saisonziel!

Mit Volldampf ins Verderben

in Vor- und Nachbetrachtungen by

Am Ende hat die Mannschaft alles gewollt und alles auf Sieg gesetzt. Zurecht! Nachdem man so lange nach vorne spielte, sich Chance um Chance erarbeitete und ein 0:2 aufholte, was will man sich da mit einem mageren Punkt zufrieden geben. Im dichten Nebel hörte ich einen anderen Fan zu mir: “Dani, jetzt passierts, jetzt gwünne mer!” Dann mitten in der Sturmphase ein Gegenzug. Das 2:3 in der Nachspielzeit. Bitter. Lugano jubelte und rundherum wurde es totenstill im Hafenareal.

Sieben Punkte Rückstand auf Chur. Das ist noch nicht das Ende der Aufstiegsträume, ein Sieg in Weesen ist nun aber Pflicht. Sieben Punkte aufzuholen sind im Bereich des machbaren bei einer halben Saison, ein guter Lauf, eine gewonnene Direktbegegnung.

In der ersten Halbzeit schaute Philipp Kasseckert bei uns vorbei. Mittlerweile ist er Spielertrainer beim Türkischen SV Konstanz in der Bezirksliga. Man plauderte über die vielen Talente im Konstanzer Fussball, die Zukunftsaussichten im Kreuzlinger Fussball und natürlich über seine Zeit beim FCK mit dem 1.-Liga-Aufstieg 2012. Philipp absolvierte zwischen 2010 und 2013 sowie 2016 übrigens 76 Spiele im Grün-Weissen Trikot und erzielte dabei 10 Tore. Ein sympathischer Spieler und Mensch, vielleicht schaffen wir es mal an die Max-Stromeyer-Strasse zum TSV.

Nach dem Spiel gings zum mit Spannung erwarteten Trainertalk. Kürsat erklärte sein letztmaliges Nichterscheinen und seine Emotionalität beim Fussball.

Kürsat abschliessend: “Ich lebe für den FC Kreuzlingen”, tosender Applaus im Clubhaus, Kürsat schob noch ein “nebst Beruf und Familie” nach.

Ein paar individuelle Fehler zuviel entschieden das heutige Spiel, aber – und da kann ich Kürsat nur beipflichten – die Mannschaft hat keinen Vorwurf verdient. Es war über sehr weite Strecken Volldampf-Fussball mit einem erneut überragenden Abbas Karaki (muss auch mal erwähnt werden).

Nächster Halt unserer Tour: Samstag, 17.30 Uhr beim FC Weesen.

Wir haben übrigens weitere Mitfahrgelegenheiten für unseren Hafetschutter-Ausflug zum Spiel Borussia Neunkirchen – SV Saar 05 (9. und 10. November, mit Übernachtung im Hotel Ellenfeld, daniel.kessler@mail.ch).

Bilder rund ums Spielgeschehen: Nebel, Hundejagd auf dem Spielfeld, “Bitte bedienen Sie sich” – kreativer Programmhalter.

Avanti FCK in Arminia-Zeitung

in Portenos by

Da muss man aber zweimal schauen. Der Traditionsverein Arminia Hannover (ehemals 2. Bundesliga) bringt in einer Ausgabe seines Stadionprogrammes “bischofshol” doch tatsächlich ein Foto von uns FCK-Fans auf der Titelseite!

Der Text im Stadionprogramm “bischofshol” dazu:

“Wer zunächst dachte, auf dem Titelbild sei ein Bild von einer Partie der Blauen zu sehen, der sei eines Besseren belehrt. Vielmehr handelt es sich um das erste Stadtderby zwischen dem Schweizer Traditionsverein FC Kreuzlingen und seinem Herausforderer AS Calcio. Über 680 Zuschauer kamen Ende August ins “Hafenareal” der Schweizer Grenzstadt. Sie sahen einen souveränen 3:0-Sieg des grün-weißen Platzhirschen, was von dessen Anhängern euphorisch gefeiert wurde. Damit ist der Angriff der AS Calcio, die drei Tage vor dem Derby noch einen italienischen Stürmer vom FCK losgeeist hatte, zunächst abgewehrt. Beide Klubs streben in die vierte Liga. Und warum erscheint das Bild auf dem Titel unserer Stadionzeitung? Zum einen, weil es eine Fanfreundschaft zwischen dem FC Kreuzlingen und dem SVA gibt. Und zum anderen – und daraus resultierend: In Kreuzlingen ist regelmäßig ein Arminenschal bei den Spielen dabei. So
auch auf dem Titelbild, welches Erich Seeger geknipst hat.”

Danke an Torsten für die Zusendung – er war selbst überrascht. Foto und Informationen gelangten wohl über das Zeitspiel-Magazin nach Hannover, in dessen aktueller Ausgabe wird das Stadtderby ebenfalls Erwähnung finden, inklusive Foto.

Lichterbox im Bassi-Zelt

in Vor- und Nachbetrachtungen by

Gleich neben dem Platz rasen die Schnellzüge nach Zürich, über unseren Köpfen donnern die Flugzeuge in die Welt hinaus, wir sind erstmals beim Fussball in Bassersdorf.

Nach acht Minuten steht es 2:0 für den FCK, traumhafte Spielzüge! Die Kreuzlinger Zuschauer prosten sich bereits zu, schreiben entzückte Nachrichten an die Daheimgebliebenen.

Zwei Minuten später: 2:2, Fassungslosigkeit. In der Folgezeit zeigt Bassersdorf sein furchtloses Kämpferherz. In der 35. Minute steht es 3:3, Bassersdorf drückt den FCK in die eigene Hälfte. Die Grün-Weissen kassierten in 35 Minuten bereits soviele Treffer wie in 450 Spielminuten zuvor. Mit einem eher schmeichelhaften 4:3 für Kreuzlingen geht es in die Kabine.

In der zweiten Halbzeit schwinden die Kräfte der Zürcher Unterländer. Doch auch beim krank spielenden Sven Bode neigt sich die Kraft dem Ende zu, der Schiedrichter erkundigt sich bei Kürsat: “was macht der Spieler Nummer 11 hinter der Eckfahne?” Kürsats knappe Antwort “der kotzt gerade”. Sven spielte natürlich weiter und hatte noch manchen Kampf auszustehen (Foto oben).

Auch die anderen Kreuzlinger hatten den Bassi-Kampf längst angenommen. Trotzdem bange Schlussminuten für die Thurgauer Zuschauer, in der Nachspielzeit das entscheidende 5:3, grosse Erleichterung und entspannte Gesichter bei allen Beteiligten.

Nun gings zurück ins Clubhaus-Provisorium, dem Bassi-Zelt. Hier wird einem das Bier von motivierten Junioren in Dessert-Plastikschalen ausgeschenkt. Appenzeller Kristallbier, wie Marko anerkennend bemerkte. Der Junior strahlte uns an und wünschte einen schönen Tag. Der sympathische Grillmeister erkundigt sich sogleich mehrfach ob die Würste wirklich munden, Matchprogramme werden einem gleich mehrere gereicht (“hätt eh zviel”).

Während wir das Bier aus den Dessertschalen zu uns nehmen, lauschen wir der Doppel-Musikbeschallung im Bassi-Zelt. Lambada kommt von links, von rechts wummert die Disko-Lichterbox des Grillmeisters hinüber. Die Leute sind alle unwahrscheinlich freundlich. Marko und ich trinken ein letztes Bier im Bassi-Zelt, an uns balancieren Jugendliche mit ihren weissen Markenturnschuhen staksend durch die dreckige Wiese. Soweit weg vom Glitzerfussball. Soviel Improvisation. Man braucht wenig für einen guten Abend, in Bassersdorf hat man die Zutaten.

FCK Uzwil 2 zu 0

in Vor- und Nachbetrachtungen by

0, 1, 1, 1, 0. Das sind die Anzahl Gegentore in den letzten Runden. Defensiv hat sich der FCK gefunden. Das ambitionierte Uzwil mit Stillhart (St. Gallen, Wil), Knöpfel (St. Gallen, Schaffhausen), Farkas (Tuggen), Koller (St. Gallen, Wil, Brühl) und ohne den krankheitshalber fehlenden Nushi (St. Gallen, Aarau, Wil) wurde mit 2:0 in die Schranken gewiesen. Der zweite Treffer in typisch kraftvoller Bode-Manier: “Mido Arifagic flankte aus vollem Lauf in den Strafraum wo Bode den Ball mit der Brust annahm und anschliessend volley ins tiefe Eck versenkte. Ein Treffer der viele Zuschauer von den Sitzen riss und für ihr Kommen entschädigte” (sport-fan.ch).

190 zufriedene Zuschauer im Hafenareal (Rundenrekord übrigens bei Widnau-Weesen mit 440 Zuschauern), nächster Halt am kommenden Samstag um 18.00 Uhr in Bassersdorf.

Im zweiten Spiel des Tages führte der FCK U23 im 3.-Liga-Lokalderby gegen den FC Tägerwilen lange mit 2:1 und musste erst in der Nachspielzeit durch einen Treffer vom Ex-FCK’ler Fantov das immer noch beachtliche 2:2 hinnehmen.

Die 1. Mannschaft des FC Kreuzlingen war seit der Gründung des FC Tägerwilen im Jahre 1946 fast permanent besser klassiert als der Nachbarverein im Westen. Lediglich drei Spielzeiten agierten die Vereine auf Augenhöhe, zwischen 1992 und 1995 in der 2. Liga. Die damaligen Begegnungen waren vergleichbar mit den Premieren gegen den AS Calcio in dieser Saison. Die Resultate weiss ich nicht mehr, aber bei den ersten Partien strömten 700 Zuschauer ins Hafenareal und wenn ich mich recht erinnere 1’100 ins Tägermoos. Es waren damals verbitterte Kämpfe – und das Publikum deutlich emotionaler als bei der diesjährigen Partie gegen Calcio. Ich war damals als Primarschüler und FCK-Junior im Tägermoos und kann mich an einigen Spott der “Dörfler” über die “Städter” erinnern. Heute ist also unsere U23 (fast) auf Augenhöhe – bei den Junioren haben die Rot-Weissen den FCK mittlerweile allerdings deutlich übertrumpft – und dies schon seit vielen Jahren.

Nachtrag: Unterhaltung der Runde, mal wieder der lesenswerte Seuzi-Liveticker vom Spiel bei Wil 2.

Churer Abwehrberge

in Vor- und Nachbetrachtungen by

Die in schwarz-rot spielenden Kreuzlinger bissen sich an der Churer Abwehrkette die Zähne aus, die Mission Tabellenführung scheiterte. Eine fast 30-minütige Druckphase ohne Tor, sowas geht selten gut. Das Churer 1:0 in der 80. Minute war mehr als ein Tor, es war (fast) jedem Zuschauer klar, mit diesem Treffer war es vorbei. Bei diesem Gegner und diesem Spielverlauf – nicht mehr zu korrigieren. Die Churer konnten sich nun noch mehr zurückziehen – und sie taten das sehr abgeklärt und gekonnt. Die Kreuzlinger Angriffe waren nun nur noch verzweifelt.

Vieles hatte der FCK richtig gemacht an diesem verregneten Samstag und in den Spielen davor. Die Abwehr scheint in der jetzigen Besetzung am stabilsten zu sein, die Notsituation mit Mesinovic im Tor (von der 2. Mannschaft) scheint kein Handicap zu sein, im Mittelfeld empfand ich uns stärker und ideenreicher besetzt als es die Churer derzeit sind.

Kreuzlingen hätte das Spiel gewinnen können, mit dieser Mannschaft kann man um den Aufstieg spielen. Chur war unsäglich clever und mit einer gesegneten Abwehr ausgestattet, dazu vorne Deplazes (und es fehlten noch drei Schlüsselspieler) –  man sah den Aufstiegs-Top-Favorit am Werk.

Chur mit seinen Ressourcen als Sportstadt (neues Fussballgelände Obere Au!) und als Fussballzentrum für ganz Graubünden (Nachwuchsteams!) müsste, wenn die Wirtschaft auch noch etwas mitspielt, mindestens die Promotion League ins Auge fassen. Zudem strömt auch Publikum, bisher 300 im Schnitt, 360 beim verregneten Spitzenspiel gegen Kreuzlingen. Hier hat es noch ein traditionelles Fussballpublikum.

Auch Kreuzlinger waren vor Ort, rund 30 waren es, vielleicht auch mehr. Grün-Weisse Schals und Fahnen sah man und manch einer sass zulange in der Stadionbeiz. Zurück ging es im strömenden Regen Richtung Bodensee – Amateurfussball, Du bist  an solchen Tagen trotz Niederlage reizvoll.

Übrigens, für die Bratwurst gibt es eine 2+ im “kleinen Platzguide” des FCK-Matchprogramms. Vor Jahren hatte ich diese in Chur mit einer schlechten 1 bewertet, was prompt Chur 97 zu einer Reklamation veranlasste. Spieler, Publikum und Grillmeister, am letzten Samstag feierte halb Chur.

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