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Erinnerungen ans Espenmoos

in Hafetschutter e.V. by

Das zweimal jährlich erscheinende St. Galler Fussballmagazin SENF blickt in seiner aktuellen 9. Ausgabe zurück auf das unvergessene Espenmoos – eine Pflichtlektüre für jeden Ostschweizer Fussballfreund.

In meinen Erinnerungen – diese dürften nicht sehr repräsentativ sein –  steht das alte St. Galler Stadion für die 1.Liga-Duelle zwischen dem FCSG U21 und dem FC Kreuzlingen. In den besten 2000er-Jahren rückten wir dort mit 15 lautstarken Fans an und stellten uns den Gesangsduellen mit den gut 50 St. Galler Ultras, ein seltenes Erlebnis für uns Amateurfussballfreunde. Einmal nahmen uns die Ultras nach dem Spiel mit in ein Industriegelände an den Gleisen. Die St. Galler fuhren voraus, wir folgten mit unserem Auto. Die Gegend wurde immer verlassener. Es musste ein Hinterhalt sein! Hatte unser letztes Stündlein geschlagen? Welch Erleichterung als uns die Ultras mit Bierkästen statt Fäusten entgegen kamen.

Danach gab es noch Spiele im Gründenmoos, Kellen, Lerchenfeld, ehe sich der FC Kreuzlingen in die 2. Liga Interregional und die St. Galler U21 nach Wil verabschiedete.

Zurück zur neuen SENF-Ausgabe, diese bietet wundervolle Texte wie  “Das Espenmoos hat geatmet“. Eine berührend detailgetreu geschriebene Hommage an das alte Espenmoos. Ein weiterer Höhepunkt, der “Rundgang durch das Heiligkreuz-Quartier”, wie geht es den Menschen seit dem Wegzug des FC St. Gallen? Zu Wort kommt etwa ein Georg Hautle, dessen Vater in den 1930er-Jahren für den FC Kreuzlingen auflief. Zu einer Zeit als sich die Vereine auf Augenhöhe begegneten, ehe der FC Kreuzlingen auf die Nationalliga verzichtete und Norman Smith… aber das ist eine andere Geschichte.

Übrigens, auch in St. Gallen guckt man über den Tellerrand:

1 Comment

  1. “Espenmoos” – unglaublich! Da lief ich mal um die 1970 herum, kurz nach dem Bau der luftig-lustigen Bogentribüne, in einem “Vorspiel” der FCK-Senioren auf. Weiss nicht mal mehr genau gegen wen – peinlich! Vorspiele waren damals noch ziemlicher Standard. Danach liefen die Grossen ein, die Profis, nach dem sich die Tribüne langsam gefüllt hatte. Gegen Spielende spürten wir also einen Hauch des fussballerisch Erhabenen, tauchten dann allerdings eine gute halbe Stunde vor Hauptspielbeginn ziemlich applauslos in der Kabine unter. Zum Duschen.

    Bemerkenswert an diesem Tribünenbauwerk ist ebenso die Rückseite. Hier spielt der Architekt mit Versatzstücken, Säulen, Fensterverteilungen usw., bewusst oder unbewusst ein bisschen den grossen Le Corbusier!

    “Espenmoss” – das war doch noch ein fussballerisches Codewort, wie “Brügglifeld” oder – o.k., deutlich weiter gefasst – “Anfield Road”, usw. Muss man als F-Enthusiast einfach zuordnen können. Und plötzlich verloren sich die Fussballfelder im Spiel um Clubfinanzen und nannten sich dann trocken “Swissporarena”,”Allianzarena”, oder in St. Gallen eben “AFG-Arena”. Die wiederum läuft heute über den Luftkissenschuhersteller “kybun” als “kybunpark”. So wird es weiterlaufen, wenn es mit den Finanzen gut läuft.

    Der mit einer definierten, oft gebietshistorischen Örtlichkeit verbundene Fussball meldet sich öfter ab. Das Terrain wird als Werbeplattform umgepflügt. Im Wissen der enormen Kosten, was erfolgreicher Fussball heute ausmacht, ist sogar ein gewisses Verständnis – besonders für Clubpräsidenten! – aufzubringen. Aber ein gutes Stück Tradition geht dabei ebenso verloren, wie heute beim falsch gepfiffenen Elfer, der dann über ein Bewegtbildverfahren von Schiribeamten in einem entfernten Studio nach zwei Minuten lähmender Stadionruhe zurückgepfiffen wird. Freude oder Entsetzen folgen. Solche neuen akustisch-choreografischen Still-Momente zerren am Fluss der Darbietung auf dem Spielfeld. Manche stört das nicht. Sind das die Fortschrittlichen?

    Und was ist mit persönlichen Stadionsnamen, etwa dem St. Galler “Paul-Grüninger-Stadion” des FC Brühl-St. Gallen? Nun, als leitender Grenzbeamter mit den bekannten Verdiensten war der Ur-St. Galler Grüninger immerhin auch Fussballspieler, gewann mit dem FC Brühl sogar 1914/15 die Schweizer Meisterschaft. Das passt für einmal schon. Und “Krontal” als historisches Fussballsportgelände ist ja noch immer präsent.

    Verschwunden ist hingegen, wie “Hafetschutter” in seiner wertvollen Dokumentation zeigt, das “Grenzland-Stadion” des FC Kreuzlingen. An der unteren Konstanzerstrasse gelegen, ein Einwurf weit vom Grenzübergang nach Konstanz, kam auch hier eine Örtlichkeit als Fussballbegriff durch. Nach dem Ende der Anlage begann eine Platz-Odyssee durch Generationen, die bis heute noch nicht abgeschlossen erscheint. Das Kleinstadion im St.Galler Krontalquartier gehört übrigens der Stadt St. Gallen. Was könnte das für Kreuzlingen bedeuten?

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