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Tschechien – Deutschland

in Vor- und Nachbetrachtungen by

Enge Kurven, schöne Aussichten – wir fuhren über den Ricken nach Weesen zum letzten Vorrundenspiel.

Kuhgebimmel, Berge rundherum, ein Klubhaus, ein Grill (Wurst vom Dorfmetzg), ein Matchprogramm (gefaltetes A4-Kartonblatt, ganz im 1980er-Stil), ein Bier (Schützengarten Edelspez), 89 handgezählte Zuschauer (darunter 10-20 Kreuzlinger), es konnte los gehn.

Es war ein wenig Tschechien gegen Deutschland. Die Mannschaft vom Walensee wird seit Jahren mit mehreren Tschechen aufgemotzt, diese spielten 3. und 2. Liga in Tschechien, einer kam gar zu einem Champions-League-Einsatz mit Slavia Prag.

Ein FCZ-Fan schrieb mir während des Spiels eine Nachricht, es sei “unangenehm ausgeglichen” in Thun, besser hätte man auch das Spiel in Weesen nicht beschreiben können. Einem Traumtor von Karaki folgte postwendend ein schwarzer Moment vor dem eigenen Tor.

Ein Weesner Zuschauer rief etwa ein halbes Dutzend mal in unsere Richtung: “und die stärktschte vo üs fehled no!” und “vor 60 Johr han ich mol im Hafenareal gspielt” – ausserdem spiele “Linth über sine Verhältnis”, “Wesse cha no besser spiele, herrlich!”. Bruno meinte ich solle nun das Bild von mir mit Vicente del Bosque im Goldregen hervorholen – es wirkte. Währenddessen rief unser Torwart über das halbe Spielfeld: “Präsi, wie lang gohts no?”.

Nie spielte der 1961 gegründete FC Weesen übrigens so hoch wie in der 2. Liga Interregional. Entsprechend locker geht man in die Winterpause. Beim FCK sinds nun 7 Punkte Rückstand, die Vorrunde gehörte Chur. Ich finde man sollte immer noch den Aufstieg wollen. Mein Appell an die Spieler zur Winterpause: Bleibt beim FCK, gemeinsam schaffen wir es!

In Bassersdorf sind wir leider nicht dabei, für einmal hat ein anderes Spiel Priorität, wir besuchen unsere Freunde bei Borussia Neunkirchen. Viel Glück in der 1. Vorrunde, der Cup wäre auch ein schönes Saisonziel!

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2 Comments

  1. Dass am Walensee mal interregional Fussball gespielt wird, konnte man sich nicht so richtig vorstellen. Mindestens das Rasengeläuf im Vordergrund spricht wenig dafür. Sieht eher aus wie nach der letzten Überschwemmung. Damit hatten – und haben – die beiden ehemaligen Habsburgerstätdchen am See, das östlich gelegene Walenstadt, wie das westliche Weesen so ihre Erfahrung. Nun, die Habsburger sind nicht mehr da. Und die noch höheren Fussballschlachten werden heute ja weiter vorne bei Näfels geschlagen, wo mehr Schlachtenerfahrung herrscht (alte Schulweisheit). Hier, im hochwasserkorrigierten Linthgebiet, regiert die Retorte Linth 04 als derzeit fussballerischer Platzhirsch der Region (1. Liga Classic, Gruppe 3, in der sich einige frühere FCK-Gegner tummeln!), derweil weiter hinten der FC Glarus schon mal bessere Tage sah – mit Willy Scheepers! Immerhin steht im Hauptort noch eine grössere Sportanlage – bis 8000 Zuschauer, lese ich. Und da spielt gelegentlich auch mal Linth 04 (genannte Zuschauermaximalzahl hat damit allerdings nichts zu tun….).

    Doch zurück zum Walensee: Es wäre selbstvertsändlich höchst sinnvoll gewesen, wäre der FC Kreuzlingen mit zwei Pünktchen mehr an den Bodensee zurückgekehrt. So würde es sich für die zweite Meisterschaftshälfte deutlich freundlicher ansehen. Das tabellarische Zustandsbild vermittelt aktuell, dass nun so ziemlich alle Spiele noch gewonnen werden müssten, um eine Chance zu haben, ganz vorne zu landen. Dies gibt mindestens die langjährige Statistik her, in der jeweils mit rund 58-60 Punkten oder mehr aufgestiegen wird. Dass der FCK gleich alle Partien noch gewinnt, wie es in der Vorrunde Servett II in der Gruppe 6 soeben getan hat (13 x 3 = propere 39!), wird wohl auch jeden FCK-Superoptimisten zum Grübeln bringen.

    Und so landet man dann eben wieder schlicht beim “Fussball an sich”, der so viel komplexer ist, als dass er nur statistisch zu erfassen wäre. Die reale Gegenwart holt einem zu oft ein. Und wenn am Walensee beide Trainer zufrieden waren mit der Leistung, dann ist es eben so. Selbst bei einem mageren – für den FCK – 1:1! Was hätte man dem als einfacher Beobachter der Szene auch entgegen zu setzen?

    Als “einfacher Beobachter” hat man allerdings vor jeder Saison so seine eigenen Vorstellungen. Und so tauch denn eben wiedermal die Frage auf, wann sich der FCK vor einer Saison mal offen outet und feststellt: Wir wollen hoch! Eine derart klare Feststellung ist zwar nicht unbedingt typisch schweizerisch, doch sollte man allein die Triebkräfte die in einer solchen Ansage stecken könnten, nicht unterschätzen. Selbstverständliche Voraussetzung: Eine dazu taugliche Equippe. Aber solche sind in den vergangenen Jahren in den vordersten Rängen der Abschlusstabelle stets vorhanden gewesen. Auch dieses Jahr wieder. Auch beim FCK. Was es vielleicht noch bräuchte ist – neben etwas Glück (jawohl) – “ein stetes Spielen/Kämpfen im Bewusstsein der angestrebten Perspektive”. Gut gesagt – o.k. Und Wollen und Können sind zweierlei. Auch gut. Doch bleibt für einen Traditionsverein eine andere Wahl, als sich schon aus Prinzip einer – wenn materiell machbar! – “höheren Zukunft” verpflichtet zu fühlen? Dies soll nicht ablenken davon, dass in der kommenden zweiten Saisonhälfte nicht alles zu versuchen ist, um – wie Hafetschutter findet – “den Aufstieg zu wollen”. Dafür in jedem Spiel aufzulaufen lohnt sich schon grundsätzlich, wie sich die Voraussetzungen auch darstellen mögen. Ist sportlich. Und auch im kommenden Cup-Spiel bietet sich eine Gelegenheit, zu brillieren. Ist auch was.

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