Der FCK in Pfullendorf

Ich mag diese internationalen Amateurturniere im Bodenseeraum. Kann ein Spitzenteam der 2. Liga Interregional mit einem Oberligisten mithalten? Wie unterscheiden sich die Spielweisen? Zudem bieten solche Turniere Gelegenheit um Sportplätze jenseits der Grenze zu besuchen und Nostalgiker kommen durch Paarungen gegen alte Klassemannschaften auf ihre Kosten. Besonders wenn man wie der FC Kreuzlingen eine Einladung zum am Sonntag, 9. August 2020 erstmals ausgetragenen Admiralbet-Cup im Pfullendorfer Waldstadion erhält.

Neben Gastgeber SC Pfullendorf (Verbandsliga) und dem FC Kreuzlingen messen sich der FC Überlingen (Landesliga) und der Freiburger FC (Oberliga) in jeweils zwei Partien à 60 Minuten.

Der SC Pfullendorf war lange Zeit der Vorzeige-Fussballverein im nördlichen Bodenseeraum und 2002 bis 2014 in der damals drittklassigen Regionalliga Süd beheimatet. Nach einem dramatischen Absturz bis in die siebtklassige Landesliga hat sich der Verein aus dem Linzgau mittlerweile gefangen und spielt heute in der Verbandsliga Südbaden.

Wenn man bereits in Pfullendorf und Kreuzlingen von einem Traditionsverein redet, was soll da der Freiburger FC sein? Süddeutscher Meister 1899, Deutscher Meister 1907, nach dem 2. Weltkrieg spielte der FFC 1956/57 nochmals erstklassig und zwischen 1963 und 1982 insgesamt 16 Jahre in der zweithöchsten Liga, davon die letzten 5 Jahre in der neu gegründeten 2. Bundesliga. Danach folgte ein über 20 Jahre dauernder Niedergang bis in die Landesliga und der Verlust des Möslestadions. Gleichzeitig erwachte der Lokalkonkurrent SC Freiburg. Mittlerweile hat sich der FFC wieder etwas erholt, spielt in der Oberliga Baden-Württemberg und scheint seine Rolle als Elite-Amateurverein zu finden.

Der FC Überlingen fällt im Teilnehmerfeld etwas ab und war in seiner über 110-jährigen Existenz ein klassischer Dorfverein (in früherer Reichsstadt) zwischen Landes- (bzw. 2. Amateurklasse) und Bezirksliga. Dazwischen streuten sich Jubiläumsspiele etwa gegen den 1. FC Kaiserslautern oder Borussia Dortmund, eine schöne Festschrift zur Vereinsgeschichte findet sich im Netz.

Notiz am Rande: in den 1930er-Jahren duellierten sich der FC Kreuzlingen (damals zweithöchste Liga) und der Freiburger FC (damals Gauligist) in vielbeachteten “Privat-Spielen” wie es damals hiess. Der FFC hatte dabei das “Pech” auf den wohl stärkst möglichen FCK zu treffen. 1934 siegten die Kreuzlinger gegen den renommierten Gast mit 6:1 an der Konstanzerstrasse und im Rückspiel am 20.9.1936 schlug der FC Kreuzlingen den Freiburger FC im Möslestadion mit 4:1. Der Thurgauer Zeitungskorrespondent vermerkte spitz “das Freiburger Publikum spendete den Kreuzlingern nach Spielschluss tosenden Applaus, etwas was man auch vom Heimpublikum gerne öfters hören würde”. Eine weitere Verbindung gibt es zwischen dem FCK und dem FFC. Oskar Scherer, grösste Freiburger Fussballlegende vor dem 2. Weltkrieg, spielte von  1946 bis 1949 beim FC Kreuzlingen. Wohnhaft war er damals in Konstanz und wurde jeweils von französischen Militärs über die Grenze begleitet.

Der FC Überlingen wiederum trat 1909 der vom FC Kreuzlingen mitgegründeten “Bodensee-Fussballvereinigung” bei, einer grenzübergreifenden Liga mit Vereinen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich, konnte dann allerdings aus finanziellen Gründen nicht daran teilnehmen.

Wie präsentieren sich diese spannenden Vereine in der heutigen Zeit? Eine Antwort darauf gibt es bei diesem schönen Vorbereitungsturnier im schmucken Pfullendorfer Waldstadion.

Der Spielplan: Sonntag, 9. August 2020, 13.00 Uhr SCP-FCK, danach FCÜ-FFC, Spiel um Platz 3, Finale, alle à 60 Minuten.

1 Comment

  1. Auf nach Pfullendorf! Ein Turnier zwischen Mannschaften unterschiedlicher Ligastärke hat immer was. Besonders bei nur 60 Minuten Spielzeit pro Match. Daher muss der FC Überlingen aus der Landesliga “nicht etwas abfallen”, wie Hafetschutter feststellt. Und schon gar nicht durch sein hübsches “Stadtwerke-am-See”-Stadiönli in Altbirnau (kleine überdachte (!) Tribüne mit integrierter Vereinsbeiz und Platzsicht).

    Der SC Pfullendorf wiederum war tatsächlich über einen längeren Zeitraum “der beachtete Fussballstern” am erweiterten nördlichen Bodenseehimmel. Bis er sich dann als Sternschnuppe wiederfand. Aber der SC fand sich ja nun erfreulich auf einer ordentlichen Amateurhöhe wieder, wie Hafetschutter berichtet.

    Dass es der FC Freiburg “verspielte”, in der Schwarzwaldstadt als fussballender Pflatzhirsch zu gelten hat Gründe, die bei vielen Clubs nach ähnlichem Abgesang beschrieben werden könnte (u.a. Management, Finanzen). In seine Bresche sprang der SC, der sich heute sogar anschickt, mit einem neuen Stadion brillieren zu wollen (am Flugplatz, ein ziemlich standardisiertes 35-Tausender Rechteck, wie man es oft zu sehen bekommt. Aber eben “modern”. Immerhin mit 1/3 Fan-Stehplätzen!). Da hatte das “Mösle” als ehemaliges Stadion des FC natürlich seinen besonderen Charme. Heute ist dort u.a. die Fussballschule des SC untergebracht. Der FC taucht nun bescheiden an einem anderen Stadtrand auf. Als Oberligist ist er jedoch bereit, in der Stadt ein Amateur-Gegengewicht zu bilden. Das macht in der allgemein überbordenden Profiszene Sinn – wenn auch als hartes Brot, nicht als Schwarzwälder Kirschtorte.

    Übrigens führen heute der FV Ravensburg und der 1.FC Rielasingen-Arlen (!) in der Oberliga die Fussballspitze im deutschen Bodenseeraum an (gleiche Liga wie der FFC).

    Und der FC Kreuzlingen “us de Schwiiz”? Selbst mit der Oberliga sollte er mithalten können. Und zu Hause? Abwarten was die neue Saison bringt (wenn sie denn starten sollte!). Der Club ringt mit sich nach wie vor auf mindestens zwei Ebenen: Dem jährlich wiederkehrenden Versuch, die Liga (unausgesprochen!) nach Classisch-Oben zu verlassen. Und gleichzeitig schwebt über dem Club die ziemlich endlose zukunftssichere Platzfrage. Das müsste sich eigentlich widersprechen. Tut es aber nicht. Der FCK hat sich schon an viele Ungereimtheiten gewöhnen müssen. Auf Dauer ist dieser Zustand allerdings nicht zu halten. Und eine dritte Ebene scheint derzeit noch nicht reif zu sein. Was diese für Fussball-Kreuzlingen allgemein bedeuten könnte, bleibt noch im Dunkeln…….

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