Die grosse Verunsicherung

Zuletzt spielte der FCK im April 2009 bei Red Star Zürich. Damals setzte es eine 4:0-Niederlage und Willy Scheepers war nach dem Spiel so ausser sich, dass ein Medizinkoffer aus der Kabine flog und fast vorbeigehende Zuschauer traf. In der 1. Liga verlor Kreuzlingen oft gegen die Roten Sterne. Kein Wunder, Red Star führt meines Wissens die Ewige Tabelle der 1. Liga an – ist quasi der erfolgreichste Schweizer Amateurverein, kletterte aber nur wenige Saisons über diesen Status hinaus. Grösster Erfolg des Vereins ist der sensationelle Schweizer-Cup-Halbfinaleinzug im Jahre 1999.

Auf der Allmend Brunau, von Red Star bespielt seit 1952, kam es gestern zur Premierenbegegnung zwischen Red Star und Kreuzlingen in der 2. Liga Interregional.

Der FCK musste Sven Bode, Marvin Meresi, Simon Affentranger und Kevin Schröder ersetzen. Bereits in der 6. Minute spürte man das schmerzlich, ein einfaches überlaufen des Aussenverteidigers führte zum 1:0 fürs Heimteam. Nach vorne kombinierte der FCK noch einigermassen gefällig, 1:1 in der 8. Minute durch Yves Seeger. Dabei bliebs in der 1. Hälfte, der FCK spielte nicht gut, aber auf Augenhöhe. Zur 2. Halbzeit kam Red Star angriffiger aus der Kabine. Das reichte um Kreuzlingen vollends aus dem Konzept zu  bringen. Nach vorne herrschte Ideenlosigkeit, der FCK konnte gegen eine Durchschnittsmannschaft fast keine Chancen kreieren, dazu kaum Präsenz in den Zweikämpfen. Die in der Folge eingewechselten Spieler konnten das Ruder nicht mehr herumreissen, stattdessen brach die Mannschaft, wie schon in Weesen, vollends auseinander. Zur 4:1-Niederlage flog auch noch Yves Seeger vom Platz und wird wohl gegen Widnau gesperrt sein, äusserst unglücklich in der derzeitigen Situation.

Natürlich wiegen die Ausfälle schwer, aber der FCK bringt immer noch viele gute Spieler auf den Platz. Taktik und Einstellung werden nun die grossen Themen sein vor den letzten zwei Spielen. Noch immer kann der FC Kreuzlingen als Tabellenführer überwintern und im Schweizer Cup dabei bleiben, zwei schöne Ziele!

Kürsat Ortancioglu führte den FC Kreuzlingen schon einmal aus einer solchen Situation. Im Frühling 2018 hagelte es 6 Niederlagen in Folge, ehe der FC Kreuzlingen wieder zum Siegen zurück fand.Nebensächliches:

Das Matchprogramm gibts bei Red Star nur noch als QR-Code, ist wohl die Zukunft. Bei einem Matchprogramm hat man etwas in der Hand, man schaut es sich zuhause vielleicht nochmals kurz an bevor es im Altpapier landet, man behält es nach herausragenden Spielen vielleicht sogar als Erinnerungsstück auf. Am Ende wird ein weiteres kleines Puzzlestück Verbundenheit abhanden kommen. Es wird Liebhaber geben, die ein Matchprogramm immer noch in Papierform erstellen werden, vereinzelt immer noch sammeln werden, in der Masse wird es wohl verschwinden von den Fussballplätzen. Matchprogramme gibt es übrigens seit Anbeginn des Fussballspiels, wurden bereits vor 1900 bei Fussballspielen ausgegeben.

Red Star spielt ja schon seit Ewigkeiten erfolgreich auf der Allmend Brunau, über all die Jahrzehnte brachte die Stadt Zürich und der Verein dort aber nicht den kleinsten Ausbau für Zuschauer zustande. Die zu tief montierte Sitzplatz-Reihe setzt dem ganzen die Krönung auf. Immerhin hat die Gruppe rühriger Red Star – Senioren, welche auch auswärts fährt, ein schönes Club-Beizli auf ihrer Anlage. “Spieleder no im Hafenareal? händer död e guets Restaurant? Mir chömed denn!” Die letzten Vereinstreuen.

Zum Wetter und den Umständen. Fussball ist Sonne, Wind und Regen, sind gepflegte und holprige Plätze, man spielt in Berglandschaften, hat Seeblick oder man steht beim Fussball in Industriearealen und neben Autobahnen. All das macht den Fussball soviel abwechslungsreicher als Hallensportarten. Beim Fussball friert einem das Bier im Becher ein oder man erlebt “Hitzeschlachten”, all das trägt zu Erinnerungen bei, die man sich lange erzählt. Darum wehren sich Fans auch so sehr gegen Kunstrasenplätze und andere Eingriffe. Dem Fussball wohnt etwas archaisches inne. Vor Jahren spazierte eine Frau an einem FCK-Spiel vorbei, blieb stehen und meinte “was für ein unpräziser Sport ohne klare Regeln” – wie wahr sie hatte, wie viel kann man verschieden interpretieren, wie viel ist ungenau an diesem Sport, wie viel vom Glück begünstigt, wie oft siegt purer Wille, aber wie oft nützt auch der Wille nichts! Für die einen unverständlich, für die anderen die Faszination. Dazu gehören Sonne, Wind und Regen, gepflegte und holprige Plätze, in den Bergen und Industrieanlagen.

Fotos: regese.ch

Aus dem FCK-Archiv, Kreuzlingen damals mit Bernet, Barth, Palmieri, Hirt, Aktas, Perone, Eberle, Marciello, Contardo, Pedron, Zinnà, Tusellino, Schneider, Fenners, Simeone und Joga.

 

7 Comments

  1. Also ich finde es Schade das es das Matchprogramm nur auf dem Handy gibt. Ich habe gerne etwas in der Hand und auch zum sammeln. Ich bin halt auch vorbelastet als Buchbinder hat man halt einen anderen Bezug zum gedruckten.

  2. Der Optimismus von Hafetschutter erscheint grenzenlos. Tatsächlich stellt sich die Frage, warum eine Spitzenmannschaft (der FCK) drei Spiele hintereinander verlieren kann, aber noch immer dem Spitzenfeld angehören darf. Die Rechnung ist relativ einfach: Nun hat es eben wiedermal Bazenheid, Weesen (unlängst 4:2 gegen den FCK!) und Amriswil (gegen die AS Calcio!) erwischt. Und die Spielvereinigung SH kam selbst zuhause, wo sie auf ihrem Kunststoffgeläuf eigentlich immer gewinnt, nicht über ein Unentschieden hinaus (gegen den Hauptstadt-FCF). So geht’s hier zu.

    Dies zeigt die Ausgeglichenheit der Mannschaften von der Spitze bis ins breite Mittelfeld hinein. Und wenn sich dann selbst die bereits etwas abgeschlagenen Churer 97er eines Besseren besinnen, scheint es auch dort vielleicht wieder zu klappen (Sieg gegen Bazenheid). Still und leise aufgerückt zur Spitze ist nun Jung-Wil II. Ich hatte diese Möglichkeit bereits schon mal angedeutet. Sie beruht auf Hintergründen, die in dieser Liga nur den FC Wil betreffen kann. Für die AS Calcio brennt es dagegen auch nach dem – dankbaren, aus Stadtrivalensicht! – 4:2 im kantonalen Derby gegen die Oberthurgauer aber weiterhin. In der Rückrunde hat die Mannschaft rechnerisch noch fast die doppelte Punktezahl der ersten Runde anzupeilen, um nicht in den Abstiegsmodus zu geraten. Die drei Mannschaften, die noch vor der Döbeli-AS liegen, haben ebenso punkten können.

    Für den FCK wird nun die Nachtpartie gegen Widnau zu einem echten Finale der ersten Halbsaison, um so weit oben wie möglich die dann folgende zweite Saisonhälfte angehen zu können. Da erübrigst sich dann der Vermerk: “Nur nicht überlaufen lassen”! – ein schon lange bestehendes Phänomen bei den Hafenarealtschuttern, das in vergangenen Jahren stets wiedermal ärgerte, gehört doch ein Vermeiden dieser gegnerischen Standard-Angriffssituation zum klassischen Vokabular einer Spitzenmannschaft. Warum das zeitweise nicht funktioniert und letztlich gar Aufstiege verhindern kann, hat sicher viele Ursachen. Zu lösen ist das nicht durch Zuschauer oder gar entfernte Beobachter. Dazu sind andere zuständig. Hafetschutter bleibt hier und ewig grundoptimistisch! Ist ja schon mal was. Oder viel.

  3. Was gibt das am Mittwoch für ein Finale. Der Sieger des Nachtragsspiels zwischen dem FC Kreuzlingen und dem FC Widnau wird den FC Weesen von der Tabellenspitze ablösen, und sich somit als Herbstmeister feiern lassen können.

    Der FC Kreuzlingen ist in den letzten Wochen gewaltig aus dem Tritt gekommen. Nach 9 ungeschlagenen Spielen (8S, 1N) gab es zuletzt 3 Niederlagen in Serie. Somit ist der Aufstiegsfavorit Nr.1 nicht mehr souveräner Tabellenführer, sondern lediglich noch auf dem 4.Platz anzutreffen. Mit einem Heimsieg gegen den noch ungeschlagenen FC Widnau (7S, 5N) könnte der FC Kreuzlingen trotzdem noch auf dem 1.Platz überwintern.

    Der FC Widnau hat sich heute, mit einem ungefährdeten 4:1 Heimsieg gegen einen chancenlosen FC Seuzach, die Chance auf den Herbstmeistertitel gewahrt. Mit einem Auswärtssieg gegen den FC Kreuzlingen kann sich der FC Widnau die bisher schon grandios verlaufene Vorrunde, vergolden.

    Auch wenn es am Mittwoch wohl lediglich, bei Covid 19 weiss man ja zwar nie, „nur“ um den Herbstmeistertitel, und nicht um den Aufstieg geht, steht aus meiner Sicht sehr viel auf dem Spiel. Der FC Kreuzlingen will sicher nicht mit 4 Meisterschaftsniederlagen in Serie in die Winterpause gehen. Daher erwarte ich, auch wenn der FC Kreuzlingen durch Covid 19 wohl weiterhin geschwächt sein wird, einen starken Gegner.
    In der derzeitigen Verfassung braucht sich der FC Widnau aber vor keiner Mannschaft in dieser Liga zu verstecken. Wenn das vorhandene Potential abgerufen werden kann, dann ist der FC Widnau kaum zu schlagen. Das haben die bisherigen Spiele deutlich aufgezeigt.

    Ich freue mich bereits jetzt auf dieses Spiel. Auch ein Hitchcock hätte das Drehbuch nicht spannender schreiben können. Dass es im letzten Spiel der Vorrunde noch um die Herbstmeisterschaft geht, da ist doch sicherlich für viel Spannung, vielleicht sogar Zündstoff gesorgt. In Weesen, beim FC hofft man natürlich auf ein Unentschieden. Sollten sich der FC Kreuzlingen und der FC Widnau am Mittwoch die Punkte teilen, dann wäre der FC Weesen Herbstmeister.

    In Kreuzlingen wird man wohl mit der derzeitigen Situation hadern, und sich eventuell sogar nicht als konkurrenzfähig ansehen. Der FC Widnau ist jedenfalls im Schuss, das hat die Mannschaft mit einer Machtdemonstration (4:1 gegen den FC Seuzach) am heutigen Sonntag gezeigt. Hoffentlich kann die Mannschaft diese Leistung auch am Mittwoch abrufen, dann sollte das eigentlich gut kommen.

    Nicht in jedem Spiel geht es um einen Titel. Aus meiner Sicht ist auch ein Herbstmeistertitel, auch wenn man damit nichts anfangen kann, etwas grossartiges. Daher ist bei mir, und hoffentlich auch bei allen beteiligten Spielern, die Vorfreude auf den Mittwoch riesig.

    In diesem Sinne wünsche ich allen anwesenden Fans auf dem Hafenareal, hoffentlich werden viele FC Widnau Fans die Reise nach Kreuzlingen auf sich nehmen, einen tollen, vor allem fairen Spitzenkampf. Möge es ein tolles Spitzenspiel werden, in dem sich die bessere, und nicht die glücklichere Mannschaft durchsetzen wird.
    Gruss aus Widnau

  4. Es muss nicht immer “gut kommen”, Markus, auch wenn sich eine bessere Mannschaft auf dem Platz befunden haben sollte, als die letztlich gewinnende. “Glück” war schon immer elementarer Bestandteil im Fussball. Seit seinen Anfängen. Und das ist das Spannende dieser Sportart. Ein viel zitiertes “Glück des Tüchtigen” impliziert ja nicht selten, dass eine scheinbar leicht zu schlagende Mannschaft zum Gewinner wird. Die Ursachen, warum das passieren kann, können vielfältig sein: Ob es fünf Pfostenschüsse der scheinbar Unschlagbaren sind, die Tagesform, die Psyche, das spielerische Engagement, die Verletztenliste, ein Virus, ein Rot, ein Gelb-Rot, ein falscher Elfmeterpfiff, usw. – bis hin zur (scheinbaren) “Nachtblindheit” eines Torhüters. Und der gegenüber läuft zur Höchstform auf! Wir erleben dies und Ähnliches besonders eindrücklich bei Cupspielen zweier Mannschaften aus unterschiedlichen Ligen. Man spricht dann von “Sensation”. Oft nicht ohne “Glück des Tüchtigen” erreichbar.

    So gesehen heisst es am Mittwoch womöglich schon: “Vorteil Widnau” – o.k. Aber dann läuft eben auch noch ein in jüngster Zeit arg gebeutelter FCK auf. Zuschauer warten endlich auf eine Reaktion. Das ist die interessante Ausgangslage gegen eine Mannschaft, die “Markus” nach einem Heimsieg gegen ein derzeit arg schwächelndes Team (Seuzach) mit “Machtdemonstration” krönt. Ob sich so was auf dem Hafenareal wiederholen lässt, liegt in den Sternen. Oder beim FCK-Trainer und seiner Mannschaft. Oder das “Glück” schlägt wiedermal zu. Ja wo denn? Antwort am Mittwoch unter Flutlicht.

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