Zwischenfazit vom Regio-Fussball

Es war kein Tag für den FC Kreuzlingen. Eine diskussionslose 0:4-Niederlage gegen das Spitzenteam des FC Paradiso und auch vom Spielfeldrand fehlte mehrheitlich die Unterstützung. Gleich zwei von drei Fangruppen konnten an diesem Samstag nicht vor Ort sein, gab es auch schon lange nicht mehr. Immerhin retteten Pöbel Kreuzlingen und ein paar Kickers die Fan-Ehre.

Einen kleinen Spielbericht mit Fotos findet Ihr auf regese.ch.

Wie läuft es im regionalen Fussball nach rund einem Viertel der Saison? Der FC Kreuzlingen befindet sich im Soll. Am kommenden Samstag gastiert man beim FC Freienbach, eine Mannschaft in Reichweite, umso wichtiger wäre es, dort zu punkten. Der FC Kreuzlingen U21 kämpft wie zu erwarten auch in dieser 3.-Liga-Saison gegen den Abstieg. Am letzten Wochenende siegte das Team von Tiziano Di Stefano erstmals – ausgerechnet gegen den tief gefallenen FC Sirnach mit mehreren Ex-Kreuzlingern (Trainer Damian Gimenez,  Safet Etemi, Dalibor Velickovic, Jelid Veliu).

Wie sieht es bei den anderen Mannschaften der Region aus? Der FC Frauenfeld befindet sich in der 2. Liga Interregional auf dem 9. Platz. Nach einem guten Start mit Siegen über Amriswil und Rorschach wurde man im weiteren Verlauf mit Niederlagen gegen Adliswil und Lachten/Altendorf sowie einem Untenschieden gegen den SV Schaffhausen zurückgebunden. Ein Aufstieg in die 1. Liga scheint in dieser Saison eher unwahrscheinlich. Die derzeitige Spitzengruppe in der 2. Liga Interregional bilden der FC Widnau, FC Rorschach-Goldach und Chur 97. Der FC Amriswil verlor drei seiner Stammspieler an den FC Arbon. Der FC Amriswil, letztes Jahr noch 1.-Liga-Aufstiegskandidat, erwischte einen rabenschwarzen Start in die 2. Liga Interregional. Drei Niederlagen in Folge und auch nach sechs Spieltagen kein einziger Sieg. Plötzlich ist auf dem Tellenfeld Abstiegskampf angesagt.

Kommen wir zur 2. Liga. Hier befindet sich der FC Arbon im Aufwind. Beim FCA ist zu vernehmen, dass die ganze 1. Mannschaft wieder aus Arbonern bestehen würde, inklusive Trainerstaff, umso schöner der derzeitige 3. Platz. Etwas weiter seeabwärts befindet sich der FC Romanshorn mit einem einzigen Punkt auf dem letzten Tabellenplatz. Uwe Berans FC Bischofszell startete ebenfalls eher enttäuschend und befindet sich mit 5 Punkten nur knapp vor den Abstiegsplätzen. Das heutige Kreuzlinger Bezirks-Derby gewann der ambitionierte FC Tägerwilen gegen die AS Calcio mit 2:0.  Tägerwilen (Trainer Kristijan Djordjevic, Stürmer Darko Anic) befindet sich in Lauerstellung hinter Leader Henau (drei Punkte Rückstand), AS Calcio Kreuzlingen liegt auf dem 4. Platz mit bereits fünf Punkten Rückstand zur Spitze, scheint sich in der 2. Liga aber konsolidiert zu haben.

Was macht der SC Konstanz-Wollmatingen? Die Konstanzer werden seit letztem Frühling/Sommer bekanntlich von der Calcio-Crew geführt. Der Landesliga-Aufsteiger liegt nach acht Spieltagen mit 13 Punkten auf dem 3. Platz (für Tore sorgt unter anderem Jusuf Shala). Davor liegen der DJK Donaueschingen (19 Punkte) und der TSV Singen (14 Punkte). Auch beim TSV Singen spielen Ex-Kreuzlinger eine wichtige Rolle, als Trainer amtet Fabian Wilhelmsen, für die Tore sorgt Marcel Simsek. In der letzten Saison erzielte Marcel Simsek übrigens sagenhafte 51 (!) Tore für den TSV Singen. Dem Meister winkt der direkte Aufstieg in die Verbandsliga, der Zweitplatzierte muss über die Relegation. In der Verbandsliga kam der FC Singen 04 bereits letzte Saison an, kämpft dort aber postwendend gegen den Abstieg. Der Singener Lokalkonkurrent 1. FC Rielasingen-Arlen hält sich in der Oberliga auf einem Mittelfeldplatz, hat aber angeblich den wichtigsten Sponsor verloren.

Das wars mit der kurzen Rundschau. Gerne könnt Ihr etwas in den Kommentaren zu genannten Vereinen beitragen.

Am nächsten Sonntag biete ich Euch dann wieder wie üblich einen Bericht vom FC Kreuzlingen.

4 Comments

  1. Der prächtige Bus sagt schon einiges aus! Da hat sich jemand etwas ausgedacht. Und wenn man der Transferliste traut, so spielte gestern im Hafenareal ein Team, das allein durch 4-5 Spieler eine Halbe Million Wert sein soll.

    Nun ist es so eine Sache mit dieser Liste: Allzu ernst ist sie nicht zu nehmen. Aber sie kann doch einen Hinweis geben, dass es da auch mal mehr sein darf, als nur amateurhaft gekickt zu haben. Und so könnte man aus der 1. Liga Classic wohl eine Elf zusammenbasteln – quer durch alle Clubs -, die selbst in der “Challenge” nicht untergehen würde. Eine solche Liste fehlt mal! Sie dürfte einiges aussagen…..

    Gegen den Vorortsclub aus Lugano gab es, wie das Resultat zeigt, für den FCK nichts zu holen. Der FC Paradiso ist ein Club der sich – zusammen mit der Elf von Lugano II – an der Spitze halten dürfte. Von dieser Annahme ist der FCK im jetzigen Zustand meilenweit entfernt. Wenn die beiden vergangenen Partien (FC Gossau, FC Paradiso) mit – zusammengezählt -, 0:7 endeten, käme man ins Grübeln, würde in den Spielberichten nicht immer wieder von “guten Ansätzen” erzählt. So gesehen stützt man sich halt auf diese Ansätze, die die notwendigen Punkte bringen sollten. Und wenn die Fausregel gilt, dass man pro Begegnung im Schnitte einen Punkt braucht, um “dabei zu bleiben”, ist man ja noch im Soll. Und auch für den FC Paradiso stimmts – allerdings in der anderen Richtung.

    Paradiesisch gelegen ist der Heimplatz des gestrigen Gegners wohl nicht gerade. Entlang der A2 Richtung Melide zieht sich heute ein kilometerlanges Gewerbegebiet (ge-googelt!). Und der “Campo die Calcio” des FC Paradiso ist ein Stück davon. Käme es nur auf die Platz-Örtlichkeit an, wäre dagegen der FCK eher im Paradies! Das dürfte auch den Gästen aus dem Tessin aufgefallen sein. Aber fussballerisch ist das echte Paradies ja nach wie vor nur dort, wo Punkte eingesammelt werden – weniger eine Frage der Ästhetik der Platzumgebung.

    Überraschend Literarisches: Eigentlich fuhr der FC Paradiso-Bus “von Hermann Hesse zu Hermann Hesse”, wohnte der Dichter doch unweit des “Campo di Calcio” – oben in Montagnola. Und hier bei uns residierte Hesse einige Jahre in Gaienhofen am Untersee! Ob er von Fussball etwas verstand, ist nicht übermittelt. Im Tessin war er im Herbst wohl eher mit Maronibraten beschäftigt (wie ich einem Bildband entnahm).

    Wie Hafetschutter berichtet, ist beim SV Konstanz-Wollmatingen eine “Calcio Crew” am werkeln (Vereinsspitze, Sponsoring). Es ist nicht das erste Mal, dass über die Grenze sportlich hinweg investiert wird. (Warum die Kräfte nicht in Kreuzlingen zu bündeln sind, ist bereits mehrfach beschrieben worden). Wie dem auch sei. Noch immer spricht man von der gloriosen Zeit der Konstanzer Fussballszene, als mit der DJK Konstanz auf einem Level Fussball-Geschichte geschrieben wurde, wie es sie nie mehr ergab. Dabei war ein Schweizer Investor eine treibende Kraft (ein Herr Armuzzi). Er hatte dabei die lustige Idee, auch mal im Tor stehen zu dürfen. Das muss ihm Herr Meloni (Calcio) beim SVKW erst mal nachmachen! Immerhin versammelten sich in den 70ern in diesem “Konstanzer Fussball-Rausch” (Südkurier) Tausende von Zuschauern im schönen Bodensee-Stadion. Nicht wenige aus der Schweiz! Für Tausende wäre das hübsche, etwas moorige “Fürstenberg-Stadion” im Konstanzer Westen nicht gerüstet. Hat aber auch noch Zeit……

    • Was Paradiso und Lugano II an Spielern im Kader haben ist tatsächlich beachtlich, ein grosser Teil der Mannschaft hat Promotion League, Challenge League, Super League und Europa League (!) – Erfahrung. Da würde ich mir manchmal etwas mehr Nachsicht bei einem Teil des Publikums im Hafenareal wünschen. Gegen solche Mannschaften kann man halt auch mal 0:4 verlieren. Wichtiger scheinen mir Spiele wie das kommende in Freienbach. Interessant wie Lugano II eine gestandene Mannschaft stellt, während GC II und vor allem Winterthur II fast nur auf junge Talente setzen.

  2. Zu Konstanz wäre noch zu erwähnen, dass es auf gleicher Ligahöhe (Landesliga) einen 2. Stadtclub gibt – die SG Dettingen-Dingelsdorf. Nach dem SG-Auswärtserfolg gegen den Türkischen SV Singen (1:2) liegt der Club gegenwärtig sogar noch vor dem SC Konstanz-Wollmatingen, obwohl dieser gegen den Tabellenersten DJK Donaueschingen immerhin unentschieden spielte (2:2). Dem “Spitzenspiel” wohnten auf dem Fürstenberg-Platz 100 Zuschauer zu – wird gemeldet. Konstanz hat 85’000 Einwohner.

    Der Verlust von “Stammspielern” (Amriswil) ist ein weit verbreitetes Phänomen. Die fussballsportliche Reiselust scheint ungebrochen! Über die “Hintergründe” herrscht jeweils ziemliches Schweigen. Die betroffenen Vereine haben nicht selten das Nachsehen. Nicht alle bringen die Kraft auf, sich zu erholen.

    • Die Zuschauerzahlen beim SCKW überraschen tatsächlich. Aufstieg und gleich wieder in der Spitzengruppe und einige lokale Derbys, da könnte man etwas mehr Euphorie erwarten. Allerdings haben es grössere Städte allgemein schwerer in der Zuschauergunst, um aufzufallen braucht es viel. Bezüglich Verbandsliga hatte ich offensichtlich eine alte Tabelle zur Hand, mittlerweile ist der Aufsteiger FC Singen 04 in der Spitzengruppe, direkt hinter Pfullendorf.

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