Klassiker-Duell in Freienbach

Die Vorschau des FC Freienbach versprach mit der Partie gegen Kreuzlingen ein “Klassiker-Duell”. Zurecht, in den letzten 10 Jahren gab es zuhauf äusserst spannende, teilweise dramatische Partien gegen die am Zürichseeufer beheimateten Schwyzer. Jahrelang kämpfte man in Freienbach wie auch in Kreuzlingen um den (Wieder-)Aufstieg in die 1. Liga. Freienbach gelang es erst nach einem Wechsel in die Gruppe 5, im Sommer 2021 war es soweit (nach 20-jährigem anlaufen). Kreuzlingen folgte im Jahr darauf (nach 10-jährigem anlaufen). Beide Vereine hatten sich diesen Aufstieg mit grosser Beharrlichkeit verdient. Nicht mit Gewalt wurden am Zürich- und Bodensee Aufstiege angestrebt, kontinuierliches Arbeiten mit vorhandenen Mitteln war die Maxime in Freienbach und Kreuzlingen. Da konnten Medien auch gerne mal von “Verfreienbachlern” und “Verkreuzlingern” reden, wenn wieder mal ein angepeilter Aufstieg knapp verpasst wurde. Man blieb seiner Linie treu – und wurde an beiden Orten schlussendlich dann doch mit dem Aufstieg in die 1. Liga belohnt.

Was haben Kreuzlingen und Freienbach neben dem Fussballplatz gemeinsam? Es sind beides Zusammenschlüsse von mehreren Dörfern. Während sich Kreuzlingen heute aber als Stadt versteht, sieht man sich am Zürichsee als Gemeinde aus fünf Dörfern.  Seeanschluss, zusammengewachsene Dörfer, dann hat es sich aber schon bald mit den Gemeinsamkeiten zwischen Kreuzlingen und Freienbach. Besonders deutlich sieht man das bei den politischen Verhältnissen. Freienbach wählt deutlich bürgerlich-konservativer als das eher mitte-links dominierte Kreuzlingen.

Aber wir sind wegen Fussball auf die Freienbacher Chrummen gekommen. Es regnet, auch das in meiner Erinnerung typisch für Kreuzlinger Spiele in Freienbach. Halb so schlimm dank der grosszügigen Tribüne, hier trainiert bekanntlich auch hin und wieder die Schweizer Nationalmannschaft.

Der FC Freienbach wird seit letzter Saison vom Konstanzer Jürgen Seeberger (Alemannia Aachen, Darmstadt, Winterthur) trainiert. Mit Mittelfeldspieler Louis Spindler befindet sich ein weiterer Konstanzer in den Freienbacher Reihen. Schön, dass dieser genau gegen Kreuzlingen im Matchprogramm als “Spieler im Fokus” porträtiert wurde.

Endlich findet diese Partie also wieder in der 1. Liga statt. Es entwickelte sich das erwartete Duell auf Augenhöhe. Bis zum Ende blieb es spannend, auch das spricht für das “Klassiker-Duell”.

Einen kurzen Spielbericht mit weiteren Fotos findet Ihr auf regese.ch. Den Spielbericht aus Freienbacher Blickwinkel findet Ihr in Kürze auf fc-freienbach.ch.

Stojan Miljic brachte wieder Dampf ins Angriffsspiel.

Nach der 3:2-Niederlage blieb ein etwas enttäuschtes Gefühl zurück, auf der Chrummen wären an diesem Nachmittag sicher Punkte drin gelegen. Zumindest ein Unentschieden hätte sich passender angefühlt. Aber der FC Kreuzlingen spielt, solange es nicht gegen Spitzenmannschaften geht, gut mit in der 1. Liga. Die Mannschaft wirkt sehr intakt.

Yves Seeger krönte sein Comeback fast mit einem Tor des Jahres.

Auch neben dem Platz war es der erwartete Klassiker, auf der Tribüne geht es fast schon traditionell hoch zu und her bei den Spielen zwischen Freienbach und Kreuzlingen. Unvergessen wie Uwe Beran mit seiner Spielweise jeweils die ganze Tribüne in Freienbach in den Wahnsinn trieb. Seine technischen Fertigkeiten wurde auf dem Platz rustikal beantwortet, blieb Uwe dann liegen kannte der Unmut im Freienbacher Publikum keine Grenzen mehr – und beim Kreuzlinger Publikum kannte der Unmut über die unfairen Aktionen keine Grenzen mehr. Uwe Beran ist mittlerweile bei Bischofszell, aber in der Endphase des Spiels feuerten die Freienbacher und Kreuzlinger Zuschauer ihre Spieler wieder lautstark an – und am Ende wünschte man sich eine gute Heimreise, sehr schön.

Kreuzlinger Fanecke in Freienbach

Neben dem Platz gibt es ein grosses Angebot an Speis und Trank wie mir gesagt wurde. Ich blieb klassisch bei Feldschlösschen und einer Bratwurst von der Ochsen-Metzgerei Schindellegi.

Die vor gut 20 Jahren neu errichtete Anlage bietet natürlich eine gute Infrastruktur. Schade hat man damals Clubhaus und Garderobentrakt soweit vom Spielfeld zurückgesetzt gebaut, heute befindet sich an dieser Stelle ein kleiner Kunstrasenplatz. Hätte man dieses Gebäude näher am Spielfeld gebaut, wäre eine deutlich engere Atmosphäre entstanden. Ein Fehler der an vielen Orten gemacht wird. Letzte Woche erzählte mir ein Arboner wie schön “eng” es im Hafenareal sei. In Arbon hätte sie zwar ein schönes Clubhaus gebaut, doch der Architekt fand das Clubhaus damals als Ensemble passender an einer Sporthalle angebaut anstelle einem Bau direkt am Fussballplatz. Resultat, sie stellen jeweils einen temporären Zapfhahn am Spielfeldrand auf, fehlen nur noch mobile WCs, ich denke nicht, dass der Architekt heute noch am Sportplatz verkehrt. So schlimm ist es in Freienbach nicht. Doch am Spielfeldrand sollte man idealerweise den Duft des Grills riechen – und aus dem Bauch der Kabine laufen die Spieler mit Stollengewitter auf den Platz.

Aus dem Hafetschutter-Archiv (draufklicken für Aufstellung mit Coach Bruno Brütsch):

 

1 Comment

  1. Die Zahl der Mannschaften, gegen die der FC Kreuzlingen in seiner neuen Liga gewinnen könnte, reduziert sich. Je früher in der laufenden Meisterschaft diese Erkenntnis reift, umso zielgerichteter kann reagiert, kann geplant werden!

    Es gilt da schon die Erfahrung, dass man gegen ein – tabellarisch – hinter einem liegenden Team halt gewinnen müsste – oder mindestens unentschieden spielen. Gegen stärkere Mannschaften ist dann bei einem Nuller die Sache weniger tragisch. Punktverluste, die man gegen “machbare Teams” vergeigt, sind weit kritischer, als die gegen “gemachte Teams” mit ihrer altbekannten Ligastärke. Nur regelmässig “gut mitspielen” – keine Weisheit! -, gibt definitiv keine Punkte.

    Nun gleicht der Fussball immer wiedermal einem Würfelspiel! Das zeigen die Resultate auch noch. Wenn etwa – wie geschehen – der FC Gossau zuhause gegen den FC Höngg 2:4 verliert, so ist dieses Resultat mindesten nach Tabellenstand und Kreuzlinger Erfahrungen kaum erklärbar. Solche Erkenntnisse reichen bekanntlich weit über die 1. Liga Classic hinaus. Es bleibt somit
    eine gewissen Hoffnung, dass überm “gut mitspielen” auch mal ein Glücksstern stehen könnte. Irgendwo muss er doch sein…!

    Aber es ist eben schon so: In dieser Liga wird “entschlossener” gespielt, “zupackender”, “schneller”, als es sich Mannschaften gewöhnt sind, die aufsteigen. Es sei denn, man steigt mit einer Mannschaft auf, die bereits darauf hin “komponiert” wurde. Ob man sich das leisten kann, ist dann noch eine andere Sache. Ich beobachtete vergangene Saison den Aufsteiger FC Rotkreuz. Er hatte sich eine Mannschaft zusammengezimmert, die sich besonders durch ein hohes “Durchschnittsalter seiner Spieler” profilierte – gute Spieler, auch gelistete! Die Meisterschaft in seiner 2. interregionalen Gruppe wurde mit gigantischem Vorsprung gewonnen. In der 1. Liga Classic bewegt man sich jedoch derzeit höchstens im Mittelfeld. Dazu käme wiedermal “der Spruch mit den Trauben” ins Spiel. Ist eben im Effekt eine andere Liga!

    Der FCK ist durchaus bemüht, sich der neue Aufgabe zu stellen. Auch der Mit-Aufsteiger (Weesen) muss noch besser “in die Gänge kommen”. Den Tapferen FCK-Fans bleibt somit nach wie vor das “Prinzip Hoffnung” als Motivation, um ihre Mannschaft weiterhin tüchtig zu unterstützen. Am Zürichsee war dies sogar regengeschützt möglich. Ist – neben einer spielerischen – eine Erkenntnis, die man am Bodensee gut einbringen kann .

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